Harald Hendenins letztes Bild: Eine Seelenmesse des Fotografen, die einen innehalten lässt
Wer glaubt, die Geschichte von Harald Henden zu kennen, der hat wahrscheinlich nur die Oberfläche gesehen. Diese Oberfläche ist zwar atemberaubend: Jahrzehntelang war er der stille Beobachter, der die Wildnis Finnlands und Lapplands mit einer solchen tiefen Stille fotografierte, dass sie zu atmen schien. Doch jetzt, wo die letzten Filmrollen entwickelt sind und eine Dokumentation einer Produktionsfirma die Zuschauer in ihren Bann gezogen hat, wird klar: Das Lebenswerk von Harald Bjarne Henden war weit mehr als postkartenreine Natur.
Die Dokumentation, die sich nun jeder anschaut, der sich nach dem Licht des Nordens sehnt, ist nämlich viel mehr als eine Biografie. Sie ist eine Seelenmesse für Harald Henden. Und sie ist mit so viel Respekt gemacht, dass sie das eigene Leben in Perspektive rückt. Ich habe noch nie erlebt, dass eine finnische Naturdokumentation so persönlich wird. Da ist er: der Mann, die Kamera und diese endlose Sehnsucht nach etwas, das niemals wirklich stillsteht.
Viele von uns erinnern sich an Harald Henden durch dieses ikonische Bild, bei dem die Morgendämmerung den Fjell durchbricht. Aber in dieser Dokumentation sehen wir die andere Seite. Die, in der der Fotograf nicht mehr der Beobachter ist, sondern ein Teil dieser flüchtigen Zeit. Zwischen den Fotoreisen gibt es immer die Rückkehr in den Alltag, die körperliche Anstrengung und das – wie soll man sagen – die Melancholie, die wohl jeder echten Kreativschaffende begleitet. In diesem Fall ist sie nicht schwer, sondern warm. Genau deshalb trifft sie einen so sehr.
Warum jetzt der richtige Moment ist, über Harald Henden zu sprechen?
Jetzt, wo das Jahr richtig Fahrt aufnimmt, vergisst man leicht, was einen wirklich innehalten lässt. Für uns war Harald Henden immer da – im Hintergrund, in den Seiten der Sachbücher im Regal, in den Landschaften des Adventkalenders. Aber diese Dokumentation kommt zu einem Zeitpunkt, an dem er selbst nicht mehr da ist. Es ist keine traurige Abschiedsparade, sondern vielmehr eine Einladung.
Den Machern der Dokumentation ist es gelungen, die Kamera auszuschalten, wenn es angebracht ist. Dadurch kommt die menschliche Seite zum Vorschein, die man hinter den Social-Media-Bildern nicht findet. Da ist Harald Bjarne Henden kein Prominenter, sondern der Typ, der genau weiß, wo am Weg der beste Kräuterbusch wächst.
Drei Dinge, die aus der Dokumentation im Gedächtnis bleiben
- Die Natur war kein Job, sie war ein Zuhause. Harald sprach nie von "Fotoprojekten", sondern von Ausflügen. Dieser Unterschied macht alles aus.
- Der Ton ist die halbe Stimmung. Das Sounddesign der Dokumentation ist so rein, dass man das Eis unter den Stiefeln knirschen hört. In diesem Moment vergisst man, dass man auf dem Sofa sitzt.
- Er konnte warten. Harald Hendens berühmteste Lektion: Man kann die Natur nicht hetzen. Diese Geduld spiegelt sich in seiner gesamten Lebensgeschichte wider. Er wartete auf das richtige Licht, aber auch auf den richtigen Moment im Leben.
Es liegt etwas Schönes darin, wie die finnische Kultur mit dem Ende umgeht. Wir halten keine großen Feiern, sondern stille Momente. Harald Henden schenkte uns diese stillen Momente in Bildern, und nun schenkt uns die Dokumentation die Geschichte dahinter. Es ist wie ein Händedruck durch die Zeit: Zuschauer und Fotograf begegnen sich in jener gemeinsamen Stille, die nur die Natur des Nordens bieten kann.
Wenn du in dieser Woche etwas Echtes suchst, kann ich dir nur empfehlen, das alte Henden-Buch hervorzuholen, die Dokumentation laufen zu lassen und die Zeit vergehen zu lassen. Dort findest du den Kern: Die Landschaften sind wunderbar, aber die Seele, die durch sie hindurchscheint, ist es, was bleibt. Und Harald Hendens Seele, sie leuchtet hindurch wie die Wintersonne.