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Roger Elsener wird neuer SRF-Direktor: Wer ist der Mann, der das Schweizer Fernsehen führen soll?

Medien ✍️ Lukas Müller 🕒 2026-03-11 14:45 🔥 Aufrufe: 1
Roger Elsener, neuer Direktor des SRF

Es ist beschlossene Sache: Roger Elsener wird neuer Direktor des Schweizer Radio und Fernsehen. Die Nachfolge von Nathalie Wappler ist geregelt. Aber Hand aufs Herz: Hätten Sie ihn auf Anhieb erkannt? Im grossen Spiel um den mächtigsten Sessel am Leutschenbach heisst der Neue also Elsener, Roger Elsener. In den Redaktionsstuben von Bern bis Zürich ging daraufhin ein Raunen um: Roger wer? Genau dieses Raunen macht die Sache so brisant.

Der 55-Jährige kommt nicht aus der Branche. Er ist ein Quereinsteiger reinsten Wassers. Jahrelang führte er den Autozulieferer Rieter durch stürmische Zeiten, später präsidierte er den Industrieverband Swissmem. Ein gestandener Manager, klar. Aber ein Medienmensch? Hier scheiden sich die Geister. Die einen, vor allem in den wirtschaftsnahen Kreisen, flüstern: Endlich jemand, der weiss, wie man einen Betrieb führt, der Kosten im Griff hat und den Gürtel enger schnallen kann, wenn die Werbeeinnahmen wegbrechen. Die anderen, das Stammpersonal der Branche, die erfahrenen Journalisten, runzeln die Stirn. Man munkelt, ihm fehle das Gespür fürs Programm, der Riecher für den kulturellen Auftrag.

Fakt ist: Roger Elsener ist für die meisten hierzulande derzeit der grosse Unbekannte. Einer, der nicht aus der Zunft kommt, aber plötzlich das Sagen hat. Der Verwaltungsrat des SRF hat ihn einstimmig gewählt – das hat Gewicht und zeigt, dass die Verantwortlichen geschlossen hinter ihm stehen. Aber ob er das Spiel wirklich versteht, wird er erst beweisen müssen. Es ist wie beim Fussball: Ein guter Trainer muss nicht selbst ein Weltstar gewesen sein, aber er muss die Mannschaft im Griff haben und die Taktik verstehen. Aus dem Umfeld hört man, man sei gespannt, wie er die oft eigenwillige SRF-Kultur führen wird.

Bis er offiziell das Kommando übernimmt, dauert es noch ein paar Monate. Aber die grossen Baustellen, die ihn erwarten, die kennen wir alle. Es sind genau diese drei Knacknüsse:

  • Programm-Politik: Hält er an der starken regionalen Verwurzelung fest, die das SRF ausmacht, oder forciert er schlankere, zentralisierte Strukturen, wie sie die Kritiker seit Langem fordern?
  • Die digitale Welle: Wie schnell und wie radikal muss er die linearen Sender umkrempeln, um die junge Generation überhaupt noch zu erreichen? Die Zukunft heisst Play SRF, und das weiss auch der neue Mann.
  • Der politische Druck: Die Diskussion um die Gebühren ist nie verstummt. Wie will Elsener Roger das Haus da durchmanövrieren, ohne dass es am Schluss lichterloh brennt? In den Korridoren des Bundeshauses wird man ihn genau beäugen.

Seine Vorgängerin hat den Sender stark in Richtung Gesellschaft und Kultur geprägt, sie hinterlässt ein Haus, das gut dasteht, aber vor gewaltigen Umbrüchen steht. Wird Roger Elsener jetzt der sanfte Reformer oder doch der knallharte Sanierer? Vielleicht braucht es genau das: einen Mix aus betriebswirtschaftlichem Know-how und dem nötigen Fingerspitzengefühl für dieses besondere Haus. Eines ist sicher: Langweilig wird es mit ihm nicht. Der Druck ist enorm, die Erwartungen auch. Wir als Publikum können gespannt sein, welches Gesicht SRF unter seiner Führung bekommt.