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WhatsApp im Visier russischer Hacker: Was der Angriff für die Schweiz bedeutet

Technik ✍️ Lukas Meier 🕒 2026-03-11 14:55 🔥 Aufrufe: 1
Titelbild: WhatsApp und Signal im Visier von Hackern

Es ist eine der schwerwiegendsten Cyber-Warnungen der letzten Jahre: Eine russische Hackergruppe hat es gezielt auf Konten des Messengers WhatsApp und der als besonders sicher geltenden Alternative Signal abgesehen. Betroffen sind hochrangige Regierungsbeamte, Militärangehörige und Journalisten in mehreren europäischen Ländern. Auch für uns in der Schweiz, wo WhatsApp praktisch zur Grundausstattung jedes Smartphones gehört, wirft der Angriff sofort Fragen auf: Wie verwundbar sind wir wirklich? Und was können wir tun, um nicht ins Visier zu geraten?

Eine neue Dimension der Messenger-Attacke

Die Angriffe, über die ich in den letzten Stunden mit Sicherheitsexperten gesprochen habe, sind ausgeklügelter als die üblichen Phishing-Versuche. Die Hacker versenden dabei keine simplen Spam-Nachrichten, sondern perfekt getarnte Köder. Oft geben sie sich als Kontaktperson aus dem Umfeld des Opfers aus und verschicken einen Link. Wer darauf klickt, landet nicht auf einer harmlosen Webseite, sondern öffnet über eine Schwachstelle in WhatsApp Web oder der mobilen App eine Hintertür. Besonders tückisch: Die Schadsoftware kann sich dann über die Chat-Liste weiterverbreiten, ohne dass der Nutzer es sofort merkt.

Wer ist im Visier – und was hat das mit der Schweiz zu tun?

Laut Informationen aus Sicherheitskreisen konzentrieren sich die Attacken auf Personen mit Zugang zu sensiblen Informationen. Dazu zählen Mitarbeiter von Verteidigungsministerien, aber auch investigativ arbeitende Journalistinnen und Journalisten. Für die Schweiz, Sitz zahlreicher internationaler Organisationen und Drehscheibe für Diplomatie, bedeutet das eine erhöhte Wachsamkeit. Auch wenn bisher keine offiziellen Stellen direkt genannt wurden, wäre es naiv zu glauben, dass Schweizer Nutzer verschont bleiben. Die Taktik der Hacker ist es, möglichst viele Konten zu kompromittieren, um an internen Schriftverkehr zu gelangen.

Von der Regierung bis zum Streamer: Jeder ist ein potenzielles Ziel

Interessant ist, dass die Angriffswelle nicht nur auf die Elite abzielt. Selbst bekannte Persönlichkeiten wie der deutsche Streamer Papaplatte mit seiner riesigen Community könnten als Multiplikator dienen. Sollte sein WhatsApp-Account gekapert werden, könnten die Hacker über seine Kontakte eine Lawine lostreten. Es ist ein Weckruf für alle, die eine gewisse öffentliche Aufmerksamkeit geniessen – und das sind in der vernetzten Welt von heute viele. Die Zeiten, in denen man dachte: «Mich hackt doch keiner», sind endgültig vorbei.

Was bedeutet das für Unternehmen und WhatsApp Business-Nutzer?

Für Geschäftskunden, die WhatsApp Business nutzen, ist die Lage besonders heikel. Hier geht es nicht nur um private Chats, sondern um Kundendaten, Bestellungen und interne Absprachen. Ein erfolgreicher Angriff auf einen Firmenaccount könnte existenzbedrohende Folgen haben. Die Hacker könnten sich als Support ausgeben und versuchen, an sensible Unternehmensdaten zu gelangen. Deshalb rate ich dringend dazu, die Sicherheitseinstellungen in der Business-App zu überprüfen und Mitarbeiter für die neuen Gefahren zu sensibilisieren.

So schützen Sie sich jetzt sofort

Es gibt ein paar einfache, aber hochwirksame Schritte, die jeder WhatsApp-Nutzer in der Schweiz sofort umsetzen sollte. Verlassen Sie sich nicht allein auf die Standardeinstellungen.

  • Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren: Das ist das A und O. Gehen Sie in die Einstellungen, dann auf «Konto» und «Bestätigung in zwei Schritten». Richten Sie eine PIN ein, die nur Sie kennen. Das verhindert, dass jemand Ihre SIM-Karte klont und sich anmeldet.
  • Vorsicht bei WhatsApp Web: Prüfen Sie regelmässig, auf welchen Geräten Ihr WhatsApp geöffnet ist. In der App unter «Verknüpfte Geräte» sehen Sie sofort, ob sich dort ein unbekannter Rechner oder Browser eingeloggt hat. Wenn ja: sofort abmelden!
  • Misstrauen ist eine Tugend: Klicken Sie nie auf Links in Nachrichten, die Ihnen seltsam vorkommen, selbst wenn sie von einem Freund zu kommen scheinen. Fragen Sie im Zweifel telefonisch nach, ob die Nachricht wirklich von ihm stammt.
  • App immer aktuell halten: Sowohl WhatsApp als auch Ihr Betriebssystem sollten stets die neueste Version haben. Sicherheitslücken werden so am schnellsten geschlossen.

Fazit: Die Bedrohung ist real – und sie bleibt

Diese koordinierte Aktion gegen WhatsApp und Signal zeigt, dass Messenger längst zum Schauplatz von Cyberkriegen geworden sind. Es geht nicht mehr nur um lästige Werbung, sondern um gezielte Spionage und Sabotage. Gerade wir in der Schweiz, die wir stolz auf unsere digitale Infrastruktur sind, müssen unsere Hausaufgaben machen. Passen Sie auf sich auf – und auf Ihre Chats. Die nächste Phishing-Welle kommt bestimmt, aber mit dem richtigen Bewusstsein können wir den Hackern das Leben schwer machen.