Motörhead-Gitarrist Phil Campbell gestorben: Ein letztes Foto mit Freunden und die Erinnerungen an eine Rocklegende
Da sitzt er, lässig wie immer, umgeben von ein paar Kumpels, ein Bier in der Hand – so kennt man ihn, so liebt man ihn. Das letzte Foto von Phil Campbell, das vor ein paar Tagen aufgetaucht ist, zeigt den Gitarristen entspannt und gut gelaunt. Kaum jemand ahnte, dass es einer der letzten Momente sein würde, die der Rocker mit seinen Freunden teilen konnte. Jetzt ist die Nachricht offiziell: Phil Campbell, der Mann mit dem verwegenen Lächeln und den rasiermesserscharfen Riffs, ist gestorben. Die Rockwelt trauert um einen der authentischsten Gitarristen, die der britische Hard Rock je hervorgebracht hat.
Vom Waliser zum Motörhead
Geboren in Pontypridd, Wales, fand Campbell früh zur Musik. Doch seine grosse Bühne betrat er 1984, als er zu Motörhead stiess – einer Band, die zu diesem Zeitpunkt schon Legendenstatus hatte. Lemmy Kilmister, der unverwechselbare Bassist und Sänger, holte ihn ins Boot, um die Rhythmusgitarre zu verstärken. Zusammen mit dem damaligen Schlagzeuger Phil "Philthy Animal" Taylor und später mit Michael Burston, bekannt als Würzel, formte Campbell das klassische Line-up der Achtzigerjahre. Diese Besetzung – mit zwei Gitarristen – braute einen Sound zusammen, der dreckiger, massiver und trotzdem unverkennbar Motörhead war.
Die Ära mit Würzel und der Geist von "Another Perfect Day"
Würzel, der 2011 viel zu früh von uns ging, und Phil Campbell – das war eine Gitarrenwand, vor der selbst Betonmauern zersprungen wären. Gemeinsam tourten sie um die Welt und pressten Alben. "Another Perfect Day" (1983) war zwar noch vor Campbells Zeit, doch die rohe Energie dieses Albums – die Mischung aus Punk-Attitüde und Heavy-Metal-Wucht – war genau das, was Campbell später perfektionierte und auf die Bühne brachte. Man könnte sagen, er nahm den Geist dieser Platte und trieb ihn mit seiner eigenen, bluesigeren Note weiter. Obwohl Another Perfect Day ohne ihn entstand, war es die Blaupause für die Ära, die er mitprägte: technisch versiert, aber immer mit dem Herzen in der Schmutzigkeit des Rock 'n' Roll.
Sein Sound, sein Vermächtnis
Phil Campbell war mehr als nur der "andere Gitarrist" neben Lemmy. Er war derjenige, der die Melodien in den Lärm brachte. Seine Solos waren nie reine Geschwindigkeitsübungen, sondern hatten immer diesen gewissen Schmelz – wie wenn ein alter Bluesmann durch einen Marshall-Verstärker schreit. Alben wie "Orgasmatron" (1986) oder "Rock 'n' Roll" (1987) tragen seine Handschrift unverkennbar. Nach Lemmys Tod im Jahr 2015 machte Campbell mit seiner eigenen Band, den "Phil Campbell and the Bastard Sons", weiter und hielt die Fahne hoch. Er bewies, dass der Motor auch ohne den Chef noch lief – mit dem gleichen Krawall, aber auch dem nötigen Respekt vor dem Erbe.
Die letzten Tage und der Abschied
Das besagte letzte Foto, das nun die Runde macht, zeigt ihn in Gesellschaft von engen Vertrauten – lachen, plauschen, vielleicht alte Geschichten auspacken. Genau so will man ihn in Erinnerung behalten: als bodenständigen Typen, der das Rampenlicht nie so richtig brauchte, aber immer wusste, wie man es zum Leuchten bringt. Die Todesursache wurde bisher nicht offiziell bestätigt, doch die Trauer in der Musikgemeinde ist riesig. Von Brian May bis zu Dave Grohl reiht sich eine Hommage an die nächste. Für viele Fans war er der letzte echte Rock-Gitarrist einer aussterbenden Art.
Seine wichtigsten Stationen bei Motörhead – eine kleine, aber feine Auswahl:
- 1984: Einstieg bei Motörhead, Beginn der Ära mit zwei Gitarristen.
- 1986: Das Album "Orgasmatron" – Campbells Riffs werden düsterer, politischer.
- 1991: "1916" – zeigt seine Vielseitigkeit, von der Ballade bis zum Kracher.
- 2004: "Inferno" – ein Spätwerk, das beweist: Campbell hatte nichts von seiner Bissigkeit verloren.
- 2015: Nach Lemmys Tod gründet er "Phil Campbell and the Bastard Sons" und geht weiter auf Tour.
Mit Phil Campbell verliert die Welt nicht nur einen herausragenden Gitarristen, sondern auch ein Stück echter Rock-Kultur. Seine Riffs werden weiter durch die Boxen dröhnen, so lange es Menschen gibt, die laute Musik lieben. Raufbold, Virtuose, Waliser, Motörhead – er war alles gleichzeitig. Und jetzt, wo der letzte Vorhang gefallen ist, bleibt nur eins: die Gitarre nochmal richtig aufdrehen und ihm zu Ehren die Nachbarn erschrecken. In diesem Sinne: Danke für den Lärm, Phil!