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Maria Furtwängler im exklusiven Gespräch: «Viele würden den Feminismus gerne rückgängig machen»

Gesellschaft ✍️ Lukas Keller 🕒 2026-03-13 06:23 🔥 Aufrufe: 2

Maria Furtwängler im Porträt

Wenn Maria Furtwängler den Raum betritt, ist da diese Mischung aus eleganter Zurückhaltung und einer Klarheit, die man selten findet. Die Schauspielerin, Ärztin und eine der bekanntesten Frauen Deutschlands hat kürzlich in einem Gespräch kein Blatt vor den Mund genommen. Es ging um Macht, um alte Rollenbilder und um einen Satz, der nachhallt: «Viele würden den Feminismus gerne rückgängig machen.»

Eine Frau, die aneckt – und das bewusst

Man kennt sie als Kommissarin aus dem «Tatort», als Gesicht der MaLisa-Stiftung, die sie mit ihrer Tochter gegründet hat, und als eine der wenigen Stimmen im deutschen Fernsehen, die sich konsequent für Gleichberechtigung einsetzen. Doch was treibt Maria Furtwängler wirklich an? Im Verlauf des Gesprächs wurde klar: Es ist die Wut über die Selbstverständlichkeit, mit der patriarchale Strukturen immer wieder neu zementiert werden. Sie sprach von einer Gegenbewegung, die in den letzten Jahren spürbar sei – ein «Backlash», der versuche, erkämpfte Freiheiten wieder einzureissen.

«Feminismus ist kein Luxus, sondern Überlebensstrategie»

Besonders eindrücklich war der Moment, als sie auf ihre eigene Biografie zu sprechen kam. Die studierte Medizinerin, die parallel zur Schauspielerei praktiziert hat, weiss, wovon sie redet, wenn es um strukturelle Benachteiligung geht. Sie erzählte von Kolleginnen, die in Führungspositionen übergangen werden, von jungen Mädchen, die sich immer noch in enge Rollenklischees pressen lassen. Und dann dieser Satz, der wie ein Paukenschlag wirkte: «Viele würden den Feminismus gerne rückgängig machen, weil er sie in Frage stellt.»

  • Ihre These: Die Angst vor Machtverlust treibe viele Männer – und auch einige Frauen – um.
  • Ihr Werkzeug: Die MaLisa-Stiftung, die mit Studien und Projekten immer wieder den Finger in die Wunde legt.
  • Ihr Antrieb: Die Überzeugung, dass eine gerechtere Gesellschaft am Ende für alle besser ist.

Warum gerade jetzt? Ein Blick in die Schweiz und Deutschland

Die Debatte ist nicht auf Deutschland beschränkt. Auch in der Schweiz erleben wir ähnliche Diskussionen: um die Frauenrente, um die Care-Arbeit, um die Repräsentation in den Chefetagen. Maria Furtwängler machte im Gespräch klar, dass sie diese Phänomene als europäisch wahrnimmt. Es sei ein «kultureller Rollback», der sich durch alle Schichten ziehe. Umso wichtiger sei es, dranzubleiben – nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit klugen Analysen und einer Prise Humor. Und ja, sie lachte, als sie auf ihre eigene Doppelrolle angesprochen wurde: «Vielleicht ist es genau diese Zerrissenheit zwischen verschiedenen Welten, die mich antreibt.»

Man merkt: Diese Frau hat keine Angst vor Konflikten. Sie sucht sie sogar, wenn es der Sache dient. Ob als Schauspielerin vor der Kamera oder als Aktivistin im Hintergrund – Maria Furtwängler bleibt eine, die hinschaut. Und die uns daran erinnert, dass Feminismus kein Modewort ist, sondern eine Haltung. Eine Haltung, die sich lohnt zu verteidigen – gerade jetzt.