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Abschied von Franco Tentorio: Der Bürgermeister, der Bergamo prägte

Bergamo ✍️ Marco Rossi 🕒 2026-03-27 19:10 🔥 Aufrufe: 2

Bergamo erwachte mit einer Nachricht, die alles innehalten liess. Franco Tentorio, der Mann, der unsere Stadt zwischen dem Ende der 90er-Jahre und dem Beginn des neuen Jahrtausends führte, ist im Alter von 81 Jahren von uns gegangen. Es geht nicht nur ein ehemaliger Stadtpräsident, es schliesst sich ein Kapitel jüngster Bergamer Geschichte. Ich habe ihn oft in der Stadt getroffen, habe seine politischen Kämpfe verfolgt und heute, wie so viele, spüre ich das Bedürfnis, einen Moment innezuhalten und mich zu erinnern.

Franco Tentorio, una vita dedicata all'impegno politico

Es war 1995, als Franco Tentorio die Wahlen gewann. Für uns Bergamer, die wir eine gewisse politische Kontinuität gewohnt waren, brachte sein Amtsantritt frischen Wind. Ich erinnere mich, wie er auf dem Markt mit den Leuten sprach, direkt, ohne Umschweife, mit einer Klarheit, die in der Politik in letzter Zeit vielleicht gefehlt hat. Er war nicht der Typ für hochtrabende Reden: Er sah die Dinge an, wie sie waren, und wer ihn kannte, weiss genau, dass unter diesem entschlossenen Auftreten eine Leidenschaft für diese Stadt steckte, die weit über das Amt hinausging.

Zwei Amtsperioden lang, bis 2004, hielt er die Zügel der Stadt in der Hand. Es waren komplexe Jahre: Italien veränderte sich, die Provinz versuchte, sich nach dem Ende der Ersten Republik neu zu positionieren, und Bergamo musste mit einem städtischen Wachstum zurechtkommen, das Weitsicht erforderte. Er war kein einfacher Bürgermeister, und vielleicht wurde er gerade deshalb geschätzt. Sein Vermächtnis besteht aus konkreten Dingen, aus solchen, die man noch heute sieht, wenn man durch die Stadt geht.

Der Mensch hinter der Schärpe

Über Franco Tentorio zu sprechen, ohne seine tiefe Verbundenheit mit Bergamo zu erwähnen, wäre unmöglich. Geboren 1945, Kind einer anderen Ära, hatte er den Wiederaufbau und den Aufbruchsgeist der Siebzigerjahre erlebt. Als er sich in den Stuhl des Bürgermeisters setzte, wusste er, dass jede seiner Entscheidungen unter der Lupe stehen würde. Und er senkte nie den Blick.

Seine Stärke war es, zuzuhören, auch denen, die anderer Meinung waren. In einer Zeit ohne soziale Medien wurde Politik in den Sektionen, in den Kreisen, aber vor allem auf der Strasse gemacht. Und er war ein Meister in diesem Spiel. Wer ihn als politischen Gegner hatte, erinnert sich heute mit Hochachtung an ihn, denn er wusste, harte Auseinandersetzungen von persönlichem Respekt zu trennen. Eine Lektion, die heute vielleicht wichtiger wäre denn je.

Orte und Erinnerungen einer ganzen Gemeinschaft

Wenn ich an ein Symbol seiner Arbeit denken müsste, käme mir nicht eine Gedenktafel oder eine Einweihung in den Sinn, sondern eher die Art und Weise, wie er die Rolle verstand. Während seiner Amtszeit wuchs Bergamo mit wichtigen Projekten. Er sagte gern, dass eine Stadt nicht nur mit Baustellen gemacht werde, sondern mit den Menschen. Und vielleicht hatte er recht. Man denke nur an seine Gespräche mit den Unternehmen in unserer Region, ein wesentlicher Pfeiler für eine Stadt, die nie vergisst, dass sie auch ein Labor für Ideen und Wirtschaft ist.

In den letzten Jahren, nachdem er sich aus dem aktiven politischen Leben zurückgezogen hatte, war es nicht ungewöhnlich, ihm in der Innenstadt zu begegnen. Ein Kaffee im Café, ein Gespräch mit alten Freunden. Er hatte diese Ausstrahlung eines praktischen Intellektuellen nicht verloren, der mit der gleichen Leidenschaft über alles sprechen konnte. Sein Tod, der sich gestern ereignete, hinterlässt eine Lücke, die über die Politik hinausgeht.

Für viele ist es, als wäre ein Stützpunkt verloren gegangen. Menschen wie ihn, die die Stadt, in der wir leben, mit aufgebaut haben, vergisst man nicht so leicht. Denn die Erinnerung an einen guten Stadtpräsidenten misst sich nicht nur an Zahlen oder Ratsmitgliedern, sondern an den Spuren, die er auf den Plätzen, in den Strassen, im Alltag der Menschen hinterlässt.

  • 1995-1999: Erste Amtszeit als Bürgermeister, geprägt von einem direkten und für die damalige Zeit innovativen Ansatz.
  • 1999-2004: Im Amt bestätigt, meistert er die Herausforderungen des neuen Jahrtausends mit ungebrochener Entschlossenheit.
  • Ein Leben für Bergamo: Geboren 1945, hat er Jahrzehnte des Wandels begleitet und war stets ein fester Halt für die Gemeinschaft.

Heute trauert Bergamo um Franco Tentorio. Die Scheinwerfer der nationalen Politik bleiben aus, aber bei uns, in der Via XX Settembre, auf der Piazza Vecchia, unter den Arkaden, ist seine Abwesenheit deutlich zu spüren. Denn wenn ein Mann so viel von sich selbst in den Dienst seiner Heimat gestellt hat, ist die Dankbarkeit der Menschen das einzige Denkmal, das zählt. Und diese zollen wir ihm heute alle, mit der Stille und dem Respekt, die wahren Männern gebühren.