Oman im Auge des Sturms: Was bedeuten die Drohnenangriffe für den Golf und die Weltwirtschaft?
Für jene, die die Auseinandersetzungen in der Straße von Hormus verfolgen, war es ein vertrautes Bild: ein Öltanker, umgeben von Flammen. Doch der Angriff Anfang der Woche war anders. Erstmals hat die iranische Revolutionsgarde erfolgreich ein Drohnenboot – ein sogenanntes Kamikaze-Schiff – gegen ein Ziel im Golf von Oman eingesetzt. Das trifft nicht nur die Schifffahrt, es sendet Schockwellen durch die gesamte Region und zwingt uns, genauer auf ein oft übersehenes Land zu blicken: Oman.
Der unmögliche Spagat
Oman spielte jahrzehntelang die Rolle des neutralen Vermittlers am Golf. Während Saudi-Arabien und die VAE den Konflikt mit dem Iran eskalieren ließen, hielt Maskat die Türen einen Spalt offen. Doch mit den jüngsten Angriffen – zuerst auf einen "Schattentanker" mit Verbindungen zu Israel, nun auf einen Treibstofftanker – wird der Spagat für das Sultanat schwieriger. Einige der getroffenen Schiffe fuhren unter Billigflaggen, doch die Schifffahrt in omanischen Gewässern ist getroffen, und das bekommt jeder zu spüren. Ich habe mit mehreren Kapitänen gesprochen, die nun erwägen, die exponiertesten Routen zu meiden, auch wenn das Zeit und Geld kostet.
Wirtschaftliche Folgewellen: Von der Versicherung bis zum Flugticket
Für die Wirtschaft ist die Rechnung einfach: Jedes Mal, wenn eine Drohne oder eine Rakete über den Golf von Oman fliegt, steigen der Preis für Rohöl und die Versicherungsprämien. Oman Air, die Strecken nach Asien und Europa anbietet, muss mit längeren Flugzeiten und teureren Überflugrechten rechnen, falls der Luftraum als gefährlich eingestuft wird. Aber nicht nur die Luftfahrt ist betroffen. Die gesamte Logistikkette für Container- und Tankschiffe steht unter Druck. Wir sprechen über eine Region, durch die 20 % des weltweiten Öls transportiert werden. Wenn die Versicherungsgesellschaften die Reißleine ziehen, könnte ein Engpass entstehen, der an den Zapfsäulen in Österreich spürbar wäre.
Der Sport als Kontrast
Während die Welt den Atem anhält, versucht die omanische Fußballnationalmannschaft, sich auf das Grün des Platzes zu konzentrieren. Das Team hat sich in den letzten Jahren im asiatischen Fußball einen Namen gemacht und träumt von der Qualifikation für die Weltmeisterschaft. Derzeit trainiert man jedoch im Schatten militärischer Aktionen. Gleichzeitig bereitet sich die omanische Cricket-Nationalmannschaft in Maskat vor – Cricket ist am Golf fast eine Religion, und Oman hat mit seinen Leistungen in T20-Turnieren viele überrascht. Sport wird oft als weiche Macht eingesetzt, doch jetzt geht es eher darum, die Spieler von den Nachrichten über Drohnen und Ölpreise fernzuhalten.
Wenn Popkultur auf Geopolitik trifft
Es ist bezeichnend, dass, wenn Österreicher heutzutage nach "Oman" suchen, sowohl Nachrichten über Drohnenangriffe auftauchen – als auch Omanyte, das kleine versteinerte Pokémon. Das klingt vielleicht absurd, aber es zeigt, wie unterschiedlich die Interessen sind, die mit einem Namen verbunden werden. Für die einen ist Oman ein geopolitischer Brennpunkt, für andere ein Urlaubstraum (Oman hat seine Grenzen für Touristen wieder geöffnet), und für jüngere Generationen vielleicht nur ein Pokémon, das man mit einem versteinerten Bernstein wiederbeleben kann. Doch unter all dem digitalen Rauschen liegt eine Realität, in der Menschen und Schiffe in Gefahr sind.
Was steht für Oman auf dem Spiel?
Um zu verstehen, was Oman verlieren könnte, müssen wir uns die strategischen Vermögenswerte des Landes ansehen:
- Die Straße von Hormus: Der wichtigste Engpass der Welt für den Ölexport.
- Diplomatische Neutralität: Gastgeber für geheime Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran.
- Ein wachsender Tourismussektor: Maskat und Salalah ziehen immer mehr europäische Reisende an.
- Sportliche Ambitionen: Fußball und Cricket als nationaler Stolz und weiche Macht.
Die Frage ist, wie lange Oman seinen neutralen Kurs halten kann. Die Regierung in Maskat hat die Angriffe bereits verurteilt, aber gleichzeitig zum Dialog eingeladen. Es ist ein schwieriger Tanz: Einerseits muss man die Beziehung zum Iran pflegen, andererseits die eigenen Gewässer und die Interessen westlicher Verbündeter schützen. Ich erwarte, dass wir eine verstärkte maritime Zusammenarbeit zwischen Oman und westlichen Seestreitkräften sehen werden – aber diskret, so wie Oman es immer tut. Denn obwohl die Drohnen einschlagen, findet der eigentliche Machtkampf oft hinter verschlossenen Türen statt.