Tseng Cheng-yuan im Fall Ko Wen-je zu 7 Jahren und 4 Monaten verurteilt! Droht der "Recall-Antrag" der pan-blauen Koalition nun früher als erwartet? Lokale Parteibasis: "Dieser Kampf ist nicht zu vermeiden"
In den letzten Tagen dominierte das schwere Urteil gegen Ko Wen-je die politische Landschaft. Was viele jedoch übersehen haben: Die Auswirkungen greifen schneller um sich als gedacht und haben bereits den ehemaligen KMT-Abgeordneten Tseng Cheng-yuan erreicht. Parallel zum Urteil wurde Tseng wegen Verwicklung in eine illegale Spendenaffäre in erster Instanz zu sieben Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Die pan-blaue Koalition steht damit nicht nur vor den politischen Konsequenzen des "Ko-Falls", sondern muss sich wohl auch früher als geplant auf einen seit Längerem brodelnden Recall-Antrag gegen Tseng Cheng-yuan einstellen. Bei meinen Gesprächen vor Ort höre ich von vielen Basisvertretern: "Dieser Konflikt ist nicht mehr abzuwenden."
Urteilsdetails enthüllt: Politische Spenden als Schlüsselfaktor
Auch wenn dieses Urteil oberflächlich betrachtet eine Folge des "Ko-Falls" ist, so stand Tsengs Fall bereits während der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Fokus. Das Gericht befand, dass er während eines bestimmten Wahlkampfs illegale Spenden von bestimmten Unternehmen angenommen habe. Es handelte sich um erhebliche Summen und es bestand ein Zusammenhang mit Gegenleistungen – in Taiwans politischer Kultur ein nahezu vernichtender Vorwurf. Eine Haftstrafe von sieben Jahren und vier Monaten bedeutet für einen einst einflussreichen Spitzenpolitiker im Legislativ-Yuan definitiv das Ende seiner politischen Karriere. Für die Wähler vor Ort geht es jedoch nicht nur um eine Einzelperson, sondern um die gesamte regionale Machtstruktur.
Viele dachten, der Fall Ko Wen-je sei eine interne Angelegenheit der Taiwanischen Volkspartei (TPP). Doch die hohe Strafe gegen Tseng richtet den Fokus der "justiziellen Säuberung" nun direkt auf die oft undurchsichtigen Verbindungen zwischen Politik und Wirtschaft innerhalb der pan-blauen Koalition. Es kursieren viele Gerüchte. Die einen sagen, dies sei nur die erste Welle und weitere Befragungen stünden bevor; andere nennen direkt Namen und behaupten, bestimmte lokale Kräfte der pan-blauen Koalition seien in großer Angst, die Nächsten zu sein. Diese Verunsicherung breitet sich in der Basis rasant aus.
Steht eine neue Welle von Recall-Anträgen bevor? Basisvertreter: "Die Stimmung hat sich gedreht"
Bereits vor dem Urteil gab es online erste Aufrufe zur Unterzeichnung eines Recall-Antrags gegen Tseng Cheng-yuan. Damals hielten viele dies für Lippenbekenntnisse, da eine gewisse Hürde für die Einleitung eines Verfahrens überwunden werden muss. Doch mit dem Urteil hat sich die Lage grundlegend geändert. Laut Informationen aus der lokalen Politik hat sich die öffentliche Meinung in den letzten Tagen spürbar gewandelt. Ehemalige Unterstützer von Tseng aus der Mitte der Gesellschaft zeigen sich nun zurückhaltend, manche wirken sogar, als sei ihnen plötzlich "ein Licht aufgegangen". Das Urteil hat eine Kettenreaktion ausgelöst:
- Wachsende Mobilisierungskraft: Die größte Hürde bei einem Recall war bisher die mangelnde Mobilisierungsbereitschaft. Aber jetzt, mit der Untermauerung durch ein Gerichtsurteil, haben die Gegner eine "legitime" Grundlage. Viele, die sich zuvor aus der Politik heraushalten wollten, sehen nun die Notwendigkeit, Stellung zu beziehen.
- Druck von innen auf die pan-blaue Koalition: Die Kuomintang steckt in einem Dilemma. Eine Verteidigung Tsengs würde bedeuten, sich gegen den gesellschaftlichen Zeitgeist zu stellen; ihn fallenzulassen, könnte als Feigheit ausgelegt werden und die Moral weiter schwächen. Die lokalen Parteibüros werden derzeit mit Anrufen überschwemmt, die alle die Frage stellen: "Steht die Parteiführung zu ihren eigenen Leuten?"
- Die Grünen lauern: Obwohl die Demokratische Fortschrittspartei (DPP) öffentlich Zurückhaltung übt, ist die Basis längst in Bewegung. Sie werden den Recall nicht direkt betreiben, aber wenn sie den öffentlichen Willen aufgreifen und im Hintergrund Ressourcen bereitstellen, wird dies für die pan-blaue Koalition ein sehr schwerer Kampf.
Ein hochrangiger KMT-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, sagte: "Es geht nicht mehr um die Frage, ob es zum Kampf kommt – der Gegner steht längst vor den Toren. In dem Moment, als die Urteilsbegründung veröffentlicht wurde, wurde der Recall-Antrag gegen Tseng Cheng-yuan von einer 'Möglichkeit' zur 'unmittelbaren Realität'."
Der Fall Ko zeigt Nebenwirkungen: Die pan-blaue Koalition steht unter Beschuss von mehreren Seiten
Was viele nicht verstehen: Das schwere Urteil gegen Ko Wen-je ist für die pan-blaue Koalition eigentlich eine Bedrohung aus unerwarteter Nähe. In der öffentlichen Wahrnehmung werden nun alle politischen "Geldflüsse" unter der Lupe betrachtet. Der Fall Tseng wirkt wie ein Brandbeschleuniger, der die Grauzonen der pan-blauen Koalition – bisher oft als "kommunale Dienstleistungen" oder "Wählerbetreuung" abgetan – in die Luft sprengt.
In den kommenden Monaten erwarten politische Beobachter mehrere Entwicklungen. Erstens wird die Sammlung von Unterschriften für den Recall-Antrag gegen Tseng Cheng-yuan an Fahrt aufnehmen und könnte in kurzer Zeit die nötige Hürde erreichen. Zweitens sind andere Mandatsträger der pan-blauen Koalition mit ähnlichen Kontroversen nun alarmiert und fürchten, die nächsten Ziele zu sein. Drittens könnte dieser justizielle Sturm, wenn er anhält, die gesamte politische Landschaft für die Lokalwahlen 2026 neu gestalten.
Tseng Cheng-yuan selbst hat sich bislang nicht ausführlich zum Urteil geäußert, aber aus seinem Umfeld heißt es, er sehe darin eine "politische Hetzjagd". Für die Wähler vor Ort spielt es jedoch keine Rolle, ob dahinter politisches Kalkül steckt oder nicht. Wenn sie die Urteilsbegründung schwarz auf weiß sehen, ist das verlorene Vertrauen endgültig dahin. Dieses politische Feuer, entfacht durch den Fall Ko und nun auf Tseng übergesprungen, hat gerade erst begonnen.