Peter Hummelgaard: Da müssen wir reden – Die persönliche Abrechnung des Justizministers mit Macht und Medien
Man muss nur wenige Wochen zurückblicken, um Beispiele dafür zu finden, dass Peter Hummelgaard (Sozialdemokraten) alle Hände voll zu tun hatte. Die Gerüchte über Aktivitäten am dänischen Himmel, die Behörden veranlassten, Straßen zu sperren und Evakuierungen durchzuführen, beherrschten die Medien. Mitten im Geschehen stand der Justizminister in der Verantwortung, einer verunsicherten Bevölkerung zu erklären, was eigentlich vor sich ging. Oder zumindest das, was er sagen durfte, was vor sich ging. Denn wie so oft in solchen Fällen war das Schweigen der Behörden ohrenbetäubend, und die Fragen reißen nicht ab: Wie viel wusste die Polizei? Wann wusste sie es? Und warum dürfen wir nicht heute die ganze Geschichte erfahren?
Ein Hörbuch als Sprachrohr
Genau in diesen Sturm hinein launcht der Minister nun sein bisher persönlichstes Werk. Das Hörbuch "Da müssen wir reden - Peter Hummelgaard - Hörbuch" ist weder ein traditioneller politischer Erinnerungsband noch ein trockenes Parteiprogramm. Es ist vielmehr der Versuch, abseits des Filters zu sprechen, den Amtssprache und Pressekonferenzen oft über die Botschaften legen. Hier versucht er, seine eigenen Überlegungen zu erklären, seine Frustration über die Medienlandschaft und vielleicht auch seine Sichtweise darauf zu geben, warum wir Bürger uns oft im Dunkeln gelassen fühlen.
Im Gefolge der schwelenden Affäre, bei der mehrere unabhängige Quellen die Geschichte von Zeugen brachten, die sich von der Polizei abgewiesen fühlten, ist das Vertrauen in das System ein heißes Eisen. "Polizei wies Drohnen-Einsatz zurück", lautete eine Schlagzeile, die einen Shitstorm an Spekulationen auslöste. War es dann also doch etwas anderes? Und warum sagt man das nicht einfach? Genau diese Art von Kommunikationsdefiziten will Peter Hummelgaard in seinem neuen Format diskutieren.
Die Wähler sollen informiert werden – aber bitte nicht zu viel
In dem Vorstoß des Ministers steckt ein Paradoxon. Einerseits möchte er als der offene und ehrliche Politiker dastehen, der die Stimmung im Volk aufgreift. Andererseits hat er als Minister Zugang zu Verschlusssachen, die er aus guten Gründen nicht teilen kann. Mehrere Kommentatoren haben auf diesen schmalen Grat hingewiesen: "Die Wähler sollen informiert werden – aber bitte nicht zu viel." Es ist dieser Balanceakt, den Hummelgaard in seinem Hörbuch versuchen muss. Er möchte nahbar wirken, darf aber die Sicherheit nicht gefährden.
Das ist ein Spiel nach außen, aber auch ein sympathischer Zug. Denn wenn die Debatte darüber tobt, dass die Dänen nicht damit leben können, dass die ganze Geschichte hinter den großen Breaking-News über Dänemark noch immer in der Luft hängt, dann trifft das einen wunden Punkt. Wir haben keine Lust mehr auf weitere halbe Wahrheiten. Wir wollen klare Ansagen. Und wenn wir die nicht bekommen können, wollen wir wenigstens eine Erklärung dafür, warum wir sie nicht bekommen können.
Was können wir von dem Buch erwarten?
Das Hörbuch ist ein interessantes Medium. Es ist intimer als ein Zeitungsartikel, spontaner als eine Fernsehansprache. Wenn Hummelgaard selbst liest, können wir an seiner Stimme hören, ob er selbst glaubt, was er sagt. Es ist ein Risiko, denn der Tonfall kann schnell zu belehrend oder zu aufgesetzt persönlich wirken. Aber das Potenzial ist da.
Ich denke, wir werden Folgendes hören:
- Die Einsamkeit der Macht: Wie ist es, die Verantwortung zu tragen, wenn sich die Krisen überschlagen und alle Antworten fordern?
- Die Berichterstattung der Medien: Seine ehrliche (und sicherlich recht farbenfrohe) Sicht auf die Jagd nach Breaking-News-Schlagzeilen, die oft mehr Verwirrung als Klarheit stiftet.
- Die Himmelsaktivitäten-Affäre: Natürlich kommt sie zur Sprache. Was konnte er damals sagen, und was dachte er wirklich hinter verschlossenen Türen?
- Der persönliche Preis: Was kostet es, in bestimmten Phasen als vielleicht am meisten gescholtener Minister des Landes herzuhalten?
Was auch immer kommt, "Da müssen wir reden" ist mehr als nur ein Hörbuch. Es ist ein politisches Statement. Es ist der Versuch, in einer Zeit, in der Misstrauen nur knapp unter der Oberfläche lauert, die Verbindung zwischen Macht und Wählern wiederherzustellen. Und für uns, die wir dranbleiben, wird es spannend zu hören, ob Peter Hummelgaard uns tatsächlich etwas Neues erzählen kann – oder ob es am Ende nur eine weitere Ansammlung wohlformulierter Floskeln ist, die sich in dünner Luft auflösen.