Hermann, die grüne Lunge von Houston, bedroht durch Krankenhauserweiterung? Ein erbitterter Streit entbrannt.
Es gibt Themen, die bringen in Houston die Gemüter schneller zum Kochen als ein texanischer Sommer. Und in den letzten Tagen liegt ein Name allen auf den Lippen: Hermann. Nicht der aus der germanischen Mythologie, und auch nicht der Schatten von Hermann Göring (manchmal überschlagen sich die historischen Bezüge). Nein, es geht um die grüne Lunge der Stadt, den ikonischen Hermann Park, und einen Machtkampf zwischen gesundheitlicher Dringlichkeit und dem Erhalt unseres kulturellen Erbes.
Für alle, die die Geschichte in den letzten Wochen nicht verfolgt haben, hier das Wichtigste. Das Ben Taub, eine Säule des öffentlichen Gesundheitssystems von Harris County, platzt aus allen Nähten. Das ist kein Geheimnis. Es handelt sich um eine Einrichtung, die seit Jahrzehnten am Limit läuft. Die Idee einer Erweiterung, um den Bedürfnissen der Patienten gerecht zu werden, wird von allen unterstützt. Nur: In der Realität sucht man, wenn der Platz fehlt, nach Erweiterungsfläche. Und drumherum liegt der Hermann Park.
Letzte Woche haben die Bezirkskommissare Nägel mit Köpfen gemacht. Nach monatelangen Debatten und öffentlichen Anhörungen mit reichlich Diskussionsstoff haben sie einem Enteignungsverfahren (im lokalen Jargon "condemnation") für einen Landstreifen direkt am Rand des Parks zugestimmt. Offiziell geht es darum, den Medizincampus zu erweitern. Für viele Anwohner ist dies inoffiziell ein Dolchstoß in ein Erbe, das als unantastbar galt.
Der Mythos Hermann vs. die Realität aus Beton
Man muss verstehen, was diese Grünfläche bedeutet. Hermann ist nicht einfach nur ein Park mit ein paar Eichhörnchen. Es ist das lebendige Gedächtnis der Stadt. George Hermann, ein etwas exzentrischer Philanthrop des frühen 20. Jahrhunderts, vermachte dieses Land der Stadt mit einer einfachen Idee: Dieser Ort solle für immer ein Ort der Erholung für alle bleiben. Wenn man also an Hermann rührt, rührt man an ein Versprechen.
Ich habe gestern mit einem alten Hasen aus dem Medizinviertel gesprochen, Peter Hermann (ja, ja, derselbe Name, der Zufall ist verblüffend, aber dieser Peter ist Anwalt für Grundstücksrecht, kein direkter Nachfahre). Seiner Meinung nach geht die Debatte weit über die Frage einiger weniger Quadratmeter hinaus. "Es ist eine Frage der Stadtphilosophie", sagte er mir bei einem Kaffee. "Das Ben Taub braucht Platz, das ist Fakt. Aber man kann nicht einfach einen so symbolträchtigen Ort opfern, ohne sich zu fragen, wo wir die Grenze zwischen Patientenversorgung und Lebensqualität ziehen."
Und da hat er recht. Sehen Sie sich die Zahlen an: Das ursprüngliche Projekt sah vor, einen erheblichen Teil des Parkrands zu beanspruchen. Die Gegner, eine bunt gemischte Gruppe aus Anwohnern, Architekten und Umweltschützern, haben ihre Plakate ausgepackt. Für sie ist das ein gefährlicher Präzedenzfall. Heute nimmt man 2 Hektar für einen Parkplatz. Was kommt morgen? Ein Büroturm?
- Die Abstimmung der Kommissare: Sie haben das Prinzip der Enteignung gebilligt, jedoch mit einer Dialogklausel. Unterschrieben ist noch nichts.
- Das gesundheitliche Argument: Das Ben Taub ist ein Level-1-Traumazentrum, das einzige in der Region, das bestimmte schwere Traumata versorgen kann. Der Erweiterungsbau wird als überlebenswichtig dargestellt.
- Der Widerstand der Bürger: Rechtliche Schritte werden bereits vorbereitet. Die Anwälte der Parkverteidiger argumentieren, dass die Schenkungsurkunde von George Hermann diese Enteignung illegal macht.
Zwischen Skalpell und Rasenmäher
Was diesen Fall besonders knifflig macht, ist, dass es keinen offensichtlichen Bösewicht gibt. Auf der einen Seite steht das medizinische Personal, das Alarm schlägt. Ich habe vor ein paar Tagen mit einem Notarzt des Ben Taub gesprochen (der um Anonymität bat – der Druck ist im Moment enorm). Er sagte mir: "Man kann keine moderne Medizin mit Infrastruktur aus den 70er-Jahren betreiben. Wenn wir weiterhin alle ohne Unterschied behandeln wollen, brauchen wir diese Erweiterung." Das ist ein Argument mit Gewicht, besonders in einer Stadt, in der der Zugang zur Gesundheitsversorgung für die Schwächsten bereits schwierig genug ist.
Aber auf der anderen Seite steht der Gedanke, dass der Hermann Park die Seele Houstons ist. Selbst nur einen uralten Baum für einen Parkplatz zu opfern, ist eine bittere Pille für eine Generation, die den Wert von Grünflächen in der Stadt neu entdeckt. Letzte Woche veröffentlichte die Lokalpresse eine Reihe von Leserbriefen, die es in sich hatten. Eine 82-jährige Dame schrieb, ihr Vater habe sie während der Großen Depression dorthin zum Spielen gebracht, und das jetzt zu sehen, fühle sich an, als würde ihre eigene Geschichte mit Füßen getreten.
Wie geht es also weiter? Derzeit richten sich alle Blicke auf das Hermannsdenkmal … Entschuldigung, das war ein Scherz, wir sind ja nicht in Deutschland. Aber man sucht nach einem Denkmal, das der Tragweite der Entscheidung gerecht wird. Ein Lösung kursierte in den letzten Tagen in den Korridoren der Macht: Anstatt Land vom Park zu nehmen, warum nicht auf dem bestehenden Krankenhausgelände in die Höhe bauen? Die Idee findet Gehör, auch wenn sie teurer ist und länger dauert. Denn worum es hier eigentlich geht, ist nicht nur ein Stück Land, sondern das Vertrauen zwischen Institutionen und Bürgern.
Wir treffen uns in den nächsten Wochen wieder zur Fortsetzung der Feindseligkeiten. Bis dahin genießen die Spaziergänger weiterhin die schattigen Wege des Hermann Parks, als wäre nichts geschehen. Aber in den Gesichtern der Menschen spürt man, dass das Spiel noch lange nicht aus ist. Und ich, nach zwanzig Jahren, in denen ich über lokale Angelegenheiten berichte, kann Ihnen eines sagen: In Houston, wenn man die Bürger an ihrer Grünfläche packt, werden sie puterrot vor Wut. Fortsetzung folgt.