Mit 0,009 Sekunden Vorsprung: «Lamborghilley» Kim Gilley sprintet zu Gold über 1000 m bei der Shorttrack-WM
Sie hat es wieder geschafft. Kim Gilley (Stadtverwaltung Seongnam), die längst nicht mehr nur als «Post-Choi Min-jeong» gehandelt wird, sondern sich als unumstrittenes Aushängeschild des koreanischen Shorttracks etabliert hat, sicherte sich auch bei der Weltmeisterschaft Gold. Mit ihrer überragenden Physis und eisernen Nerven beherrschte sie das Eis. Nachdem sie letzten Monat bei den Olympischen Winterspielen in Mailand zweifach Gold gewonnen und sich damit zur MVP des koreanischen Teams gekrönt hatte, machte sie nun das Eis in Montreal zu ihrer Bühne.
Der «Aussenschlag» – ein Wunder von 0,009 Sekunden
Am 15. Ortszeit fand in der Maurice-Richard-Arena in Montreal das Finale der Frauen über 1000 m bei der ISU Shorttrack-Weltmeisterschaft 2026 statt. Kim Gilley startete von der ungünstigsten Position, Bahn 5, ganz aussen. Doch dieser Nachteil schien ihr explosives Überholvermögen, das ihr den Spitznamen «Lamborghilley» eingebracht hat, erst so richtig zu entfachen.
Das Rennen begann mit einer Phase der Geduld. Ohne sich in wilde Zweikämpfe zu verstricken, lauerte sie auf ihre Chance. Zwei Runden vor Schluss schaltete sie dann in den Angriffsmodus. Während sich Sandra Pelsbeer (Niederlande) und Elisa Confortola (Italien) einen Kampf um die Spitze lieferten, zog Kim Gilley aussen herum, wählte den langen Weg und schob sich mit einem Mal auf Platz drei vor.
Entschieden wurde das Rennen in der letzten Kurve. Kim Gilley, die Verfolgerin von Spitzenreiterin Pelsbeer, zeigte beim Ausgang der Kurve ihre ganze Flexibilität, streckte ihren linken Fuss weit nach vorne und touchierte die Ziellinie als Erste. Die offizielle Zeit: 1:28,843 Minuten. Der Vorsprung auf die Zweitplatzierte Pelsbeer (1:28,852) betrug gerade einmal 0,009 Sekunden. Ein hauchdünner, dramatischer Sieg, der die Zuschauer in Atem hielt.
«Montreal liegt mir» – Olympia-Sieg jetzt auch WM-Titel
Diese Goldmedaille bedeutet mehr als nur ein weiterer Sieg. Kim Gilley hatte zwar letzten Monat bei den Olympischen Spielen in Mailand über 1500 m und mit der Staffel über 3000 m gewonnen, aber über 1000 m musste sie sich damals noch ihrer heutigen Rivalin Pelsbeer geschlagen geben und mit Bronze zufriedengeben. Nun, nur etwa einen Monat später, bei der Weltmeisterschaft, gelang die glatte Revanche in derselben Disziplin. Sie hat damit eindrucksvoll bewiesen, dass sie die derzeit beste 1000-m-Läuferin der Welt ist.
Nach dem Rennen strahlte Kim Gilley: «Ich scheine wirklich eine besondere Verbindung zu Montreal zu haben. Die Eisqualität und die Atmosphäre hier passen perfekt zu mir, das gab mir das Selbstvertrauen für dieses mutige Rennen.» Mit einem Augenzwinkern fügte sie hinzu: «Mein Spitzname ist 'Lamborghilley'. Ich möchte immer Rennen zeigen, die diesem Namen gerecht werden – schnell und kraftvoll. Irgendwie fühle ich mich durch den Namen noch schneller.»
Kim Gilley war nicht die einzige Siegerin des koreanischen Teams. Bei den Männern sicherte sich Lim Jong-un (Stadtverwaltung Goyang), der den Spitznamen «Ferrari» trägt, über 1500 m in 2:14,974 Minuten ebenfalls souverän die Goldmedaille und unterstrich damit die Stärke des koreanischen Shorttracks. Besonders bedeutend ist sein Sieg vor dem Hintergrund, dass er im olympischen Viertelfinale gestürzt war und eine herbe Enttäuschung verkraften musste. Mit diesem WM-Titel krönt er eine erfolgreiche Saison.
Die wichtigsten Ergebnisse des Teams im Überblick:
- Kim Gilley: Gold über 1000 m Frauen (nach zwei Olympiasiegen in Mailand nun auch WM-Gold)
- Lim Jong-un: Gold über 1500 m Männer (Krönt seine erste Seniorensaison mit Gold)
- Männer-Staffel: Qualifikation für das Finale über 5000 m
- Mixed-Staffel: Qualifikation für das Finale über 2000 m (Lim Jong-un, Kim Gilley, Hwang Dae-heon, Lee So-yeon)
Kim Gilley und Lim Jong-un haben die olympische Begeisterung nahtlos auf die Weltmeisterschaft übertragen. Die Zukunft des koreanischen Shorttracks unter ihrer Führung verspricht grossartig zu werden. Kim Gilley wird am 16. im Vorlauf über 1500 m der Frauen starten und ihren zweiten Titel bei dieser WM anstreben. Es bleibt spannend, ob «Lamborghilley» auch in Montreal ihre unbändige Siegesserie fortsetzen kann.