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Kahla Porzellan meldet Insolvenz an: Was jetzt für die Traditionsmarke aus Thüringen auf dem Spiel steht

Wirtschaft ✍️ Lars Thürmann 🕒 2026-03-04 20:43 🔥 Aufrufe: 2

Man sitzt in der Küche, nippt morgens aus einem Kahla AMG-Kaffeebecher und denkt sich, das bleibt jetzt einfach so – dieses solide, deutsche Porzellan, das einfach hält. Und dann das: Aus der beschaulichen Kleinstadt in Thüringen erreicht uns eine Nachricht, die einem echt einen Stich versetzt. Die Porzellanmanufaktur Kahla/Thüringen GmbH ist insolvent. Schon wieder. Und diesmal sind es nicht nur die immer gleichen Probleme, sondern eine unglückliche Mischung aus weltpolitischen Krisen und einem handfesten Einbruch im Geschäft.

Luftaufnahme der Porzellanmanufaktur Kahla in Thüringen

Der Krieg im Iran trifft Kahla direkt in der Produktion

Es ist ein Datum, das man sich merken muss: der 2. März 2026. Zwei Tage zuvor eskalierte die Lage im Nahen Osten, der Iran-Krieg liess die Energiepreise explodieren. Und genau an diesem Tag wurde die Insolvenz von Kahla beim Amtsgericht Gera öffentlich bekannt gegeben. Das ist kein Zufall, das ist die blanke Logik der Märkte. Geschäftsführer Daniel Jeschonowski, der das Unternehmen erst 2020 aus der vorherigen Pleite geführt hatte, dürfte da übel aufgewacht sein. Die Porzellanherstellung verschlingt Unmengen an Energie. Wenn die Öfen mit ihren 1400 Grad nicht brennen, läuft nichts. Und wenn die Energiepreise wegen so einem Krieg durch die Decke gehen, wird jede Kalkulation zur Makulatur.

Die Auftragsbücher bleiben leer – vor allem aus der Gastronomie

Doch es wäre zu einfach, nur auf den Krieg zu zeigen. Das zweite Standbein wackelt gefährlich. Die Messe- und Ordersaison, das Frühjahrsgeschäft, war eine einzige Enttäuschung. «Wir spüren eine deutliche Kaufzurückhaltung im Gastronomiebereich», hiess es aus der Firma. Und das ist für mich der besorgniserregendere Teil. Klar, der private Haushalt kauft vielleicht mal ein neues KAHLA Porzellan Classics Kaffeetassen-Set 24-teilig Weiss – aber die Grossabnehmer, die Hotels und Restaurants, die zittern selbst. Die haben keine Liquidität, um ihre Bestände zu erneuern. Für Kahla, das mit seiner Linie KAHLA - Porzellan für die Sinne genau diesen Profi-Markt bedient, ein herber Schlag.

Die Belegschaft hält zusammen – wie so oft in der Region

Ich hab mir die Zahlen nochmals angesehen. Zu DDR-Zeiten, als Kahla das Zentrum des VEB Kombinats Feinkeramik war, arbeiteten hier in der Region noch 18'000 Menschen in der Branche. Heute sind es in der Manufaktur selbst 120 Mitarbeiter, die jetzt in der Schwebe hängen. Und ich muss echt sagen, der Betriebsratsvorsitzende Stefan Schau hat meine volle Sympathie, wenn er sagt: «Die Mannschaft steht zusammen und arbeitet jeden Tag dafür, dass Aufträge rausgehen». Das ist keine Phrase, das ist die Mentalität hier im Osten. Man kennt das, man hat die Wende erlebt, man hat die erste Insolvenz 2020 weggesteckt. Aber irgendwann ist auch mal gut.

Was von Kahla bleibt: Mehr als nur altes Geschirr

Wer jetzt denkt, da wird alter Zopf bemalt, der hat die Marke der letzten Jahre verpasst. Kahla hat sich mit Formen wie der «touch!»-Serie einen Namen gemacht. Dieses samtweiche Porzellan, das sich so verdammt gut anfühlt. Oder die KAHLA Porzellan Elixyr Dose mit Deckel 0,25 L Illusion, die in keiner stylischen Küche fehlen darf. Die Manufaktur hat über 100 Designpreise abgeräumt, inklusive diverser Red Dot Awards. Sie haben den Spagat gewagt zwischen Robotertechnik am Fliessband und der handwerklichen Tradition des Giessens und Drehens. Genau das macht den Wert von KAHLA - Porzellan für die Sinne aus. Und genau das wäre ein unwiederbringlicher Verlust, wenn es jetzt ganz den Bach runtergeht.

So geht es jetzt weiter in Kahla

Erstmal ist Rechtsanwalt Thomas Jacobs als vorläufiger Insolvenzverwalter im Boot. Die Löhne der Mitarbeiter sind für die nächsten drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert. Das ist die gute Nachricht. Die Produktion läuft weiter, Aufträge werden angenommen. Ende gut, alles gut? Mitnichten. Jetzt geht es ans Eingemachte: Investoren suchen, Kosten senken, Strukturen neu ordnen. Im Klartext heisst das: Die Belegschaft wurde schon mal von 250 auf 120 reduziert. Ich will nicht hoffen, dass wir in ein paar Monaten wieder über einen noch drastischeren Abbau reden müssen. Aber eines ist klar: Die Energiewende für die Industrie, die Abhängigkeit von globalen Krisen – das sind harte Brocken für ein Unternehmen, das eigentlich nur eines will: gutes Porzellan machen. Made in Germany. Made in Thüringen.

  • Das Wichtigste in Kürze: Kahla Porzellan hat am 27. Februar 2026 Insolvenz angemeldet, öffentlich bekannt gegeben am 2. März.
  • Die Gründe: Schwache Auftragslage in der Gastronomie und explodierende Energiepreise durch den Iran-Krieg.
  • Die Folgen: 120 Mitarbeiter sind betroffen, die Produktion läuft vorerst weiter. Das Unternehmen soll neu aufgestellt werden.

Für uns Konsumenten heisst das: Vielleicht mal wieder den Porzellanschrank aufmachen und einen Kaffee aus einer echten Kahla-Tasse trinken. Und dabei denken: Hoffentlich bleibt uns diese Marke noch lange erhalten. Denn manchmal merkt man erst, was man an so einem Traditionshaus hat, wenn es ums Überleben kämpft.