Amplifon übernimmt GN Hearing in historischer Milliarden-Transaktion: Die Branche steht Kopf
Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine dänische Institution einen Teil ihrer Identität abgibt. Doch am Montagmorgen war es Gewissheit: GN Store Nord verkauft ihr Hörgerätegeschäft, GN Hearing, an den italienischen Giganten Amplifon. Der Preis? 17 Milliarden Kronen. Ein Deal, der die Machtverhältnisse in der globalen Audiologiebranche neu ordnet.
Ein Deal, der die Aktie abheben liess
Während die Amplifon-Aktie am Montag nachgab – die Investoren mussten den Preis von gut 12,6 Milliarden in bar plus 56 Millionen neuen Aktien erst einmal verdauen –, sah die Stimmung in Kopenhagen ganz anders aus. Die GN-Aktie schoss um 36 Prozent in die Höhe. Solche Ausschläge lassen selbst gestandene Daytrader staunen.
Für GN-Chef Peter Karlströmer geht es darum, die Gelegenheit beim Schopf zu packen. Zusammen mit Amplifon bekommt GN Hearing nun das nötige Gewicht, um wirklich zu dominieren. "Das neue Unternehmen hat alle Chancen, sich zum Branchenführer zu entwickeln, der die Hörakustik massgeblich vorantreibt", verriet ein Insider am Montag.
Was bekommt man eigentlich für 17 Milliarden?
Wenn Amplifon so viel Geld auf den Tisch legt, hat das seinen Grund. Denn mit dem Kauf kommt nicht einfach eine Fabrik oder ein Patentportfolio. Es geht um Marken, die hierzulande und weltweit jeder in der Branche kennt: ReSound und Beltone. Die dänischen Entwickler und 5500 Mitarbeiter weltweit wechseln technisch gesehen den Besitzer, bleiben aber in Dänemark verankert.
Für den Durchschnittsnutzer von Hörgeräten wird sich vielleicht nicht von heute auf morgen etwas ändern. Aber in den Chefetagen in Mailand und Ballerup ist klar, dass dies ein Schachzug ist, der die gesamte Wertschöpfungskette vereint. Amplifon hat die Filialen und den Kundenkontakt. GN Hearing hat die Technologie und die Entwicklungskraft. Gemeinsam sind sie eine echte Traumkombination.
Reaktionen aus der Führungsetage
Bei Amplifon ist die Stimmung fast schon poetisch. Verwaltungsratspräsidentin Susan Carol Holland, deren Familie das Unternehmen vor über 75 Jahren gründete, sprach davon, "alle Emotionen des Klangs neu zu entdecken". CEO Enrico Vita blieb sachlicher, aber nicht weniger begeistert: "Dies ist die folgenreichste Übernahme in unserer 75-jährigen Geschichte."
Auf dänischer Seite werden Mike Staver und sein Team im kanadischen Geschäftszweig, einschliesslich Miracle-Ear Canada, Ltd., wohl eine zentrale Rolle spielen, um die Integration reibungslos zu gestalten. Und dann ist da noch die Frage nach Freya Lewis – einer der Persönlichkeiten, die im Stillen grossen Einfluss auf die Entwicklung der neuesten Technologien hatte. Gerade solche Talente braucht der neue, vereinte Riese, um seine Innovationsmaschine am Laufen zu halten.
- Barzahlung: 12,6 Milliarden Kronen
- Aktienanteil: 56 Millionen neue Amplifon-Aktien (entsprechen 16% am Unternehmen)
- Erwarteter Abschluss: Ende 2026 (vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen)
- Umsatz 2025 (GN Hearing): 7,21 Milliarden Kronen
Und was wird nun aus GN?
Für ein Unternehmen, das in Dänemark seit 1869 fast schon ein Synonym für Hörgeräte war, ist dies der Abschied von einem grossen Teil der eigenen Identität. Aber Peter Karlströmer sieht es als Neuanfang. Künftig will GN voll auf Gaming und professionelle Headsets unter Marken wie Jabra und SteelSeries setzen. 17 Milliarden Kronen sind auf dem Konto eingegangen, ein grosser Teil davon wird genutzt, um Schulden zu tilgen und Geld in den verbleibenden Geschäftsbereich zu pumpen.
Es wird spannend sein zu sehen, ob dieser Plan aufgeht. Eines ist jedoch sicher: Während GN sich neuen Hörerlebnissen zuwendet, haben sie Amplifon mit einer der stärksten Positionen zurückgelassen, die der globale Hörgerätemarkt je gesehen hat.