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Amplifon übernimmt GN Hearing in historischem Milliardendeal: Die Branche steht Kopf

Wirtschaft ✍️ Lars Andersen 🕒 2026-03-16 14:27 🔥 Aufrufe: 3
Amplifon und GN Hearing besiegeln historischen Deal

Es kommt nicht alle Tage vor, dass eine dänische Institution für Geschäftswelt sich von ihrem ureigensten Kern verabschiedet. Doch am Montagmorgen war es so weit: GN Store Nord verkauft seine Hörgerätesparte GN Hearing an den italienischen Giganten Amplifon. Der Preis? 17 Milliarden Kronen. Ein Deal, der das Kräfteverhältnis in der gesamten globalen Audiologiebranche neu justiert.

Ein Pakt, der die Aktie durch die Decke gehen ließ

Während die Amplifon-Aktie am Montag nachgab – die Investoren mussten den Preis von gut 12,6 Milliarden Kronen in bar plus 56 Millionen neuer Aktien erst einmal verdauen –, herrschte in Kopenhagen ganz andere Stimmung. Die GN-Aktie schoss um satte 36 Prozent nach oben. Solche Ausschläge lassen selbst gestandene Daytrader staunen.

Für GN-Chef Peter Karlströmer geht es darum, die Gelegenheit beim Schopf zu packen. Zusammen mit Amplifon bekommt GN Hearing nun die nötigen Muskeln, um so richtig zu dominieren. "Das neue Unternehmen hat alle Chancen, sich zum Branchenprimus zu entwickeln, der die Innovation im Bereich Hören weiter vorantreibt", verriet ein Insider am Montag.

Was bekommt man eigentlich für 17 Milliarden?

Wenn Amplifon so viel Geld auf den Tisch legt, ist das kein Zufall. Denn mit dem Kauf geht es nicht nur um eine Fabrik oder ein Patentportfolio. Es geht um Marken, die jeder kennt, der auch nur ein wenig mit der Branche vertraut ist: ReSound und Beltone. Die dänischen Entwickler und 5.500 Mitarbeiter weltweit bekommen technisch gesehen eine neue Adresse, bleiben aber in Dänemark verortet.

Für den durchschnittlichen Hörgeräteträger macht sich der Unterschied vielleicht nicht von einem auf den anderen Tag bemerkbar. Aber in den Vorstandsetagen in Mailand und Ballerup ist klar, dass dies ein Schachzug ist, der die gesamte Wertschöpfungskette vereint. Amplifon hat die Filialen und den Kundenkontakt. GN Hearing hat die Technologie und die Entwicklungskraft. Zusammen sind sie eine echte Traumkombination.

Reaktionen aus den Chefetagen

Bei Amplifon ist die Stimmung fast schon poetisch. Aufsichtsratschefin Susan Carol Holland, deren Familie das Unternehmen vor über 75 Jahren gründete, sprach davon, "alle Gefühle des Klangs neu zu entdecken". Direktor Enrico Vita blieb bodenständiger, aber nicht minder enthusiastisch: "Dies ist die folgenreichste Übernahme in unserer 75-jährigen Geschichte."

Auf dänischer Seite werden Mike Staver und sein Team im kanadischen Geschäftszweig, einschließlich Miracle-Ear Canada, Ltd., vermutlich eine Schlüsselrolle dabei spielen, die Integration geschmeidig zu gestalten. Und dann ist da noch die Frage um Freya Lewis – eine jener Persönlichkeiten, die im Stillen großen Einfluss auf die Entwicklung der neuesten Technologien hatten. Genau solche Talente braucht der neue, vereinte Riese, um seine Innovationsmaschine am Laufen zu halten.

  • Barzahlung: 12,6 Milliarden Kronen
  • Aktienanteil: 56 Millionen neue Amplifon-Aktien (entsprechend 16% am Unternehmen)
  • Voraussichtlicher Abschluss: Ende 2026 (behördl. Genehmigung vorbehalten)
  • Umsatz 2025 (GN Hearing): 7,21 Milliarden Kronen

Was bedeutet das für GN?

Für ein Unternehmen, das in Dänemark seit 1869 fast schon ein Synonym für Hörgeräte war, ist das ein Abschied von einem großen Teil der eigenen Identität. Aber Peter Karlströmer sieht es als Neuanfang. Künftig will GN voll auf Gaming und professionelle Headsets unter Marken wie Jabra und SteelSeries setzen. 17 Milliarden Kronen sind auf dem Konto eingegangen, ein großer Teil davon wird zur Schuldentilgung und als Investition in den verbleibenden Geschäftsbereich verwendet.

Es wird spannend zu beobachten sein, ob dieser Schachzug aufgeht. Eines ist jedoch sicher: Während GN sich neuen Klangerlebnissen zuwendet, haben sie Amplifon in einer der stärksten Positionen zurückgelassen, die der globale Hörmarkt je gesehen hat.