Jos Pirkner ist tot: Osttirol trauert um seinen großen Bildhauer
Die Nachricht trifft tief: Osttirol hat einen seiner bedeutendsten Söhne verloren. Der Bildhauer Professor Jos Pirkner ist am Mittwoch, dem 11. März 2026, im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen. Er stand kurz vor seinem 99. Geburtstag, und noch bis zuletzt war er geistig rege und seiner Heimat eng verbunden.
Ein Leben für die Kunst, verwurzelt in Osttirol
Jos Pirkner wurde 1927 in Matrei in Osttirol geboren. Die raue Schönheit der Bergwelt, die Klarheit der Formen und die kraftvolle Natur seiner Heimat sollten sein gesamtes künstlerisches Schaffen prägen. Nach ersten Gehversuchen als Holzschnitzer zog es ihn in die weite Welt – er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien und später in Salzburg, wo er Meisterschüler von Giacomo Manzù wurde. Doch die Sehnsucht nach den heimischen Tälern blieb. Immer wieder kehrte er zurück, und vor einigen Jahrzehnten richtete er sich endgültig sein Atelier in Matrei ein. Von hier aus bereicherte er die Kunstwelt, ohne jemals abgehoben zu wirken.
Seine Werke sind unverkennbar: gewaltig und gleichzeitig filigran. Er beherrschte die Bronze wie kaum ein Zweiter. Seine menschlichen Figuren und Tierdarstellungen wirken lebendig, voller Bewegung und innerer Spannung. Ob der majestätische „Fischotterbrunnen“ in Lienz, die beeindruckenden Kreuzwegszenen im Dom zu Salzburg oder seine monumentalen Plastiken im öffentlichen Raum von Wien bis nach Übersee – Jos Pirkner verstand es, Geschichten in Metall zu hauchen.
Mehr als ein Künstler: Ein väterlicher Freund und Förderer
Für die Osttiroler war er nicht einfach nur „der Professor“. Er war der Jos, der jedem beim Wandern begegnete, der jungen Künstlern mit Rat und Tat zur Seite stand und der bei der Eröffnung jeder noch so kleinen Ausstellung in der Region vorbeischaute. Seine Bodenständigkeit und sein Humor waren Legende. Ich erinnere mich an viele Gespräche in seinem Atelier, wenn er mit leuchtenden Augen neue Projekte skizzierte und dabei immer einen lustigen Spruch auf den Lippen hatte. Sein Atelier in Matrei war ein Ort der Inspiration, ein Pilgerziel für Kunstfreunde aus aller Welt.
Für sein Lebenswerk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter das Ehrenzeichen für Kunst und Kultur des Landes Tirol und den Berufstitel Professor. Doch die größte Ehre war ihm die Liebe und Anerkennung seiner Landsleute.
Ein unvergessenes Vermächtnis
Jos Pirkners künstlerisches Erbe ist gewaltig. Hier ein kleiner Einblick in die Vielfalt seines Schaffens:
- Öffentliche Brunnenanlagen: Der „Fischotterbrunnen“ in Lienz zählt zu den beliebtesten Fotomotiven Osttirols.
- Religiöse Kunst: Seine Altargestaltungen und Kreuzwege schmücken Kirchen in ganz Österreich, etwa in Salzburg und Innsbruck.
- Kleinplastiken und Medaillen: Unzählige Bronzeplastiken zieren private Gärten und Sammlungen – oft Geschenke an Freunde und Wegbegleiter.
- Porträtbüsten: Er fing die Persönlichkeiten bedeutender Zeitgenossen in Bronze ein, mit einer psychologischen Tiefe, die verblüfft.
Mit Jos Pirkner verlieren wir einen Meister seines Faches, einen Geschichtenerzähler aus Bronze und einen Menschen, der seine Heimat geliebt und geprägt hat wie wenige andere. Sein Werk bleibt – als stiller Begleiter in unseren Gassen, auf unseren Plätzen und in unseren Herzen. Ruhe in Frieden, großer Künstler und Freund.