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Danny Röhls Rangers: Genie, Wagnis oder nur eine weitere falsche Dämmerung im Ibrox?

Sport ✍️ Alistair McCourt 🕒 2026-03-02 20:24 🔥 Aufrufe: 7
Danny Röhl an der Seitenlinie im Ibrox

Man kann das atemlose 2:2-Unentschieden zwischen den Rangers und Celtic am Sonntag auf zwei Arten betrachten. Die erste ist die Erzählung vom König des Comebacks, Martin O'Neill, der an seinem 74. Geburtstag dem Gegner in letzter Sekunde noch einen Punkt entringt und so den Meisterschaftskampf am Köcheln hält. Die zweite, und vielleicht aufschlussreichere, ist das Momentbild, das sie von dem Rätsel liefert, das derzeit die Trainerzone im Ibrox bewohnt: Danny Röhl.

Für 50 berauschende Minuten war Röhls Rangers alles, was die schottische Fußball-Öffentlichkeit von der deutschen Trainerschule erwartet. Sie waren intensiv, strukturiert und bei Kontern brutal effizient. Youssef Chermitis Doppelpack ließ das Stadion beben und die Experten in den Sonntagabend-Telefon-Shows nach Superlativen suchen. Das war die Bestätigung des "Röhl-Effekts", des taktischen Geschicks, das er unter Ralf Rangnick und Hansi Flick verfeinert hatte und das dieses Team aus der Verzweiflung der Russell Martin-Ära in den echten Meisterschaftsdiskurs katapultiert hatte.

Und dann kam die zweite Halbzeit. Ein Kopfball von Kieran Tierney und ein Abpraller von Reo Hatate in der Nachspielzeit ließen die zwei Punkte in Rauch aufgehen. Die Frage, die in der Luft von Govan hängt, dreht sich nicht um das Ergebnis selbst, sondern um seine Natur. Es war ein Mikrokosmos eines bleibenden Zweifels: Weiß diese Mannschaft unter diesem Trainer, wie man den Deckel draufmacht?

Der schmale Grat zwischen Pragmatismus und Passivität

Spulen wir zurück in den Oktober. Als die Führungsetage der Rangers beschloss, Danny Röhl zu verpflichten, kauften sie keinen Lebenslauf voller Trophäen. Sie kauften Potenzial. Mit 36 war er das große, junge Talent, das bei Sheffield Wednesday Wunder vollbracht und einen schwer angeschlagenen Club gegen alle Widerstände in der Championship gehalten hatte. Die ersten Ergebnisse im Ibrox waren unbestreitbar. Die defensive Stabilität – nur 17 Gegentore in 23 Spielen seit seiner Ernennung – verwandelte eine weiche Flanke in ein Rückgrat. Im Januar fuhren sie nach Parkhead und holten einen 3:1-Coup, ein Sieg, der sich anfühlte wie eine echte Verschiebung der tektonischen Platten in Glasgow.

Aber die Spitze des schottischen Fußballs dreht sich nicht nur darum, das Schiff ruhig zu halten. Es geht um Gnadenlosigkeit. Und unter den Anhängern wächst eine, wenn auch noch junge, Angst – hörbar in Foren und Pubs –, dass Röhls Pragmatismus eine Grenze hat. Die zweite Halbzeit am Sonntag war nicht nur müde Beine; es war eine taktische Aufgabe von Raum und Initiative. Nach der Pause wirkte Celtic nach der Niederlage gegen Dundee als Chaos analysiert plötzlich kohärent und gefährlich. Röhls Männer, in der ersten Hälfte so aggressiv, fielen tief zurück. Das "heiße Herz und der kluge Kopf", das er predigt, schien einzufrieren.

Das ist das inhärente Risiko mit einem Novizen an der Seitenlinie im grellen Scheinwerferlicht eines Old Firm Derbys. In seiner Heimat staunt man über seine Überzeugungsarbeit. Aber auf den Rängen des Ibrox ist die Erinnerung lang. Sie erinnern sich an die 50-minütige Meisterklasse, aber sie erinnern sich auch an den 45-minütigen Zusammenbruch. Wie ein frustrierter Fan es nach dem Abpfiff in einem Forum ausdrückte: "Röhl bekommt gegen Celtic nie eine vernünftigen 90 Minuten hin." Das ist ein hartes Urteil und vielleicht verfrüht, aber in dieser Stadt wird das Urteil immer in Echtzeit gefällt.

Die unsichtbare Arbeit und die Januar-Wagnisse

Um Röhl zu verstehen, muss man über die 90 Minuten hinausblicken. Der Neuaufbau ist spürbar. Er hat einen Glauben eingeflößt, der unter dem vorherigen Regime tot und begraben war. Die Neuzugänge – wie die Last-Minute-Verpflichtung des jungen Stürmers Ryan Naderi von Hansa Rostock – deuten auf eine Rekrutierungsphilosophie hin, die auf Daten und Potenzial basiert, nicht auf verblassenden Reputationen. Aus dem Umfeld hört man, dass er für diesen Transfer Glückwunsch-Nachrichten aus Deutschland erhielt, Vergleiche mit Fredi Bobic, die die Messlatte für die Erwartungen an den Burschen hochlegen. Das ist ein Manager, der etwas aufbaut, nicht nur eine Mannschaft trainiert.

Doch der Druck im Osten Glasgows macht keine Pause für Projektaufbau. Nach der Niederlage gegen Dundee, die die jüngste Runde der Selbstreflexion in Parkhead auslöste, reagierte O'Neills Celtic. Röhls Rangers, vor dem Anpfiff noch vier Punkte vor den Hoops, liegen jetzt nur noch zwei vorne, bei einem Spiel weniger für ihre Rivalen. Die Dynamik hat sich verschoben. Die Erzählung ist nicht länger "Die Rangers sind auf einem Röhl". Sie lautet jetzt: Kann er mit der Hitze umgehen?

Das Fazit: Abwarten, aber nicht blinzeln

Für die Werbefachleute und kommerziellen Partner, die diese Entwicklung beobachten, ist die Danny Röhl-Geschichte reinstes Gold. Sie hat alle klassischen Merkmale eines hochdramatischen Spannungsstücks: der junge, brillante ausländische Trainer, die leidenschaftliche Fangemeinde, die erbitterten Rivalen. Aber die kommerzielle Tragfähigkeit dieser Erzählung hängt an einem Punkt: der Nachhaltigkeit.

Wenn Röhl die verbleibenden neun Spiele meistert und den Titel holt, festigt er seinen Status als das begehrteste junge Trainertalent im britischen Fußball. Die Schlagzeile "Rangers verpflichten Danny Röhl" wird dann als der Moment angesehen, in dem der Club den Markt ausgetrickst hat. Wenn er schwächelt – wenn die Einbrüche in der zweiten Halbzeit zum Muster werden – dann kreisen die Geier. Die Rufe nach einem abgebrühten Veteran, einem Kevin Muscat-Typ, werden lauter.

Diejenigen mit Einblicken bei Sheffield Wednesday warnten immer vor einer steilen Lernkurve. Röhl befindet sich jetzt mitten in seinem Meisterstudium, und die Prüfungen kommen Schlag auf Schlag. Der Meisterschaftskampf ist ein Vierkampf, aber in Wirklichkeit ist es ein psychologischer Kampf zwischen Ibrox und Parkhead. Röhl hat das taktische Know-how. Er hat das Vertrauen der Spieler. Was wir noch nicht wissen – und was der Sonntag scharf beleuchtet hat – ist, ob er den gnadenlosen, 95-minütigen Killerinstinkt besitzt, um den Job zu Ende zu bringen.

Die Geschworenen sind sich nicht nur uneinig; sie sind tief gespalten. Und in Glasgow ist es genau das, was die nächsten Wochen zu einem unverzichtbaren Fernsehprogramm macht.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Old Firm-Unentschieden:

  • Momentumswechsel: Celts spätes Aufbäumen verändert den psychologischen Vorteil für die Schlussphase.
  • Taktische Fragen: Röhls Spielmanagement und die Fähigkeit, in schwierigen Phasen von der Bank aus Einfluss zu nehmen, bleiben unter Beobachtung.
  • Meisterschaftsdynamik: Hearts bleibt an der Spitze, aber die Old Firm-Clubs lauern im Nacken. Der Spielraum für Fehler ist dahin.
  • Spielereinfluss: Chermitis Doppelpack in der ersten Hälfte zeigte die Obergrenze der Rangers; der Einbruch in der zweiten Hälfte zeigte ihre Untergrenze.