Danny Rohl bei den Rangers: Genie, Wagnis oder nur ein weiteres falsches Signal am Ibrox?
Man kann das atemberaubende 2:2-Unentschieden zwischen den Rangers und Celtic am Sonntag auf zwei Arten betrachten. Die erste ist die Erzählung vom König des Comebacks, Martin O'Neill, der an seinem 74. Geburtstag dem Gegner in letzter Sekunde noch einen Punkt entreißt und das Meisterschaftsrennen damit am Köcheln hält. Die zweite, und vielleicht aufschlussreichere, ist das Schlaglicht, das dieses Spiel auf das Rätsel wirft, das derzeit die Trainerzone am Ibrox bevölkert: Danny Rohl.
Für 50 berauschende Minuten war Rohls Rangers-Team alles, was die schottische Fußballöffentlichkeit von der deutschen Schule des Managements erwartet. Sie waren intensiv, strukturiert und bei Kontern schonungslos effizient. Youssef Chermitis Doppelpack ließ das Stadion beben und die Experten in den Sonntagabend-Talkshows zu Höchstform auflaufen. Dies war die Bestätigung des "Röhl-Effekts", des taktischen Geschicks, das er unter Ralf Rangnick und Hansi Flick verfeinert hatte und das dieses Team aus der Verzweiflung der Russell-Martin-Ära in einen echten Meisterschaftskampf geführt hatte.
Und dann kam die zweite Halbzeit. Ein Kopfball von Kieran Tierney und ein Nachschuss von Reo Hatate in der Nachspielzeit ließen die zwei Punkte in Rauch aufgehen. Die Frage, die in Govan im Raum steht, dreht sich nicht um das Ergebnis an sich, sondern um dessen Zustandekommen. Es war ein Mikrokosmos eines bleibenden Zweifels: Weiß diese Mannschaft unter diesem Trainer, wie man den Sack zumacht?
Der schmale Grat zwischen Pragmatismus und Passivität
Erinnern wir uns an den Oktober zurück. Als die Verantwortlichen der Rangers sich entschieden, Danny Rohl zu verpflichten, kauften sie keinen Lebenslauf voller Trophäen. Sie kauften Potenzial. Mit 36 war er das junge, vielversprechende Talent, das bei Sheffield Wednesday Wunder gewirkt hatte, indem er einen angeschlagenen Klub gegen alle Widrigkeiten in der Championship hielt. Die ersten Ergebnisse am Ibrox sind unbestreitbar. Die defensive Stabilität – nur 17 Gegentore in 23 Spielen seit seiner Ernennung – verwandelte eine weiche Unterlippe in ein Rückgrat. Im Januar fuhren sie im Parkhead einen 3:1-Coup ein, ein Sieg, der sich wie eine echte Verschiebung der tektonischen Platten in Glasgow anfühlte.
Aber die Spitze des schottischen Fußballs besteht nicht nur darin, das Schiff ruhig zu halten. Es geht um Gnadenlosigkeit. Und unter den Anhängern wächst eine leise, noch junge Angst – hörbar in Foren und Pubs – dass Rohls Pragmatismus eine Grenze hat. Die zweite Halbzeit am Sonntag war nicht nur von müden Beinen geprägt; es war eine taktische Aufgabe von Raum und Initiative. Nach der Pause wirkte das Celtic-Chaos, das nach der Dundee-Niederlage analysiert wurde, plötzlich geschlossen und gefährlich. Rohls Männer, in der ersten Hälfte so aggressiv, fielen tief zurück. Das von ihm gepredigte "heiße Herz und der kluge Kopf" schienen einzufrieren.
Dies ist das inhärente Risiko mit einem unerfahrenen Chef im grellen Scheinwerferlicht eines Old-Firm-Derbys. In seiner Heimat bestaunt man seine Überzeugungsarbeit. Aber auf den Rängen des Ibrox ist das Gedächtnis lang. Man erinnert sich an die 50-minütige Meisterklasse, aber auch an den 45-minütigen Zusammenbruch. Wie ein frustrierter Fan es nach dem Schlusspfiff in einem Forum ausdrückte: "Rohl schafft es nie, 90 anständige Minuten gegen Celtic zu liefern." Ein hartes Urteil, und vielleicht verfrüht, aber in dieser Stadt wird das Urteil immer in Echtzeit gesprochen.
Die unsichtbare Arbeit und die Januar-Wagnisse
Um Rohl zu verstehen, muss man über die 90 Minuten hinausblicken. Der Neuaufbau ist greifbar. Er hat einen Glauben eingeflößt, der unter dem vorherigen Regime tot und begraben war. Die Neuzugänge – wie die Verpflichtung des jungen Stürmers Ryan Naderi von Hansa Rostock am Deadline Day – deuten auf eine Rekrutierungsphilosophie hin, die auf Daten und Potenzial basiert und nicht auf verblassenden Reputationen. Aus dem Umfeld ist zu hören, dass er für diesen Transfer Glückwünsche aus Deutschland erhalten hat, wobei Vergleiche mit Fredi Bobic die Erwartungen an den Jungen in die Höhe schrauben. Dies ist ein Trainer, der etwas aufbaut, nicht nur eine Mannschaft managt.
Doch der Druck im Osten Glasgows macht keine Pause für Projektentwicklungen. Nach der Niederlage gegen Dundee, die die jüngste Runde der Selbstreflexion im Parkhead auslöste, hat O'Neills Celtic reagiert. Rohls Rangers, vor dem Anpfiff noch vier Punkte vor den Hoops, liegen jetzt nur noch zwei vorne, bei einem Spiel weniger für ihre Rivalen. Die Dynamik hat sich verschoben. Die Erzählung ist nicht länger "Die Rangers sind auf einem Lauf (A Rohl)". Jetzt lautet sie: Kann er mit der Hitze umgehen?
Das Fazit: Abwarten, aber nicht blinzeln
Für die Werbefachleute und kommerziellen Partner, die diese Entwicklung beobachten, ist die Geschichte von Danny Rohl reinstes Gold. Sie hat alle klassischen Merkmale eines Hochspannungsdramas: der junge, brillante ausländische Trainer, die leidenschaftliche Fangemeinde, die erbitterten Rivalen. Aber die kommerzielle Tragfähigkeit dieser Erzählung hängt von einer Sache ab: Nachhaltigkeit.
Wenn Rohl die verbleibenden neun Spiele meistert und den Titel holt, festigt er seinen Status als das begehrteste junge Trainertalent im britischen Fußball. Auf die Schlagzeile "Rangers verpflichten Danny Rohl" wird man dann als den Moment zurückblicken, in dem der Klub den Markt ausgetrickst hat. Wenn er strauchelt – wenn die Einbrüche in der zweiten Hälfte zum Muster werden – werden sich die Geier sammeln. Die Rufe nach einem erfahrenen Haudegen, einem Typen wie Kevin Muscat, werden lauter.
Diejenigen mit Einblicken von Sheffield Wednesday warnten stets vor einer steilen Lernkurve. Rohl befindet sich jetzt mitten in seinem Meisterstudium, und die Prüfungen kommen Schlag auf Schlag. Das Meisterschaftsrennen ist ein Vierkampf, aber in Wirklichkeit ist es ein psychologischer Kampf zwischen Ibrox und Parkhead. Rohl hat das taktische Know-how. Er hat das Vertrauen der Spieler. Was wir noch nicht wissen – und was der Sonntag schonungslos offenbarte – ist, ob er den gnadenlosen, 95-minütigen Killerinstinkt besitzt, um die Arbeit zu Ende zu bringen.
Die Geschworenen sind sich nicht nur uneinig; sie sind tief gespalten. Und in Glasgow ist das genau das, was die nächsten Wochen zu einem unverzichtbaren Fernsehereignis macht.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Old-Firm-Unentschieden:
- Momentumswechsel: Celtics spätes Aufbäumen verändert den psychologischen Vorteil für die Schlussphase.
- Taktische Fragen: Rohls Spielmanagement und seine Fähigkeit, in schwierigen Phasen von der Bank aus Einfluss zu nehmen, bleiben unter Beobachtung.
- Dynamik im Titelkampf: Hearts bleibt an der Spitze, aber der Old Firm sitzt ihnen im Nacken. Die Fehlertoleranz ist aufgebraucht.
- Einfluss der Spieler: Chermitis Doppelpack in der ersten Hälfte zeigte die Leistungsgrenze der Rangers; der Einbruch in der zweiten Halbzeit ihr Leistungstief.