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„Tatort: Unvergänglich“ mit Batic und Leitmayr: Ein Abschied für die Ewigkeit – Review und Fazit

Unterhaltung ✍️ Georg Staudacher 🕒 2026-04-06 04:33 🔥 Views: 2
Szenenbild aus dem Münchner Tatort Unvergänglich mit den Kommissaren Batic und Leitmayr

Es gibt Momente im Fernsehen, die fühlen sich an wie eine Party, auf die man sich seit Jahren freut, aber gleichzeitig auch wie eine Beerdigung des eigenen Ichs von vor 20 Jahren. Der Abschied von Ivo Batic und Franz Leitmayr ist so ein Moment. 35 Jahre, 100 Fälle – wer hätte gedacht, dass uns grantelnde Münchner Wahlbayern einmal so ans Herz wachsen? Am Ostersonntag und -montag war es endlich soweit: Der Doppelfilm „Unvergänglich“ lief über die Mattscheibe, und ich habe mir beide Teile gegeben. Mit Tränen in den Augen, ja, aber auch mit einem Grinsen, weil diese zwei alten Haudegen einfach kein bisschen erwachsen geworden sind. Hier kommt meine ausführliche Review – eine Art Guide durch diesen emotionalen Ausnahmezustand.

Von der Leiche im Bunker bis zum Captagon-Wahnsinn

Die erste große Frage war natürlich: Wie zur Hölle lässt man so ein Team abtreten? Regisseur Sven Bohse und die Autoren Johanna Thalmann & Moritz Binder hatten eine verdammt schwere Aufgabe. Inhaltlich geht es los mit einem ziemlich düsteren Fund: Tief unter München, in einem Bunker der Stadtwerke, wird die verkohlte Leiche einer Frau gefunden. Klassischer "Tatort"-Einstieg also – düster, kalt, hoffnungslos. Doch schnell merkt man: Der Krimi ist nur die Folie. Die eigentliche Story ist das, was zwischen Batic und Leitmayr auf dem schmalen Grat zwischen Kollegen, Freunden und einem alten Ehepaar ohne Trauschein passiert.

Der Fall führt in die Welt von dubiosen Bed-and-Breakfast-Wohnungen, einem Phantom, das sich Zugang zu fremden Schlüsseln verschafft, und schließlich ins organisierte Verbrechen mit der Aufputschdroge Captagon. Das ist solide geschrieben, gerät aber immer wieder ins Stocken, weil die beiden Ermittler sich ständig selbst im Weg stehen. Aber genau das wollen wir doch sehen, oder?

  • Die Handlung (Teil 1): Ermittlungen gegen einen Hausmeister, ein Katz-und-Maus-Spiel, Verhaftung – eigentlich könnte Schluss sein. Die Herren werden sogar schon offiziell in den Ruhestand verabschiedet.
  • Der Twist (Teil 2): Pustekuchen! Die Hauptzeugin mischt plötzlich wieder mit, es stellt sich heraus, dass da noch ganz andere Kaliber am Werk sind – und plötzlich sind Batic und Leitmayr Privatpersonen ohne Dienstmarke, die auf eigene Faust ermitteln.

Ein Guide durch die Gefühlswelt zweier grantiger Greise

Wie benutzt man eigentlich unvergänglich im Alltag? Fragt man die Werbefuzzies, würde man das auf einen Diamanten beziehen. Aber hier, bei Batic und Leitmayr, ist es die Freundschaft, die keiner aussprechen kann. In einer Schlüsselszene des ersten Teils hat Batic keine Bleibe für die Nacht. Leitmayr hat panische Angst, dass der Alte auf seiner Couch pennen will. Also redet er die ganze Zeit nur darüber, wann er endlich seinen Koffer aus der Wohnung schaffen kann. Es ist tragikomisch, es ist erbärmlich – und es ist so unendlich menschlich.

Das ist der wahre Wert dieser Doppelfolge. Nicht die Auflösung des Captagon-Rings, nicht die Action. Sondern die Stille, in der die beiden Männer ihrer Generation endlich merken, dass sie sich lieben – ohne es jemals zu sagen. Leitmayr kauft sich einen alten Porsche, den er nicht repariert kriegt. Batic flüchtet nach Kroatien, flirtet mit einer reifen Dame, nur um festzustellen, dass die Oma lieber mit den Enkeln baden geht. Das Leben da draußen ist nichts für sie. Nur gemeinsam, im Kampf gegen die Jungen (verkörpert von Ferdinand Hofer als genervter Nachfolger Kalli), finden sie ihren Platz.

Warum die Macher das Ende nicht sehen ließen (Spoiler-Alarm fürs Gefühl)

Ihr wisst ja, dass die Verantwortlichen hinter dem Film die letzten fünf Minuten des zweiten Teils unter Verschluss gehalten haben. Ich sag euch: Das war clever. Denn in dieser letzten Viertelstunde entscheidet sich, ob wir heulend oder lachend vor der Glotze sitzen. Ohne zu viel zu verraten: Es wird nicht der erwartete actiongeladene Abgang mit Heldentod (das wäre ja auch ein abgedroschenes Klischee gewesen, wie Leitmayr selbst trocken anmerkt). Sondern es ist ein stilles, fast schon demütiges „Servus“. Die beiden setzen sich noch einmal zusammen, es gibt einen letzten, herrlich unbeholfenen Moment der Zuneigung – und dann ist Schluss. Punkt. Ende. Vorbei.

Die vielen Gastauftritte alter Bekannter (Lisa Wagner als Christine Lerch oder Michael Fitz als Carlo Menzinger) sind das Sahnehäubchen für eingefleischte Fans. Wer diese Figuren nicht kennt, verpasst vielleicht ein wenig den Subtext – aber für den Rest ist „Unvergänglich“ ein würdiger, schrulliger und überraschend weiser Abgesang auf eine Ära. So macht man Abschied. Punkt 7 von 10 Punkten – aber fürs Herz eine glatte 10.