Jessica Pegula: Die Königin des Durchhaltevermögens feiert ihren epischsten Sieg in Charleston und blickt bereits auf Rybakina
Wenn es eine Sache gibt, die du niemals tun solltest, wenn du auf Jessica Pegula triffst, dann ist es, sie vorzeitig abzuschreiben. Die Amerikanerin hat es beim Credit One Charleston Open erneut bewiesen: Sie feierte ihren längsten Sieg ihrer gesamten Karriere. Keine Übertreibung, Leute: dreieinhalb Stunden reines Tennisdrama auf grünem Sand, gegen eine Yulia Putintseva, die sie an ihre physischen und mentalen Grenzen brachte. Und Pegula, wie die große Championesse, die sie ist, fand einen Weg zu gewinnen.
Der Marathon von Charleston: Wenn der Rekord aus Willensstärke besteht
Ich meine nicht nur die reine Spielzeit. Ich spreche vom Comeback. Pegula verlor den ersten Satz mit 5:7 und lag im zweiten bereits mit 2:4 zurück. Jede andere wäre unter die Dusche gegangen und hätte an das nächste Turnier gedacht. Aber sie nicht. Sie holte das schwere Geschütz hervor – jene Rückhand, die die Luft wie ein Messer durchschneidet – und begann, jeden Ball zu spielen, als wäre es der letzte ihres Lebens. Der Endstand: 5:7, 7:6(4), 7:5. Als es vorbei war, erhob sich das Publikum im Family Circle Tennis Center. Und ich in der Redaktion mit ihnen.
Dieser Sieg ist keine Anekdote. Er ist eine Machtdemonstration für die bevorstehende Sandplatzsaison. Und das Schönste daran: Die Karrierestatistiken von Jessica Pegula enthalten bereits einige epische Schlachten, aber keine war so lang wie diese. Merken Sie sich die Zahl: Im gesamten Jahr 2025 hatte sie keine Partie über zwei Stunden und vierzig Minuten gespielt. Hier zertrümmerte sie nicht nur die Stoppuhr, sondern auch die Moral ihrer Gegnerin.
Von New York nach Charleston: Der Geist von „A Racquet at The Rock“
Kennt ihr diese Energie, die sie ausstrahlt, wenn sie zu Hause spielt? Genau dieselbe zeigte sie bei jenem Wohltätigkeitsevent A Racquet at The Rock im letzten Jahr, bei dem sie Hochleistungstennis mit ihrer sozialen Ader verband. Damals wurde bereits klar: Pegula ist nicht nur eine Titelmaschine, sondern eine Kämpferin, die Sport als Verlängerung ihres Charakters versteht. Und dieser Charakter ist aus purem Fels.
Denn seien wir ehrlich: Wenn wir auf ihre Zahlen schauen, vergessen wir manchmal, wie konstant sie war. Seit 2021 gehört sie fast ohne Unterbrechung zur Weltspitze. Sie hat Viertelfinals bei allen Grand Slams erreicht, WTA-1000-Titel in Montreal und Guadalajara gewonnen – und vor allem: Sie hat sich nie in den heißen Phasen versteckt. Das unterscheidet die Guten von den Legenden.
Der Geist von Selekhmeteva und der Schatten von Rybakina
Apropos heiße Phasen: Ich kann mich noch gut an jenes verrückte Duell gegen Oksana Selekhmeteva bei den Australian Open 2024 erinnern. Die damals noch unbekannte Russin zwang sie in den Tiebreak des dritten Satzes. Und Pegula tauchte wieder auf, mit ein paar Vorhandschlägen, die heute noch auf der Rod Laver Arena nachhallen. Diese Fähigkeit, ihr bestes Tennis zu zeigen, wenn das Haus brennt, macht sie zu einer ewigen Anwärterin auf alles.
Und jetzt kommt der Knaller. Im Achtelfinale von Charleston will es das Schicksal, dass sie auf Elena Rybakina trifft. Ein Pegula vs. Rybakina, das ein absolutes Spitzenspiel verspricht, an das wir uns mit Popcorn in der Hand erinnern werden. Die Kasachin besitzt den gefürchtetsten Aufschlag der Tour und eine Rückhand wie von einem anderen Stern. Aber Pegula besitzt etwas, das Rybakina noch lernen muss: die Geduld, zu zermürben, die Rhythmen zu wechseln, die Gegnerin in den entscheidenden Momenten fehlerhaft zu machen.
- Head-to-Head: Rybakina führt 3:2, aber Pegula gewann die letzten beiden auf Hartplatz.
- Auf Sand: Sie trafen noch nie aufeinander. Vorteil Pegula, die in den letzten Jahren auf diesem Belag enorm zugelegt hat.
- Schlüssel zum Spiel: Der erste Schlag. Hält Pegula die ersten drei Spiele jedes Satzes durch, wechselt der Druck die Seite.
Mehr als Zahlen: Eine Leaderin auf und neben dem Platz
Aber es geht nicht nur um Statistiken und Begegnungen. Jessica Pegula ist auch das Gesicht eines Generationenwechsels im Damentennis. Während andere sich in Verletzungen oder Formschwankungen verlieren, hat sie eine Karriere aus Beton gebaut: Turnier für Turnier, Sieg für Sieg. Und auch wenn sie noch keinen Grand Slam in ihrer Vitrine hat, hat sie bereits etwas Wertvolleres gewonnen: den einhelligen Respekt der Umkleidekabine.
Also, merkt euch: Wenn ihr heute Abend einschaltet, um Pegula vs. Rybakina zu sehen, blinzelt nicht in den zweiten Sätzen. Denn bei Jessica fängt die Show immer dann an, wenn alles verloren scheint. Und in Charleston riecht der Sand nach einer neuen Königin. Das nächste Ziel? Der Himmel. Oder zumindest das Halbfinale.