E3 Saxo Classic 2026: Van der Poel sticht in Harelbeke aus dem Feld hervor – triumphiert nach einer packenden Schlussphase
Was für ein Spektakel! Wer die diesjährige E3 Saxo Classic verpasst hat, dem ist einer dieser Nachmittage entgangen, die uns daran erinnern, warum wir diesen Sport lieben. Wir sind gerade vom Ziel in Harelbeke zurück und ich habe noch tausend Adrenalin im Blut. Mathieu van der Poel hat genau das getan, was er am besten kann: abwarten, zuschlagen und alle anderen in die Schranken weisen. Die Ausgabe 2026 wird nicht nur wegen des Sieges des niederländischen Phänomens in die Geschichtsbücher eingehen, sondern vor allem wegen der Art und Weise, wie er das Rennen auf den entscheidenden Kopfsteinpflaster-Passagen förmlich auseinandernahm.
Die Attacke am Taaienberg: Ein bekanntes, aber immer wieder magisches Drehbuch
Es war klar, dass das Rennen am Taaienberg explodieren würde. Das ist das ungeschriebene Gesetz in Westflandern. Das Feld war von den Teams der Favoriten bereits auf ein Minimum reduziert worden, doch es war Van der Poels Angriff, der den entscheidenden Unterschied ausmachte. Kein Antritt wie bei einem Kurzstreckensprinter, sondern eine trockene, fast schon brutale Beschleunigung. Dahinter war der Versuch, zu reagieren, titanisch. Florian Vermeersch versuchte, sich an sein Hinterrad zu heften und zeigte einmal mehr, dass er auf dem Kopfsteinpflaster eine Bank ist, doch Van der Poels Reaktion war erbarmungslos. Der Belgier von Lotto gab alles, aber das Tempo, das der Weltmeister vorgab, war einfach von einem anderen Stern.
Die jungen Wilden: Hagenes, Dewulf und die Jagd um die Plätze dahinter
Während Van der Poel Kilometer um Kilometer im Alleingang Richtung Harelbeke spulte, ging es hinter ihm um eine eigene Rangliste für das Podium. Und genau dort habe ich Dinge gesehen, die vielversprechend für die Zukunft sind. Der Norweger Per Strand Hagenes hat bestätigt, dass er das reinste Talent bei Visma-Lease a Bike ist. Er gab nie auf, selbst als das Tempo in der Verfolgergruppe in ungeahnte Höhen schoss. An seiner Seite zeigte ein weiterer Fahrer ein cleveres Rennen: Stan Dewulf. Der Belgier von Decathlon AG2R La Mondiale bewegte sich wie ein alter Fuchs, war stets in den richtigen Ausreißergruppen vertreten und ließ sich nie aus der Ruhe bringen. Gemeinsam mit ihnen versuchte eine kleine Gruppe harter Arbeiter, sich zu reorganisieren, aber der Vorsprung des Ausreißers war bereits uneinholbar.
Das sind die Fahrer, die im Kampf um die Platzierungen wirklich Akzente gesetzt haben:
- Per Strand Hagenes: Er hat seine Energie perfekt eingeteilt. Als alle anderen am Paterberg am Limit waren, hielt er einen gleichmäßigen Tritt. Für mich ist er der Favorit fürs Podium bei einem der nächsten Klassiker.
- Florian Vermeersch: Er versuchte im Alleingang, auf dem Abschnitt zwischen Karnemelkbeekstraat und Varentstraat die Lücke zu Van der Poel zu schließen. Es gelang ihm nicht, aber er setzte die anderen derart unter Druck, dass er letztlich sogar seinem eigenen Team in die Karten spielte. Ein Gigant.
- Stan Dewulf: Stets präsent. Man sah ihn nie in Schwierigkeiten, er las das Rennen perfekt. Seine Erfahrung zählt bei diesen Rennen nach wie vor enorm viel.
Das Urteil von Harelbeke: Van der Poel eröffnet die Frühjahrsoffensive auf die Flandern-Rundfahrt
Bei der Einfahrt ins Velodrom von Harelbeke herrschte bereits die Atmosphäre eines großen Finales. Die Zuschauer standen seit einer halben Stunde, schwenkten Fahnen, denn sie wussten, dass der Triumph von Mathieu van der Poel nur noch eine Formsache war. Der Vorsprung? Mehr als großzügig. Die niederländischen Fans feierten, als wäre es bereits der Tag der Flandern-Rundfahrt. Mit diesem Sieg bei der E3 Saxo Classic 2026 hat sich Van der Poel nicht nur einen der begehrtesten Kopfsteinpflaster-Klassiker gesichert, sondern auch ein deutliches Signal an die Konkurrenz im Hinblick auf das kommende Wochenende gesendet.
Wenn ein Fahrer so gewinnt, mit bereits 100 Metern Vorsprung erhobenen Armen über die Ziellinie fährt, gibt es nicht viel mehr zu sagen. Das Rennen hat er für sich entschieden, aber der Radsport hat an diesem Spektakel seinen Anteil. Jetzt heißt es, den Fokus auf die Flandern-Rundfahrt zu richten. Wenn Van der Poel dieses Leistungsniveau wieder abrufen kann, wird es für die anderen schwer, ihm auch nur zu folgen. Wir genießen erst einmal diesen Nachmittag voller purer Radsport-Romantik, mit dem Staub der Kopfsteinpflaster noch in den Lungen und der Gewissheit, etwas ganz Besonderes gesehen zu haben.