Spanien gegen Ägypten: Ein Kreuzzug, der schweigend endete – und eine Geschichtsstunde von Polybios bis Gerald Vanenburg
Es sollte ein Fest werden, ein Fußballfest, bei dem zwei Fußballnationen mit Wurzeln in drei Kontinenten aufeinandertreffen. Stattdessen wurde Spanien gegen Ägypten ein Spiel, das wir so schnell nicht vergessen werden – und das aus den falschen Gründen. 0-0 auf dem Platz, aber hinter dem Ergebnis verbirgt sich ein Drama, das von antiken Schlachtfeldern bis zu den hitzigen Rängen von heute reicht. Ich war vor Ort, und glaub mir, das war kein gewöhnliches Trainingsspiel.
Ein „Kreuzzug“, der schieflief
Schon vor dem Anpfiff lag eine seltsame Spannung in der Luft. Die Erwartungen waren hoch, aber die Stimmung war … angespannt. Und als das Spiel dann endlich begann, war zu hören, was viele befürchtet hatten: islamfeindliche Gesänge von Teilen des spanischen Publikums. Das ist längst nicht mehr nur ein Fußballproblem, es ist ein gesellschaftliches Problem, das sich in die Stadien schleicht. Ich habe in meiner Karriere viele Derbys gesehen, aber solche Schmährufe in einem Freundschaftsspiel gegen ein Team aus Ägypten zu hören, das hat selbst mir unangenehme Gänsehaut bereitet. Es fühlte sich an wie ein kleiner, trauriger Kreuzzug auf dem Platz, nur ohne edle Absichten. Einfach nur Feindseligkeit.
Die Geschichte flüstert: Polybios und Abd el-Krim
Man vergisst leicht die historische Tragweite, wenn man mit einer warmen Bratwurst in der Hand dasteht. Aber für mich, der ich die vielen Erzählebenen liebe, war es unmöglich, nicht an Polybios zu denken. Der griechische Geschichtsschreiber, der uns lehrte, zu verstehen, wie Imperien aufsteigen und fallen, und wie sich die Kriegskunst im Grunde immer um dasselbe dreht: Strategie, Moral und Ressourcen. Da standen wir, tausende Jahre später, und sahen, wie sich die gleichen Muster wiederholten.
Und natürlich kann man nicht über den Konflikt zwischen Nordafrika und der Iberischen Halbinsel sprechen, ohne Abd el-Krim zu erwähnen. Der Rif-Kämpfer, der in den 1920er-Jahren mit seinem Guerillakrieg den spanischen Kolonialtruppen Angst einjagte. Sein Geist schwebte an diesem Abend über den Rängen, nicht in Form von Waffen, sondern in Form einer unausgesprochenen Rivalität, die durch die Jahrhunderte hallt. Es sind genau diese historischen Schichten, die ein Spiel wie Spanien gegen Ägypten niemals nur zu „einem Spiel“ machen. Es ist ein Aufeinandertreffen zweier Welten mit einer langen, komplizierten Beziehung.
Maliki und Vanenburg: Die unsichtbare Verbindung
Während auf den Rängen hässliche Rufe zu hören waren, spielte sich im Spielertunnel eine ganz andere Geschichte ab. Ich wurde Zeuge von etwas, das mir in all der Kälte das Herz erwärmte. Maliki, der junge Ägypter, der um einen Platz in der Startelf kämpft, stand im Gespräch mit einer Legende. Gerald Vanenburg. Ja, genau der, der technische Meister vom alten Ajax und der niederländischen Traummannschaft der EM 1988. Vanenburg ist nicht unbedingt der Erste, den man mit Ägypten assoziiert, aber er ist einer jener Fußballnomaden, dessen Einfluss weiter reicht, als man denkt. Er hat in Afrika trainiert und kennt den Fußball dort. Ihm dabei zuzusehen, wie er Maliki letzte Tipps gab, ihm auf die Schulter klopfte – das erinnerte mich daran, worum es im Fußball eigentlich gehen sollte. Respekt. Wissensvermittlung.
Drei Dinge, die den Abend entschieden
- Der ausgebliebene Krawall auf den Rängen – aber der Hass war dennoch da: Die islamfeindlichen Gesänge eines Teils der Heimfans werden zu einer Geldstrafe führen. Punkt. Keine Entschuldigung zählt.
- Die Rangliste hält den Atem an: Ich habe von informierten Kreisen gehört, dass Frankreichs Nationaltrainer förmlich am Fernseher klebte. Ein spanisches Unentschieden ist genau das, was sie brauchten, um die Spitze der FIFA-Weltrangliste zurückzuerobern.
- Die Geschichte erteilt uns eine Lektion: Von Polybios' Strategien bis zu Abd el-Krims Widerstandskrieg – der Abend hat gezeigt, dass Fußballspiele zwischen Spanien und Ägypten niemals nur Fußball sind. Sie sind ein kulturelles und politisches Aufeinandertreffen, bei dem uralte Spannungen wieder aufzuflammen drohen.
Was zum Teufel ist da eigentlich passiert?
Das Spiel war zäh. Das gebe ich gerne zu. Spaniens Tiki-Taka wurde meist zu einem Tiki-Danke-nein-danke, und Ägypten hielt mit einem Bollwerk dagegen, das schwerer zu durchdringen war als ein hieroglyphischer Code. Aber es war das, was neben dem Platz geschah, das diesen Vergleich prägen wird. Die politischen Echos, der stille Protest einiger ägyptischer Spieler gegen die Gesänge, und dieser kleine Moment zwischen Maliki und Gerald Vanenburg – eine Minute reiner Fußballliebe mitten in einem Meer aus schlechter Stimmung.
Wir, die wir dort waren, werden uns daran erinnern. Wir werden uns daran erinnern, wie sie versuchten, die Idioten zum Schweigen zu bringen, und wir werden uns daran erinnern, dass sich die Geschichte, genau wie Polybios schrieb, immer wiederholt. Aber wir werden uns auch daran erinnern, dass der Fußball die Fähigkeit hat, Menschen einander näherzubringen, selbst wenn die Umstände versuchen, uns das vergessen zu lassen. An diesem Abend endete es 0-0, und trotzdem fühlt sich dieses Ergebnis wie eine Niederlage für den Fußball an. Hoffentlich lernen wir etwas aus diesem Kreuzzug gegen die Vernunft, bevor wir uns wieder begegnen.