Oscars 2026: Der grosse Abend – Wer gewinnt den Goldjungen? Unsere Final-Tipps für Bester Film, Bester Schauspieler & mehr
Sonntagnacht ist es so weit. Nach monatelangen Kampagnen, Kontroversen und mehr Roten Teppichen, als man von Mumbai bis Hollywood legen könnte, finden endlich die 98. Academy Awards statt. Und für alle, die vorhaben, bis in die frühen Morgenstunden durchzumachen, beginnt sich das Bild langsam zu schärfen. Aber seien wir ehrlich: Die Glaskugel ist dieses Jahr etwas trüb.
Wir erleben eines der umstrittensten Rennen der letzten Jahre. Es geht nicht nur darum, wer die Trophäe mit nach Hause nimmt; es geht darum, welcher Film das Kinojahr geprägt hat. Autorenfilme im epischen Format treten gegeneinander an, Horrorstreifen mischen die prestigeträchtige Liga auf, und in den Schauspielkategorien ist die Spannung so greifbar, dass man im Dolby Theatre eine Stecknadel fallen hören könnte. Also, holt den Filterkaffee und euren Tippzettel – hier ist unsere finale Einschätzung, wie der Sonntagabend wohl ausgehen wird.
Das Duell der Giganten: 'One Battle After Another' vs. 'Sinners'
Vergesst ein Pferderennen – das ist ein Zweikampf. Auf der einen Seite steht Paul Thomas Andersons One Battle After Another, das grosse politische Drama, das wie die perfekte Projektionsfläche für einen Oscar-Anwärter wirkt. Tolle Besetzung (Leo DiCaprio, Sean Penn), prestigeträchtige Vorlage (Thomas Pynchon) und ein Regisseur, der trotz 14 Nominierungen längst überfällig für einen Sieg ist. Auf der anderen Seite steht Ryan Cooglers Sinners, ein genreübergreifender Vampir-Thriller, der mit sagenhaften 16 Nominierungen einen Oscar-Rekord aufstellte.
Es ist der klassische Kampf zwischen dem gefeierten Meisterwerk und dem publikumswirksamen, wegweisenden Blockbuster. Sinners hat den Schwung vom SAG-Ensemble-Preis, während One Battle After Another sonst fast überall abgeräumt hat, von den BAFTAs bis zum Directors Guild Award. Mein Bauchgefühl sagt, Anderson bekommt endlich seinen verdienten Oscar, aber überrascht wäre ich auch nicht, wenn Coogler die Sensation schafft. Das wird ein Finale auf Messers Schneide.
Die Schauspiel-Rennen: Gewissheit und Chaos
Wer eine sichere Bank sucht, wird in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin fündig. Jessie Buckley in Hamnet ist nicht nur die Favoritin – sie ist das Rennen. Ihre Darstellung einer Mutter, die mit unermesslichem Kummer konfrontiert ist, hat sämtliche Vorentscheidungen gewonnen – den Golden Globe, den SAG Award, den BAFTA. Dieses Bild ihrer rohen, emotionalen Intensität werden die Academy-Mitglieder so schnell nicht vergessen. Wie ein Kritiker treffend bemerkte: Wenn dir die Rotze läuft, gewinnst du wahrscheinlich einen Oscar. Buckleys Sieg ist so gut wie sicher.
Das Rennen um den Besten Hauptdarsteller hingegen ist reines Chaos. Lange Zeit galt Timothée Chalamet für seine wilde Verkörperung in Marty Supreme als unschlagbar. Doch dann kamen die SAG Awards, bei denen Michael B. Jordan für seine Doppelrolle in Sinners einen überwältigenden Sieg landete. Dazu kommt die seltsame "Balletgate"-Kontroverse, die die Begeisterung der Branche für Chalamet abgekühlt zu haben scheint – und schon haben wir ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Wettquoten sind so ausgeglichen wie ein Münzwurf, wobei Wagner Moura (The Secret Agent) ebenfalls als potenzieller Aussenseiter lauert. Wenn ich mich auf ein endgültiges Bild festlegen müsste, würde ich Jordan einen winzigen Vorsprung geben. Die Branche liebt einfach eine gute Geschichte, und sein später Höhenflug ist kaum zu ignorieren.
- Bester Nebendarsteller: Sean Penn (One Battle After Another) hat sich mit seinen späten BAFTA- und SAG-Siegen an die Spitze gesetzt.
- Beste Nebendarstellerin: Die umkämpfteste Kategorie. Amy Madigan (Weapons) hat die Kritikerpreise, aber Teyana Taylor (One Battle After Another) und Wunmi Mosaku (Sinners) sind ihr dicht auf den Fersen. Hier könnte es die erste Überraschung des Abends geben.
- Beste Regie: Diesen Preis kann Paul Thomas Anderson eigentlich nur noch verlieren. Nach jahrzehntelanger brillanter Arbeit ist die Academy endlich bereit, ihm die Trophäe für One Battle After Another zu überreichen.
Mehr als nur Gold: Das grosse Ganze
Während die Hauptkategorien die Schlagzeilen beherrschen, geht es bei den Oscars darum, den vollständigen Bilderrahmen der filmischen Errungenschaften des Jahres zu gestalten. Dieses Jahr enthält dieser Rahmen einige faszinierende neue Elemente.
Zum ersten Mal überhaupt gibt es die Kategorie Bestes Casting, und Francine Maisler ist die Favoritin für ihre Arbeit an Sinners. Eine längst überfällige Anerkennung für die Kunst, die perfekte Besetzung zusammenzustellen. In den technischen Kategorien geht der Kampf weiter. Das kinetische Sounddesign von F1 gilt als Favorit gegenüber der atmosphärischen Geräuschkulisse von Sinners, während die stimmungsvolle Kameraführung (Cinematography) von One Battle After Another und die von Sinners praktisch gleichauf liegen. Jeder Sieg für einen der beiden Filme fügt dem endgültigen Bild dieser Oscar-Saison eine weitere Ebene hinzu.
Auch die Kategorie Bester internationaler Film ist ein Nervenkitzel, mit Brasiliens The Secret Agent und Norwegens Sentimental Value, die Kopf an Kopf liegen. Und beim Besten Animationsfilm wird erwartet, dass das Phänomen K Pop Demon Hunters den Preis gewinnt – ein Beweis dafür, dass massiver Publikumserfolg und Kritikerlob manchmal Hand in Hand gehen können.
Also, macht es euch für die lange Nacht gemütlich und behaltet alles im Auge. Das ist nicht nur eine Verleihung; es ist das Schlussplädoyer für ein wildes Kinojahr. Ob es nun die Krönung von Paul Thomas Anderson wird oder ein rekordverdächtiger Abend für Sinners – eines ist sicher: Das Bild, über das wir morgen sprechen werden, hat das Warten definitiv verdient.