Jesper Christensen: Ein Schauspieler seiner eigenen Wege – vom Nazi-Gedanken zur filmischen Schwere
Er war der Bösewicht in einem James-Bond-Film, ein skrupelloser Beamter in "Borgen" und eine mürrische, aber liebenswerte Figur in unzähligen dänischen Dramen. Jesper Christensen ist eines der bekanntesten und angesehensten Gesichter des dänischen Films. Doch hinter der Fassade verbirgt sich ein Künstler, der nie Angst davor hatte, sich von der Masse abzuheben – weder auf der Bühne noch in seiner Gesellschaftskritik.
Eine Tradition, der er nicht folgt
Während die meisten Dänen sich jedes Jahr zu Neujahr vor dem Fernseher versammeln, um eine bestimmte feierliche Rede zu verfolgen, hat Jesper Christensen dieses Ritual stets ignoriert. Er gehört zu jener seltenen Sorte, die bewusst darauf verzichtet – und das tut er seit Jahrzehnten. "Ich war noch nie gut darin, mich anzupassen", lachte er einmal in einem Interview. Dieses Beharren darauf, eigene Wege zu gehen, hat sowohl sein Leben als auch seine künstlerischen Entscheidungen geprägt.
Die dunklen Schatten der Jugendjahre
Anfang der 1990er-Jahre äußerte er etwas, das bei vielen für hochgezogene Augenbrauen sorgte. Damals liess er den Gedanken anklingen, dass Leute wie er – mit seinem Hintergrund und seinen Ansichten – unter anderen Umständen vielleicht sogar Nazis hätten werden können. Die Aussage war nicht als Sympathiebekundung gemeint, sondern vielmehr als schonungslose Ehrlichkeit darüber, wie leicht extreme Haltungen entstehen können. Heute spricht er zurückhaltender über politische Kämpfe, aber die Leidenschaft und der Wille zu provozieren sind nach wie vor intakt.
Das Urteil der Kritiker über seine jüngsten Rollen
Zur Zeit ist Jesper Christensen im dritten Teil von "Die verdammten Jahre" zu sehen, wo er eine zentrale Rolle in der Erzählung über die Besatzungszeit spielt. Die Kritiker waren gegenüber dem Gesamtfilm jedoch eher verhalten. Mehrere heben hervor, dass "die Spannweite gross ist, der Film aber dennoch an Höhe verliert", und nennen das Werk "zu überladen". Dennoch herrscht weitgehend Einigkeit, dass gerade Christensens Präsenz die Szenen aufwertet, wann immer er im Bild ist. Seine Fähigkeit, mit einem einzigen Blick sowohl Verletzlichkeit als auch Stärke zu vermitteln, ist unübertroffen.
Drei filmische Höhepunkte mit Jesper Christensen
- Casino Royale (2006) – Als der gnadenlose Mr. White machte er international auf sich aufmerksam.
- Die Königin und der Leibarzt (2012) – Als Struensees Verbündeter bewies er sein Talent für Historienstoffe.
- Die verdammten Jahre (2020-2023) – Die gesamte Trilogie, in der er die Kriegserzählung zusammenhält.
Verwechslungen und Namensvettern
Wenn man nach Jesper Christensen sucht, sollte man bedenken, dass es andere bekannte Dänen mit fast demselben Namen gibt. Bent Jesper Christensen ist ein angesehener Wirtschaftsprofessor an der Universität Aarhus, der im Bereich Finanzökonometrie forscht. Und auf der Radrennbahn hat sich Jesper Mørkøv als einer der besten Bahnfahrer des Landes einen Namen gemacht. Aber wenn es um Film und Theater geht, denken die meisten zweifellos an den erfahrenen Schauspieler.
Jesper Christensen hat nie den einfachen Weg in die Herzen des Publikums gesucht. Er hat darauf bestanden, ein Mann der Widersprüche zu sein – einer, der sowohl der kalte Schurke als auch der warmherzige Grossvater sein kann. Und genau deshalb fasziniert er uns Jahr für Jahr aufs Neue.