Pilotenfehler oder Schrecksekunde? Der Jetstar-Zwischenfall, der den Flughafen Christchurch den Atem anhalten liess
Wer sich schon immer gefragt hat, wie schnell die Dinge in der modernen Luftfahrt aus dem Ruder laufen können, muss nur einen Blick auf die gestrigen Ereignisse am Flughafen Christchurch werfen. Ein Jetstar A320, der bei einer routinemässigen Landung aufsetzte, kam plötzlich von der Piste ab und pflügte in eine Anzeigetafel. Die Bilder sind dramatisch, doch die eigentliche Geschichte spielt sich in den Sekunden vor dem Aufprall ab – und ist ein klassischer Fall von Pilotenfehler in Kombination mit mechanischem Versagen.
Die Ermittler haben die Abfolge bereits rekonstruiert. Gerade als das Hauptfahrwerk die Landebahn berührte, gab im Bugfahrwerksschacht ein Hydraulikrohr aus Titan nach. Dadurch spritzte Flüssigkeit, und was schwerer wog: Die Piloten verloren die Kontrolle über die Bugradsteuerung. Im Cockpit war die Anzeige verwirrend: Ein plötzlicher Verlust der Steuerungsfähigkeit genau in dem Moment, wo man sie am dringendsten braucht. Der Kapitän, durch das Rucken erschrocken, reagierte, wie es wohl jeder Mensch in einer Paniksituation tun würde – er griff nach dem, was er für das Steuerrad hielt, schob aber in Wirklichkeit die Schubhebel nach vorne. Die Triebwerke liefen hoch, und der Jet, anstatt zu bremsen, versuchte erneut abzuheben und schlitterte seitlich über das Gras.
An diesem Punkt wechselt die Diskussion von der reinen Mechanik zur unberechenbaren Welt des menschlichen Gehirns. Es geht hier nicht um Inkompetenz, sondern um den Schreck-Moment (Startle Factor) – ein Phänomen, das Flugsicherheitsexperten wie Jan U. Hagen seit Jahren erforschen. Hagens Studien zeigen, dass selbst erfahrenste Crews erstarren oder Fehler machen können, wenn ein System auf unerwartete Weise versagt. Das ist nicht die Art von Fehler, die man mit einer simplen Checkliste wegzutrainieren kann; es ist eine Ur-Reaktion. Wie es ein ehemaliger Pilot mir gegenüber formulierte: "Man kann fast alles simulieren, aber man kann nicht diesen plötzlichen Schock von 'Was zum Teufel war das?' simulieren, wenn das Flugzeug sich nicht so verhält, wie es soll."
Dieser Vorfall ist eine Erinnerung daran, dass das Cockpit trotz aller Automatisierung immer noch auf zwei Menschen angewiesen ist, die letztlich nur Menschen sind. Der Jetstar-Zwischenfall greift ein Thema auf, das sich durch viele neuere Luftfahrtpublikationen zieht – von den schonungslosen Schilderungen aus dem Cockpit von Max James bis zu den historischen Gefahren in Jacqueline Winspears Roman A Sunlit Weapon. In Winspears Buch, das im Zweiten Weltkrieg spielt, geht die Bedrohung vom Feind aus, aber die zugrundeliegende Spannung ist dieselbe: Wenn Maschine und menschlicher Geist gleichzeitig versagen, können die Folgen katastrophal sein. Hier, glücklicherweise, war das einzige Opfer eine Anzeigetafel und ein wenig Stolz.
Was diesen Fall besonders neuseeländisch macht, ist der Kontext. Die Piste von Christchurch ist zwar lang genug, hat aber ihre eigenen Tücken mit Seitenwinden und der allgegenwärtigen Turbulenz der Südalpen. Der Flughafen ist ein geschäftiges Drehkreuz, und ein derartiges Abkommen von der Piste bei hoher Geschwindigkeit hätte weitaus schlimmer enden können, wäre der Jet in einen Treibstoffwagen oder ein anderes Flugzeug gekracht. Das schnelle Eingreifen der Flughafenfeuerwehr – die innerhalb von Sekunden vor Ort war – verhinderte einen Brand, doch der Vorfall wirft viele Fragen auf.
Was kommt also als Nächstes? Die Ermittler werden das Versagen des Rohrs untersuchen – war es ein Fabrikationsfehler, Materialermüdung oder einfach nur Pech? Und sie werden die Reaktion des Piloten unter die Lupe nehmen. War es reiner Instinkt, oder trug die Cockpitgestaltung dazu bei? In vielen modernen Airbus-Maschinen liegen das Steuerrad für die Bugradsteuerung und die Schubhebel dicht beieinander; in der Hitze des Gefechts ist dieser Fehler schnell passiert. Aber es sind gerade die leicht passierenden Fehler, die wir wegkonstruieren müssen.
Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Vorbericht:
- Hydraulikversagen: Ein Titanrohr im Bugfahrwerksschacht platzte bei der Landung, was zum Verlust der Steuerung führte.
- Pilotenreaktion: Der Kapitän, erschrocken, schob versehentlich die Schubhebel nach vorne, anstatt das Steuerrad zu betätigen.
- Pistenabkommen: Der A320 verliess mit hoher Geschwindigkeit die befestigte Piste und zerstörte eine Flughafen-Anzeigetafel.
- Keine Verletzten: Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder evakuierten sich sicher, das Flugzeug erlitt nur geringfügigen Schaden.
- Ermittlungen laufen: Die Behörden untersuchen sowohl das mechanische Versagen als auch die menschlichen Faktoren.
Für die Reisenden ist die Botschaft beruhigend langweilig: Zwischenfälle wie dieser sind äusserst selten, und wenn sie doch vorkommen, funktionieren die Systeme, um alle zu schützen. Doch für uns, die wir den Himmel beobachten, ist es eine ernüchternde Erinnerung daran, dass die Grenze zwischen einer perfekten Landung und einer Schlagzeile oft nur den Bruchteil einer Sekunde und einen erschrockenen Impuls der Hand entfernt ist. Während die Ermittlungen weitergehen, ist eines klar: Pilotenfehler ist kein Schimpfwort – es ist ein Aufruf, das Cockpit ein Stück weit nachsichtiger mit unserer menschlichen Natur zu machen.