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Banken der VAE und Iran: Vom sicheren Geldhafen zur Konfliktlinie in Kriegszeiten

Politik ✍️ محمد الحمادي 🕒 2026-03-13 17:41 🔥 Aufrufe: 1
Dubai Skyline während des Krieges

Seit dem Moment, als Ende letzten Monats die Raketen in Richtung Israel abgefeuert wurden, herrscht hier in den VAE eine beispiellose Alarmbereitschaft. Doch womit niemand gerechnet hatte, nicht einmal die pessimistischsten Analysten, war, dass ausgerechnet die Banken der VAE selbst ins Visier geraten würden. Plötzlich verwandelte sich das Dubai International Financial Centre von einer glitzernden Glasfront, die den Prunk des globalen Kapitalismus widerspiegelte, in eine Geisterstadt, in der ein Gebäude nach dem anderen leer steht.

Was wir dieser Tage erleben, ist nicht bloss eine weitere militärische Eskalation, sondern ein Erdbeben, das die Finanzlandkarte der Region neu zeichnet. Über Nacht sahen sich Giganten wie die Citibank und Standard Chartered gezwungen, ihre Büros in Dubai zu räumen, nach einer unverhohlenen iranischen Drohung, "wirtschaftliche Zentren und Banken mit Verbindungen zu Amerika" ins Visier zu nehmen. Das ist ein Szenario, das wir selbst in den düstersten Tagen der Spannungen mit Iran nicht kannten. Teheran, das jahrzehntelang auf Dubai als Lebensader angewiesen war, um Sanktionen zu umgehen, bombardiert heute genau diese Ader.

Von "Babak Zanjani" zu Präzisionsraketen

Um die kuriose Paradoxie unserer Zeit zu verstehen, muss man etwas zurückblicken. Die finanzielle Beziehung zwischen Iran und den VAE war schon immer komplex und zwiespältig. In den vergangenen Jahren hörte man von iranischen Geschäftsmännern wie Babak Zanjani, einem Händler, der in Dubai ein komplexes Netz von Scheinfirmen betrieb, um iranische Ölgeldflüsse zu lenken und westliche Sanktionen zu umgehen. Dubai war damals so etwas wie die "Hintertür" Teherans zur Welt. Das Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern schnellte 2024 auf 28 Milliarden Dollar hoch, und eine halbe Million Iraner lebten und arbeiteten im Land.

Doch heute, nachdem Iran einen Schauer von 1700 Raketen und Drohnen auf die VAE abgefeuert hat, ist alles anders. Die Banken sind nicht mehr nur passive Vermittler, sondern sind zu einem Druckmittel in den Händen Abu Dhabis geworden. Aus den Korridoren der Entscheidungsfindung dringt, dass die VAE ernsthaft prüfen, Milliarden von Dollar an iranischen Vermögenswerten einzufrieren, die in ihrem Bankensystem feststecken. Die Idee dahinter: Wenn Teheran dieses Geld nutzt, um Milizen zu finanzieren und Waffen zu kaufen, warum sollte es dann in unseren Tresoren bleiben?

Ein Kampf an zwei Fronten: Feld und Daten

Doch die Herausforderung beschränkte sich nicht nur auf das Militärische oder Politische. Der aktuelle Krieg hat auch die Fragilität der digitalen Infrastruktur offengelegt, auf die Dubai so stolz ist. Als Drohnen ein Rechenzentrum von Amazon im Land trafen und ein weiteres in Bahrain beschossen wurde, erlebte der Bankensektor einen heftigen Schock. Mehrere Online-Banking-Dienste fielen aus, Überweisungen waren gestört, und eine neue Angst machte sich breit: Sind unsere Daten unter der Erde oder in der Cloud sicherer?

An dieser Stelle griff die Zentralbank mit einem beispiellosen und mutigen Schritt ein. Zum ersten Mal erlaubte sie den Banken, einen Teil ihrer Daten auf Server ausserhalb des Landes auszulagern – eine vorübergehende Aussetzung der strengen Datenschutzrichtlinien, für die die VAE bekannt sind. Es ist ein stilles Eingeständnis, dass das lokale "Rechenzentrum" im Zeitalter von Cyberkrieg und ballistischen Raketen nicht mehr sicher ist.

Die aktuellen Herausforderungen für die Branche:

  • Weiterführung des Fernarbeit: Internationale Banken haben ihre Büros im Finanzzentrum geräumt; die Abhängigkeit von Business-Continuity-Plänen ist jetzt das A und O.
  • Bedrohung der Infrastruktur: Die Angriffe auf Rechenzentren haben die Verletzlichkeit digitaler Bankdienstleistungen gegenüber Cyber- und physischen Angriffen aufgezeigt.
  • Schicksal der iranischen Vermögenswerte: Der Druck wächst, sämtliche Vermögenswerte Irans oder damit verbundener Organisationen in VAE-Banken einzufrieren.
  • Steigende Versicherungskosten: Die Sicherheit der Region steht auf dem Spiel, was sich direkt in höheren Prämien für die Versicherung von Gebäuden und Mitarbeitern niederschlägt.

Das grosse Spiel der Währungen: Ist der Dollar zum Scheitern verurteilt?

Inmitten dieses Chaos dürfen wir die grössere Frage nicht ignorieren, die Investoren umtreibt: BRICS gegen den Westen: Ist der US-Dollar zum Scheitern verurteilt? Diese Frage ist heute dringlicher als vor dem Krieg. Erst vor wenigen Wochen suchten die BRICS-Staaten – denen die VAE und Iran offiziell beigetreten sind – nach einer Alternative zum Swift-System und versuchten, eine gemeinsame Währung zu schaffen.

Die Ironie der Geschichte ist jedoch, dass der Krieg diesen Schwung vorerst gestoppt hat. Während die USA damit drohen, 100%ige Zölle auf BRICS-Staaten zu verhängen, falls sie den Dollar aufgeben, ist es ausgerechnet Iran, das durch die Angriffe auf Finanzzentren in Dubai dem Dollar täglich neuen Auftrieb verleiht. Die geräumten Banken in den VAE sind schliesslich die Regionalniederlassungen der grössten amerikanischen und britischen Geldhäuser. Anstatt den Dollar zu töten, lässt dieser Krieg alle zur grünen Währung als sicheren Hafen in Krisenzeiten rennen.

Die Welt hat die internationalen Sanktionen während der russischen Invasion in der Ukraine 2022 erlebt und gesehen, wie der Westen russische Vermögenswerte einfror. Nun fürchtet Teheran, dass sein Geld in Dubai das gleiche Schicksal erleiden könnte wie jenes Moskaus. Daher wäre jeder Schritt zum Einfrieren iranischer Gelder heute ein Präventivschlag gegen die iranische Version der neuen "Babak Zanjani"s, die den Reichtum des Regimes aus luxuriösen Büros mit Blick auf den Burj Khalifa verwalten.

Letztendlich ist das, was in den VAE geschieht, mehr als nur ein Stellvertreterkrieg. Es ist die Ankündigung des Endes der Ära der "Trennung" von Geld und Politik. Dubai war jahrzehntelang die "Schweiz des Ostens", wohin Geld von überall herkam, ohne nach seiner Herkunft zu fragen. Doch die Raketen, die auf den Flughafen von Dubai fallen und jene, die Tanker in der Strasse von Hormus angreifen, sagen eines deutlich: In diesem Strudel gibt es keinen neutralen Ort mehr. Entweder man ist Teil eines Lagers oder man ist ein Ziel, und unsere Banken haben sich heute, ob freiwillig oder gezwungen, genau an vorderster Frontlinie wiedergefunden.