Anita Harley und die Pernambucanas: Was die Dokumentation über den milliardenschweren Streit enthüllte, der Brasilien in Atem hielt
Wenn du in den letzten Wochen nichts anderes mehr gehört hast als Anita Harley, dann atme mal tief durch: Der Fall ist noch lange nicht abgeschlossen. Die Geschichte der Erbin der Casas Pernambucanas, die mit der Dokumentation „O Testamento: O Segredo de Anita Harley“ zu einem der grössten Publikumserfolge eines Streamingdienstes wurde, hat vor Gericht ein neues Kapitel erhalten. Und mal ehrlich, es scheint, als wolle das echte Leben jeder Drehbuchautorin den Rang ablaufen.
Was als Sonntags-Neugier begann, wurde zu einem regelrechten Volkssport. Und das ist kein Wunder: Die Geschichte hat alles, was man in Brasilien am liebsten bei einem Bier diskutiert — Geld, Liebe, Betrug, eine Villa mit 96 Zimmern und eine Wendung nach der anderen. Aber halt, was in den letzten Tagen passiert ist, klingt wie aus einem Film.
Wer ist Anita Harley eigentlich?
Für alle, die gerade erst dazustossen, hier eine kurze Zusammenfassung. Anita Harley, Erbin des von der Familie Lundgren gegründeten Handelsimperiums, liegt seit November 2016 nach einem Schlaganfall im Koma. Seitdem wird sie stationär behandelt und kann sich nicht mehr äussern. Ihr Vermögen? Es wird auf rund 2 Milliarden Reais geschätzt, von ihrer milliardenschweren Beteiligung an Pernambucanas, das über 470 Filialen im ganzen Land hat, ganz zu schweigen.
Das ruhende Geld war der Auslöser für einen Krieg, der nun fast ein Jahrzehnt dauert. Auf der einen Seite stehen zwei Frauen, die Stein und Bein schwören, die Lebensgefährtinnen von Anita gewesen zu sein. Auf der anderen Seite ein sozialrechtlich anerkannter Sohn. Und nun eine Neue, die aus dem Nichts auftaucht und einen DNA-Test verlangt, um ihre Verwandtschaft zu beweisen. Das ist doch ein Plot, der in einem Luxus-Reality-TV perfekt aufgehoben wäre, oder nicht?
Das Duell, das zum Hit wurde: Suzuki gegen Cristine
Wenn es einen Punkt gab, bei dem die Zuschauer beim Anschauen der fünf Dokumentarfolgen den Kopf zerbrochen haben, dann war es die Version der beiden Protagonistinnen. Auf der einen Seite steht Sônia Soares, bekannt als Suzuki. Eine ehemalige Angestellte, von vielen als „Begleiterin“ bezeichnet, behauptet, mit Anita satte 36 Jahre lang in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft gelebt zu haben. Heute wohnt sie in der Villa, die Anita bauen liess und die auf über 50 Millionen Reais geschätzt wird. Anita soll sie ihr geschenkt haben.
Auf der anderen Seite steht Cristine Rodrigues, eine ehemalige, enge Vertraute und persönliche Freundin. Sie wurde von Anita selbst noch zu deren Lebzeiten damit beauftragt, sich um ihre persönlichen Angelegenheiten und ihre Gesundheit zu kümmern. Cristine behauptet ebenfalls, die wahre Partnerin der Unternehmerin gewesen zu sein, und dass es sich bei der Beziehung zu Suzuki um eine rein berufliche, von Nächstenliebkeit geprägte Beziehung gehandelt habe.
Und genau hier liegt der Hund begraben. In den letzten Tagen gab es vor dem Berufungsgericht eine überraschende Wende: Nach einem anfänglichen Sieg von Suzuki erklärten die Richter ihren Antrag auf Anerkennung der Lebenspartnerschaft für unbegründet. Das heisst, zumindest vorerst geht die Justiz davon aus, dass es nicht genügend Beweise dafür gab, dass Sônia die offizielle Partnerin von Anita war.
Die Rolle von Arthur Miceli und das neue Puzzleteil
Wenn du jetzt dachtest, dass es bei der Auseinandersetzung nur um zwei Frauen geht, dann hast du noch nicht vom Arthur Miceli gehört. Als leiblicher Sohn von Suzuki erreichte er vor Gericht die Anerkennung als sozialrechtlicher Sohn von Anita. Das ist ein Teilsieg: Wenn die Lebenspartnerschaft seiner Mutter scheitert, hat er bereits einen Weg als direkter Erbe in der Tasche. Die endgültige Entscheidung über seine Anerkennung steht noch aus, aber es ist einer der Punkte, die den beteiligten Anwälten am meisten Kopfzerbrechen bereiten.
Und als ob die Familie für so viel Geld nicht schon klein genug wäre, kommt nun Katarina Teixeira ins Spiel. Die 64-jährige Pernambucanerin hat einen Antrag auf einen DNA-Test gestellt, um zu beweisen, dass sie die Tochter oder Schwester der Unternehmerin ist. Sie behauptet, der Adoptivvater, der der Familie nahestand, habe im Sterben ein Geheimnis preisgegeben. Sollte sich dies bestätigen, könnte ein weiteres Milliardenerbe vom Kuchen abgehen.
Villa, Macht und Wendungen
Neben dem Kampf um den Erbstatus gibt es ein architektonisches Detail, das zur Hauptfigur geworden ist: die besagte Villa im Viertel Aclimação. Die Immobilie mit 96 Zimmern und 37 Badezimmern wurde von Anita gebaut, um mit Suzuki zu leben, ist aber heute zum Symbol des Streits geworden. Während Suzuki dort bis heute wohnt, bestreitet Cristine die Schenkung und sagt, Anita hätte ohne eine formelle Beziehung niemals ein so grosszügiges Geschenk gemacht.
Inmitten all dessen wechselte das Schicksal der Vermögensverwaltung mehrfach die Hände. Heute liegt die Kontrolle über das Vermögen bei einem externen Verwalter, der vom Gericht bestellt wurde, um zu verhindern, dass die Beteiligten das Geld nutzen, solange der Prozess läuft.
Wie steht der Fall gerade?
Für alle, die jetzt gespannt darauf sind, wer das Geld bekommt: Noch niemand. Was wir wissen, ist, dass die Lage im Moment günstiger für Cristine ist, da der Antrag von Suzuki auf Anerkennung der Lebenspartnerschaft in der zweiten Instanz abgelehnt wurde. Die Anwälte von Suzuki werden nun das obere Gericht anrufen, um diese Entscheidung rückgängig zu machen.
- Sônia (Suzuki): Die Anerkennung der Lebenspartnerschaft wurde in zweiter Instanz verweigert, sie kann aber Berufung einlegen.
- Cristine: Ihr Rechtsmittel wurde stattgegeben, und sie wird vom Gericht erneut angehört, was ihren Anspruch aufrecht erhält.
- Arthur: Der sozialrechtliche Sohn hat bereits eine Anerkennung sicher, aber die Entscheidung steht noch beim oberen Gericht aus.
- Katarina: Hat einen DNA-Test beantragt und wartet nun auf das Gericht, um endgültig in den Streit einzusteigen.
Wahrheit ist: Solange Anita Harley im Koma liegt und kein klares Testament existiert, wird dieser Streit weiter für Memes, Diskussionen und natürlich Zuschauer sorgen. Die Regisseurin der Dokumentation hat bereits angedeutet, dass sich noch einiges ändern könnte, und das Publikum fordert bereits eine zweite Staffel, um die nächsten Kapitel dieser Real-Life-Telenovela zu verfolgen.
Bis es zum Schluss kommt, bleibt eines sicher: Die Geschichte der Erbin von Pernambucanas ist eine, die eine Ära prägt. Nicht wegen des Geldes, sondern weil sie jene alte Weisheit aufzeigt: Familie, Macht und Erbe sind eine Kombination, die nie gut ausgeht — und wir lieben es, dabei zuzuschauen.