Sørfold: Als die E6 gesperrt war und der Bräutigamsmarsch eine neue Bedeutung bekam
Vielleicht kennen Sie Sørfold als die Gemeinde mit dem mächtigen Fjord Sørfolda, oder vielleicht ist sie Ihnen durch die Klänge des „Bruremarsj fra Sørfold“ (Bräutigamsmarsch aus Sørfold) ein Begriff. Doch für uns, die wir hier leben oder unsere Wurzeln haben, drehte sich in den letzten Tagen alles um etwas ganz anderes. Nämlich darum, von A nach B zu kommen. Darum, den Berg zu überqueren, wenn die sichere Straße plötzlich gesperrt ist.
Alles begann mit der Schließung des E6-Tunnels. Plötzlich, ohne Vorwarnung, war unsere wichtigste Lebensader durchtrennt. Ich kenne Leute, die wollten nach Hause, um ihr Kind aus dem Kindergarten zu holen, und andere, die einen Arzttermin in Fauske hatten. Die meisten kehrten um, als sie merkten, dass Stau und Chaos herrschten. Aber es gibt immer welche, die sich im Gelände besser auskennen als jedes Navigationsgerät.
Als Jonny den Berg nahm
Während viele im Stau standen oder nach Umleitungen suchten, schnappte sich einer einfach seine Schuhe. Jonny, ein Einheimischer, der Sørfolda im Blut hat, wanderte über den Berg. Nicht um einen Rekord aufzustellen oder ein Held zu sein, sondern ganz einfach, weil er weiter musste. Für Menschen, die hier in Sørfold aufgewachsen sind, ist der Berg kein Hindernis – er gehört zur Nachbarschaft. Diese Art von Pragmatismus zeichnet die Leute hier im Norden aus. Wenn die E6 ausfällt, nimmt man halt den Pfad über den Bergrücken. Das war ein Bild von wahrer Sørfold-Pracht.
Jetzt brodelt die Gerüchteküche und Optimismus macht sich breit. Eine gut informierte Quelle deutet an, dass der Tunnel schon morgen geöffnet werden könnte. Die Baufirmen arbeiten auf Hochtouren und die Verantwortlichen für die Straße beißen sich auf die Zunge. Sie wissen genauso gut wie wir, dass jede Stunde, in der der Tunnel gesperrt ist, Geld kostet und die Geduld der vielen Pendler auf eine harte Probe stellt. Niemandem hier im Tal ist damit gedient, dass die E6, diese Lebensader, länger als unbedingt nötig gesperrt bleibt.
Der Bräutigamsmarsch, der alles verbindet
Während wir auf die endgültige Öffnung warten, habe ich viel über genau diesen „Bruremarsj fra Sørfold“ nachgedacht. Er ist ja nicht nur eine Melodie; er ist der Soundtrack des Lebens hier. Ein Bräutigamsmarsch handelt doch davon, zwei Teile zu vereinen, einen Weg zu schaffen, wo vorher keiner war. Genau jetzt, in diesen Stunden bevor die E6 wieder befahrbar ist, sitzen wir hier in Sørfold und warten darauf, dass zwei Welten wieder zusammengeführt werden: wir auf der einen Seite des Tunnels und der Rest der Welt auf der anderen.
Für mich bedeutet Sørfold mehr als nur Kilometer an Asphalt. Es geht um die Gemeinschaft. Die letzten Tage haben gezeigt: Wenn die Straße gesperrt wird, öffnen sich die Türen. Die Leute haben sich gegenseitig Fahrten angeboten, Essen geteilt und die wichtigen Neuigkeiten in den Dorf-Apps verbreitet. Das ist das unbezahlbare Gefühl von Geborgenheit, das es hier gibt.
Hier ist, was ich im Moment mit Sicherheit über die Lage weiß:
- Die Bauarbeiten: Es wird rund um die Uhr gearbeitet, um den Tunnel zu sichern. Nach den letzten Signalen sieht es optimistischer aus als ursprünglich angenommen.
- Die Umleitung: Für diejenigen, die unbedingt weiter müssen, gibt es Umleitungen, die sind aber anspruchsvoll. Ortskundige empfehlen, vor der Fahrt die aktuellen Updates auf dem Handy zu checken.
- Der Zusammenhalt: Wie immer, wenn in den ländlichen Gebieten eine Krise ausbricht, halten wir zusammen. Es gibt keine Panik, nur praktische Problemlösungen.
Ob Sie nun im Stau stehen oder zu Hause sitzen und darauf warten, dass Ihr Liebster den Berg überquert, um heimzukommen: Denken Sie daran, dass der Sørfolda mit seinem stillen Wasser und den steilen Bergen da ist. Er war schon lange vor der E6 hier, und er wird noch lange nach ihr da sein, wenn die Straße wieder offen ist. Bald können wir wieder durch den Tunnel fahren, ohne darüber nachzudenken. Aber vielleicht denken Sie, wenn Sie das nächste Mal die Klänge des „Bruremarsj fra Sørfold“ hören, ein bisschen mehr darüber nach, was es eigentlich bedeutet, sicher anzukommen – ob auf Asphalt oder über die Hochebene.
Jetzt bleibt nur noch, die Daumen zu drücken, dass die Öffnung morgen klappt, wie es die letzten Meldungen versprechen. Dann herrscht wieder Vollbetrieb auf der E6, und wir können endlich aufatmen. Willkommen zuhause, Sørfold.