Oscar-Preisträger "Mr. Nobody Against Putin": Die Dokumentation, die den Kreml dazu brachte, sich dumm zu stellen
Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Dokumentarfilm gleichzeitig einen Oscar und einen Kommentar aus dem Kreml erhält. Genau das ist aber mit „Mr. Nobody Against Putin“ passiert, der am Sonntagabend bei der Oscar-Verleihung in Los Angeles die begehrte Trophäe für die beste Dokumentation mit nach Hause nahm.
Ein gewöhnlicher Mann gegen die Macht
Der Film, der im englischen Original „Mr. Nobody Against Putin“ heißt, begleitet einen anonymen Russen, der nur als „Mr. Nobody“ bekannt ist. Er begann als gewöhnlicher, unzufriedener Bürger, wurde aber schließlich zu einer zentralen Figur der Protestbewegung gegen den Kreml. Mit versteckten Aufnahmen und nervenaufreibenden Verfolgungsjagden zeigt der Film, wie ein ganz normaler Mann ein System herausfordern kann, das dafür bekannt ist, jeden Gegner mundtot zu machen.
Es ist roh, ehrlich und mitunter so unangenehm, dass man den Atem anhält. Der Regisseur hatte Zugang zu bisher unveröffentlichten Aufnahmen von Demonstrationen, Polizeiverhören und privaten Gesprächen, in denen Mr. Nobody nach und nach erkennt, dass er zu einer Schachfigur in einem viel größeren Spiel geworden ist.
Die Antwort des Kremls: „Mr. Nobody? Noch nie von ihm gehört“
Während das Filmteam und Journalisten weltweit die Dokumentation feiern, war die Reaktion aus Moskau, sagen wir mal, vorhersehbar. Auf einer Pressekonferenz am Montag kam die Frage auf, ob Präsident Putin den Film gesehen habe. Die Antwort des Kremls war eine glasklare Verweigerung:
„Mr. Nobody? Noch nie von ihm gehört. Wir haben die Dokumentation nicht gesehen und haben keine Kommentare zum Inhalt.“
Man kann sie geradezu denken hören: „Wenn wir die Existenz des Films nicht anerkennen, existiert das Problem dann überhaupt?“ Das ist klassischer Kreml: Wenn die Realität zu unangenehm wird, stellt man sich dumm. Und das machen sie meisterhaft.
Warum der Film einen Nerv trifft
„Mr. Nobody Against Putin“ ist nicht einfach irgendein weiterer Dokumentarfilm über Russland. Er trifft etwas ganz Grundlegendes: die Angst davor, dass das System jeden Einzelnen zermalmen kann. Aber auch die Hoffnung, dass eine Person etwas bewirken kann. Hier sind drei Dinge, die den Film besonders machen:
- Die Authentizität: Keine sprechenden Köpfe oder Archivaufnahmen – nur die Realität, gefilmt, wie sie sich entfaltet.
- Der Protagonist: Mr. Nobody ist kein professioneller Aktivist, sondern ein gewöhnlicher Familienvater, der einfach nicht mehr schweigen konnte.
- Die Spannung: Es ist nervenaufreibender als die meisten Thriller – besonders wenn er von Männern in Anzügen verfolgt wird, die es eindeutig nicht gut mit ihm meinen.
Was nun mit Mr. Nobody?
Es ist noch unklar, ob Mr. Nobody selbst es wagte, nach Hollywood zu reisen, um den Preis entgegenzunehmen. Gerüchten zufolge hält er sich immer noch an einem geheimen Ort in Europa auf. Aber seine Geschichte lebt weiter. Und mit einem Oscar in der Tasche hat er nun eine Plattform, die weit über die Grenzen Russlands hinausreicht.
Dass der Kreml behauptet, noch nie von ihm gehört zu haben, ist wahrscheinlich die beste Werbung, die der Film überhaupt bekommen konnte. Denn wenn uns die russische Politik eines gelehrt hat, dann dies: Das, von dem sie behaupten, es existiere nicht, ist oft das, was sie am meisten fürchten.
„Mr. Nobody Against Putin“ soll voraussichtlich im Herbst in den österreichischen Kinos anlaufen. Halten Sie Ausschau danach – es wird einer der meistdiskutierten Filme des Jahres werden.