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Como vs Inter: Die Taktik-Analyse eines enttäuschenden Remis und wie Cesc Fabregas den Gameplan optimieren muss

Sports ✍️ Stefan Berger 🕒 2026-03-04 02:05 🔥 Aufrufe: 3

Wenn man nach 90 Minuten im Stadio Giuseppe Sinigaglia – von den Einheimischen liebevoll „la piccola Bombonera“ getauft – das Gefühl nicht loswird, dass hier jemandem ein böser Streich gespielt wurde, dann sitzt man meistens auf der Seite von Cesc Fabregas. Der Spanier, mittlerweile als Trainer des Como 1907 in der Serie A angekommen, wirkte nach dem Schlusspfiff gegen Inter Mailand wie ein enttäuschter Junge, dem man das letzte Stück Schokolade weggenommen hat. 1:1 endete diese hitzige Partie, und während die Nerazzurri mit dem Punkt ganz gut leben können, bleibt in Como ein schaler Nachgeschmack – und die brennende Frage: Wie hätte man dieses Spiel gewinnen müssen?

Cesc Fabregas gestikuliert an der Seitenlinie beim Spiel Como gegen Inter Mailand

Die erste Hälfte: Como spielt wie die grossen Italiener

Was Fabregas in den ersten 45 Minuten seiner Mannschaft verordnet hatte, war eine taktische Meisterleistung. Inter, gewohnt sattelfest im Ballbesitz und mit den schnellen Umschaltmomenten über Lautaro und Thuram gespickt, fand überhaupt kein Mittel gegen das aggressive Pressing der Hausherren. Die Como-Defensive stand kompakt wie eine Mauer, die Mittelfeldreihe um Ben Lhassine Kone fraß die Räume auf, und nach vorne ging es mit einer Geschwindigkeit, die Inter-Altmeister Francesco Acerbi alt aussehen liess. Das frühe Führungstor war die logische Konsequenz eines Spielaufbaus, der Mut machte. Es war jener Gameplan, den man als "how to use como – inter" in jedem taktischen Lehrbuch festhalten möchte: Mutig, aggressiv, mit vertikalen Pässen in die Tiefe.

Der Knackpunkt: Fabregas' Halbzeitansprache und Inters Reaktion

Doch die Serie A ist eine Liga der Anpassungen. Simone Inzaghi, auf der anderen Seite, stellte in der Kabine um. Inter kam mit einer ganz anderen Körpersprache aus der Pause. Sie schoben früher an, verlagerten das Spiel über die Flügel, wo Dimarco und Dumfries endlich Platz fanden. Und Como? Die wirkten plötzlich gehemmt. Der Respekt vor dem Namen des Gegners schien sich in die Beine der jungen Spieler geschlichen zu haben. Die Passquote sank, die befreiten Aktionen der ersten Hälfte waren passé. Genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Wie reagiert ein Aufsteiger, wenn der Favorit zurückschlägt? Die alte italienische Tugend des "manger la partita" – des Spiel-Verschlingens – fehlte im zweiten Durchgang völlig. Dass Inter dann durch einen Standard traf, war fast schon ironisch, denn Como hatte bis dahin gut verteidigt.

Der "Como – Inter Review": Was lief schief?

Nehmen wir die Partie genau unter die Lupe – einen detaillierten Como – Inter Review, wenn man so will. Der Knackpunkt war nicht das Gegentor an sich, sondern die Phase davor. Fabregas’ Team verpasste es, nach dem 1:0 nachzulegen. Statt das zweite Tor zu jagen, um den Deckel draufzumachen, liess man sich zu tief fallen. Genau das liebt Inter. Sie brauchen nur diesen einen Moment, diese eine Unachtsamkeit. Und die kam dann in der 68. Minute, als Calhanoglu den Ball mustergültig in den Strafraum brachte und ein Abpraller bei De Vrij landete. Solche Gegentore tun doppelt weh, weil sie zeigen, dass die Konzentration über 90 Minuten nicht reichte. Für Como heisst das: Aus dieser Partie muss man lernen, wie man auch gegen Topteams das Ergebnis über die Zeit bringt. Es ist eine andere Art von Spielintelligenz, die man sich erst erarbeiten muss.

Die finanzielle Perspektive: Warum dieses Remis mehr kostet als einen Punkt

Als Beobachter, der auch ein Auge auf die wirtschaftlichen Zwänge des modernen Fussballs hat, fällt mir eines auf: Für einen Klub wie Como, der mit dem Glamour-Faktor eines Eigentümers wie der Thohir-Familie und der Aura eines Cesc Fabregas an der Seitenlinie arbeitet, ist jedes Spiel gegen einen Big Player wie Inter eine Bühne für Investoren und Sponsoren. Ein Sieg gegen Inter in dieser Saison wäre nicht nur ein Prestigeerfolg, sondern ein Milliarden-Statement gewesen. Man stelle sich vor, welche internationalen Vermarktungsmöglichkeiten sich mit einem "Wie wir den Meisterschaftsfavoriten besiegten"-Narrativ eröffnet hätten. Das 1:1 ist sportlich okay, kommerziell aber eine vertane Chance. In einer Liga, in der die TV-Gelder und Sponsorendeals immer stärker von der Sichtbarkeit und den "Big Matches" abhängen, ist ein solches Remis ein kleiner Rückschlag im Kampf um die Aufmerksamkeit.

Der Fahrplan für die Zukunft: So geht's weiter

Für Fabregas und sein Team gibt es aus meiner Sicht nur einen Weg: Sie müssen genau diesen Matchplan der ersten Halbzeit als Blaupause nehmen – quasi als definitive Como – Inter Guide für die kommenden Aufgaben gegen Topmannschaften. Drei Punkte sind dabei entscheidend:

  • Kompromissloses Pressing: Die ersten 45 Minuten haben gezeigt, dass Como spielerisch auf Augenhöhe ist. Das darf nicht nur eine Viertelstunde lang funktionieren.
  • Mentale Stabilität: Es braucht Führungsspieler auf dem Platz, die das Team auch in Drucksituationen ruhig halten und die Mitspieler coachen. Hier ist wohl der Captain gefragt.
  • Standardsituationen: Dass Inter genau mit einer Standardsituation zurückkam, sollte Warnung genug sein. Como muss sowohl in der Offensive als auch in der Defensive bei ruhenden Bällen cleverer werden.

Die Enttäuschung im Gesicht von Cesc Fabregas nach dem Spiel war echt. Sie zeigt, dass dieser Trainer mehr will, als nur die Klasse zu halten. Er will Geschichte schreiben mit diesem Klub. Und wenn man ehrlich ist: Mit der Leistung aus Halbzeit eins wäre sogar mehr drin gewesen gegen Inter. Es ist diese Gier nach dem Erfolg, die Como in den nächsten Jahren zu einem unangenehmen Gegner für jede Topmannschaft machen wird – vorausgesetzt, sie ziehen die richtigen Lehren aus diesem Abend in der kleinen Bombonera.