Aurore Bergé, das bäuerliche Frankreich und die Kontroverse: Wie weit wird sie noch gehen?
Sie sorgt weiterhin für Gesprächsstoff. Aurore Bergé, die Vorsitzende der Renaissance-Fraktion in der Nationalversammlung, hat diese Woche einen neuen Schlag gelandet – und die politische Welt bebt noch immer. Mitten in der Debatte über das Landwirtschaftsgesetz ließ die selbsternannte Wortführerin des „bäuerlichen Frankreichs“ einen Satz fallen, der Geschichte schreiben wird: „Ein echtes bäuerliches Frankreich zu haben, bedeutet, Getreide und Zuckerrüben anzubauen.“ Nichts Geringeres. Hinter der scheinbaren Banalität verbirgt sich ein Sprengstoff.
Rübe, Weizen und Tiefschläge
Auf den ersten Blick – was wäre logischer? Das landwirtschaftliche Frankreich, das sind endlose Weizenfelder und Zuckerrüben, auf die man in Hauts-de-France stolz ist. Nur dass diese Aussage im Mund einer Politikerin, die eine Meisterin der pointierten Formulierung ist, wie ein Schockwellen einschlug. Die Landwirtschaftsverbände sahen darin eine reduktionistische und produktionsorientierte Sichtweise, die die Vielfalt der Böden und die Schwierigkeiten der kleinen Betriebe ignoriert. „Sie reduziert Landwirtschaft auf industrielle Rohstoffe“, motzt eine bekannte Persönlichkeit der Koordination Rurale, die diese Botschaft ganz und gar nicht schlucken wollte.
Der wahre Zankapfel kam jedoch von woanders. Schnell entbrannte in den sozialen Netzwerken eine Diskussion über eine andere Lesart. Einige glaubten, in ihren Worten ein Echo auf die Thesen des rechtsextremen Schriftstellers Charles Maurras zu erkennen, andere sahen darin eine Anspielung auf einen Kult-Comic von Gotlib. Eine Verwirrung, die von ihren Kritikern geschickt geschürt wurde und als Beweis für eine ideologische Schieflage gilt. Besonders die linke Opposition tobte: „Aurore Bergé ist vom RN infiziert“, war hier und da zu lesen, während einschlägige Websites noch einen draufsetzten und das Macron-Lager als „Brutstätte des Faschismus“ bezeichneten. Ein heftiger Angriff, sicherlich, der aber zeigt, wie sehr jede noch so kleine Äußerung mittlerweile unter die Lupe genommen, seziert und auf links gedreht wird.
Reaktionen am Fließband
Unmittelbar danach kristallisierten sich die Positionen entlang dreier Hauptachsen heraus:
- Die Anschuldigungen von links: Der Abgeordneten wird vorgeworfen, durch die Aufnahme nationalistischer Bildsprache dem Rassemblement National den Boden zu bereiten. „Sie kokettiert mit den übelsten Ideen“, ließ ein Abgeordneter von La France insoumise verlauten, dem sich schnell andere Stimmen anschlossen.
- Die Verunsicherung an der Basis: Bei den Bauern, während die Verbände zu beschwichtigen suchen, ist auf dem Land die Betroffenheit spürbar. Viele fragen sich, ob in Bergés Version des „bäuerlichen Frankreichs“ noch Platz für die Familienlandwirtschaft ist.
- Das Unbehagen in der Regierungsmehrheit: Offiziell hält man zusammen und ruft zu einer konstruktiven Debatte auf. Hinter den Kulissen sorgen sich jedoch einige Funktionäre um das Bild, das eine Abgeordnete abgibt, die Kontroversen zu sammeln scheint.
Kalkulierte Strategie oder weiterer Fauxpas?
Also, inszenierter Coup oder Patzer? Aurore Bergé selbst wirkt unbeeindruckt. Im Plenum verteidigt sie weiterhin ihre Vision einer starken, in den Regionen verwurzelten Landwirtschaft. „Getreide und Zuckerrüben anzubauen, das ist unsere Geschichte, das ist unsere Zukunft“, wiederholte sie unerschütterlich. Bleibt abzuwarten, ob diese Hartnäckigkeit sie stärken oder noch weiter isolieren wird. In einem bereits geschwächten Macron-Lager zählt jedes Wort. Und ihres wiegt offensichtlich schwer.
Eines ist jedenfalls sicher: Mit Aurore Bergé wird die öffentliche Debatte nie langweilig. Ob man sie mag oder hasst, sie hat dieses seltene Talent, Spannungen zu bündeln und alle zu einer Positionierung zu zwingen. Vielleicht ist das letztlich ihre wahre Natur: eine geborene Provokateurin – selbst wenn sie über Zuckerrüben spricht.