Pia Olsen Dyhr: „Ich bin kein Hilfs-Sozialdemokrat“ – So kann SF Mette Frederiksens Machtkalkül durchkreuzen
Es ist Wahlkampf, und an den Straßenecken tauchen sie auf: die Plakate, die die letzten Unentschlossenen überzeugen sollen. Doch eine, die die Wähler wirklich aufhorchen lässt, ist die Vorsitzende der Sozialistischen Volkspartei (SF), Pia Olsen Dyhr. Sie hat nämlich die Maske fallen lassen und es zu einer Herzensangelegenheit gemacht, klarzustellen, dass ihr Projekt nicht darin besteht, das Gewissen der Sozialdemokraten zu sein – ihr Ziel ist es, eine echte Alternative für all jene rot orientierten Wähler aufzubauen, die es leid sind, das kleinere Übel zu wählen.
„Ich bin kein Hilfs-Sozialdemokrat“
Das war ein Schlag ins Kontor der gängigen Vorstellung, die SF sei nur Mette Frederiksens kleiner Bruder. Pia Olsen Dyhr sprach aus, was viele rote Wähler gedacht, aber nicht laut zu sagen gewagt hatten: Sie hat keine Lust, Hilfs-Sozialdemokrat zu sein. Die Botschaft ist, dass die SF ihre eigene Politik, ihre eigene Identität und ihre eigenen Forderungen hat. Wenn Mette Frederiksen die SF nach der Wahl mit ins Boot holen will, dann zu den Bedingungen der SF – und nicht umgekehrt.
Das ist eine deutliche Verschiebung des Machtgleichgewichts im rotem Lager, in dem die Sozialdemokraten jahrelang die Unterstützung der SF als selbstverständlich betrachten konnten. Doch Pia Olsen Dyhr hat gesehen, wie die Wähler zu Hause bleiben, wenn der Unterschied zwischen Rot und Blau verschwimmt. Sie will den rot orientierten Wählern einen Grund geben, mit dem Herzen zu wählen – ohne die Angst, dass ihre Stimme unter den Tisch fällt.
Eingeweihte auf Christiansborg raunen sich zu, dass Mette Frederiksen die Wahl gewinnen, aber die Macht verlieren könnte. Wie? Wenn die Sozialdemokraten Stimmen verlieren, während die linke Flügel mit der SF an der Spitze zulegt, gerät die Ministerpräsidentin in eine Falle. Dann kann sie keine Mehrheit bilden, ohne der SF und der Einheitsliste (Enhedslisten) deutlichen Einfluss zu gewähren. Und Pia Olsen Dyhr hat bereits gezeigt, dass sie keine Rabatte gewährt.
Gleichzeitig warnt Pelle Dragsted die roten Wähler davor, in die klassische Falle zu tappen: Eine Stimme für Mette Frederiksen ist nicht unbedingt eine Stimme für einen starken roten Kurs. Im Gegenteil riskiere man, dass die Sozialdemokraten wieder die Mitte ansteuern und die linke Flanke im Stich lassen. Seine Botschaft ist klar: Wer eine entschlossene rote Politik wolle, müsse die Parteien wählen, die dazu stehen – wie die SF.
- Pia Olsen Dyhr stellt klar: Die SF ist kein Hilfstrupp der Sozialdemokraten mehr.
- Mette Frederiksen droht, die Schlacht zu gewinnen, aber den Krieg um die Macht zu verlieren.
- Die Wähler müssen zwischen einer verschwommenen Mitte und einer scharf konturierten linken Flügel mit der SF an der Spitze wählen.
Was bedeutet das für Sie?
Wenn Sie in der Wahlkabine stehen, geht es nicht mehr nur um Rot oder Blau. Es geht darum, welche Art von roter Politik Sie wollen. Pia Olsen Dyhr verspricht, dass die SF ihre Unterstützung nutzen wird, um auf konkrete Veränderungen zu drängen – beim Klima, beim Sozialstaat und bei der Ungleichheit. Und wenn die Umfragen Bestand haben, könnte die SF sehr wohl zum Zünglein an der Waage werden, das darüber entscheidet, ob Mette Frederiksen Ministerpräsidentin bleibt – und wenn ja, zu wessen Bedingungen.
Eines ist sicher: Pia Olsen Dyhr hat eine Lunte im roten Lager gelegt, die das traditionelle Machtspiel sprengen könnte. Wir gehen einer Wahl entgegen, bei der niemand im Voraus das Endergebnis kennt. Aber mit der SF-Vorsitzenden am Steuer ist es jedenfalls vorbei mit Nettsein und Fügsamkeit.