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Kunden müssen Klarna nicht bezahlen? Gerichtsurteil hebt Inkassokosten auf - vollständiger Leitfaden

Finanzen ✍️ Bas van der Meer 🕒 2026-04-02 19:07 🔥 Aufrufe: 2
Klarna achteraf betalen uitspraak

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Kunden müssen Klarna nicht bezahlen. Genau das bedeutet ein aktuelles Gerichtsurteil in der Praxis für tausende Niederländer, die jemals mit Inkassokosten des schwedischen Zahlungsdienstes konfrontiert wurden. Das Gericht in Mittel-Niederlande entschied, dass Klarna nicht transparent über sein Geschäftsmodell war und damit faktisch einen Verbraucherkredit gewährte, ohne sich an die gesetzlichen Regeln zu halten.

Warum Kunden Klarna laut Gericht nicht bezahlen müssen

Der Kern des Falles liegt in der Art und Weise, wie Klarna mit späterem Bezahlen Geld verdient. Solange ein Zahlungsdienst kostenlos bleibt, ist das in Ordnung. Sobald jedoch Gebühren anfallen – wie Inkassokosten – betrachtet das europäische Gericht dies als einen kostenpflichtigen Kredit. Und dann gelten strenge Regeln: eine verpflichtende Bonitätsprüfung, klare Informationen über die Kosten und der Warnhinweis 'Geld leihen kostet Geld'.

Klarna hielt sich nicht daran. Das Gericht stellte fest, dass das Unternehmen nicht nachweisen konnte, dass die Inkassokosten nur kostendeckend waren und keinen Teil des Geschäftsmodells ausmachten. Da der gesetzliche Verbraucherschutz auf einen Verbraucherkreditvertrag anwendbar ist, entschied das Gericht, dass der Kunde die geforderten Zinsen und Inkassokosten nicht bezahlen muss.

Diese Kosten können Sie zurückfordern (und diese nicht)

Lassen Sie uns klar sein: Den ursprünglichen Kaufbetrag müssen Sie selbstverständlich bezahlen. Das steht außer Frage. Aber alle zusätzlichen Kosten, die Klarna berechnet hat, weil Sie zu spät dran waren? Die können Sie in vielen Fällen ignorieren oder zurückfordern. Das sollten Sie wissen:

  • Inkassokosten – Diese darf Klarna nicht mehr berechnen, solange das Unternehmen nicht den Kreditregeln entspricht. Haben Sie sie bereits bezahlt? Dann können Sie sie zurückfordern.
  • Zinsen – Auch Zinsen auf überfällige Zahlungen fallen unter dasselbe Urteil. Nicht bezahlen.
  • Mahnkosten – Die erste Erinnerung ist kostenlos, aber danach kommt Klarna oft mit Gebühren. Auch diese sind rechtlich fragwürdig geworden.
  • Der ursprüngliche Betrag – Dieser bleibt einfach geschuldet. Das Urteil betrifft nur die Strafen und zusätzlichen Kosten.

Eine wichtige Einschränkung: Das Urteil gilt offiziell nur für die Region Mittel-Niederlande. Andere Gerichte können anders entscheiden. Dennoch hat dieses Urteil Autorität, und es wird erwartet, dass andere Richter es berücksichtigen werden.

Wie Sie dieses Urteil in Ihrer Situation anwenden

Haben Sie eine Klarna-Bewertung über zu hohe Kosten hinterlassen? Oder haben Sie selbst einen Zahlungsrückstand? Das ist Ihr Leitfaden für die Praxis: Kunden müssen Klarna nicht bezahlen:

Schritt 1 ist zu prüfen, ob Ihre Situation unter das Urteil fällt. Es geht um Fälle, in denen Klarna Inkassokosten oder Zinsen für späteres Bezahlen berechnet hat. Schritt 2: Verweigern Sie die Zahlung dieser Kosten. Sie können Klarna mitteilen, dass Sie sich auf das Urteil des Gerichts Mittel-Niederlande berufen. Schritt 3: Haben Sie bereits bezahlt? Reichen Sie dann eine formelle Beschwerde bei Klarna ein, um den Betrag zurückzuerhalten. Schuldnerberater empfehlen, fallspezifisch abzuwägen, ob sich eine Anfechtung lohnt – bei hohen Kosten oder einer 100%-Regelung ist es schnell sinnvoll.

In der Zwischenzeit versucht Klarna, sich zu verteidigen. Das Unternehmen behauptet, dass es mit Inkassokosten kein Geld verdient und diese Kosten dem Unternehmen sogar Geld kosten. Die Zahlen lügen nicht: Klarna sagt, dass es für jeweils 100 Euro an Kosten für verspätete Zahlungen etwa 126 Euro für Inkasso und Kreditverluste ausgibt. Aber das Gericht war nicht überzeugt, und auch die finanzielle Beschwerdeinstanz urteilte, dass Klarna die Regeln schwerwiegend verletzt hat.

Was bedeutet das für neue Einkäufe mit Klarna?

Klarna hat inzwischen eine Lizenz für Inkassotätigkeiten in den Niederlanden geregelt. Das klingt, als ob das Unternehmen sich nun an die Regeln hält. Doch damit ist die Geschichte noch nicht abgeschlossen. Die Kernfrage – ob späteres Bezahlen als Kredit betrachtet werden muss – bleibt bestehen.

Ab November 2026 gelten strengere europäische Regeln für Buy Now, Pay Later-Dienste. Dann werden Bonitätsprüfungen und Altersverifikation verpflichtend. Bis dahin befinden wir uns in einer Grauzone. Eine Verbraucherschutzorganisation warnt beispielsweise vor der neuen Klarna-Bezahlkarte, mit der Sie auch in physischen Geschäften später bezahlen können. Sie halten das für unerwünscht, weil die Hürde zu Verschuldung dadurch noch niedriger wird.

Eines ist klar: Die Zeit, in der Klarna ungestraft hohe Inkassokosten berechnen konnte, ist vorbei. Dieses Urteil gibt Verbrauchern ein mächtiges Werkzeug an die Hand. Und wer wissen möchte, wie man in der Praxis vorgeht, um Klarna nicht bezahlen zu müssen? Die Antwort ist einfach: Verweigern Sie die zusätzlichen Kosten, berufen Sie sich auf das Urteil, und zahlen Sie nur das, was Sie für den Kauf selbst schulden.

Beachten Sie jedoch, dass Klarna Zahlungsrückstände bei Kreditauskunfteien melden kann. Das hat vorerst keine Auswirkungen auf Ihre BKR-Registrierung, aber es ist etwas, das Sie im Auge behalten sollten. Mein Rat: Bezahlen Sie rechtzeitig, wenn Sie können, aber lassen Sie sich nicht von ungerechtfertigten Gebühren abschrecken.