Artemis II: Die Mission, die Geschichte schreibt – Heute startet die Erkundung der Mondrückseite
Wir sind nur noch wenige Stunden von einem Moment entfernt, auf den viele von uns seit Jahren warten. Wenn alles nach Plan verläuft, wird das Space Launch System (SLS) mit einer Kraft aufheulen, wie wir sie seit der Apollo-Ära nicht mehr erlebt haben. Die Rede ist natürlich vom Start von Artemis II, der Mission, die nicht nur vier Astronauten in die Mondumlaufbahn bringen, sondern es wagen wird, etwas zu erkunden, was kein Mensch je mit eigenen Augen gesehen hat: die Rückseite des Mondes. Nach dem überwältigenden Erfolg der unbemannten Mission Artemis 1, die vor einigen Monaten jedes kritische System getestet hat, liegt die Latte extrem hoch. Aber wenn die Raumfahrtagentur in den letzten Jahren eines bewiesen hat, dann, dass sie weiß, wie man solche Kapitel der Geschichte schreibt.
Eine Reise ohne Gleichen: Vom Start in den Schatten des Mondes
Der Flugplan dieser Artemis-2-Mission ist kein einfacher Spaziergang um unseren Trabanten. Es ist eine freie Rückkehrumlaufbahn, die die Besatzung hinter den Point of No Return bringen wird, in ein Gebiet, in dem die direkte Kommunikation mit der Erde eine enorme technische Herausforderung darstellt. Die Flugbahn ist millimetergenau berechnet, so dass die Raumkapsel auf ihrem Höhepunkt hinter dem Mond verschwindet und die Astronauten für mehr als 30 Minuten in eine Funkstille eintaucht. Für viele ist das der kritischste Moment, aber für uns, die wir mit der Raumfahrt vertraut sind, ist es die wahre Feuertaufe für die neue Generation.
Das Herzstück dieses Abenteuers schlägt im Orion-Servicemodul. Es ist nicht einfach nur ein Container; es ist das Gehirn und die Antriebskraft der Mission, entwickelt in einer europäischen Kooperation, die zeigt, dass die Erforschung des Weltraums längst keine Angelegenheit eines einzelnen Landes mehr ist. Es liefert Strom, Antrieb, Temperaturkontrolle und, am wichtigsten, das Wasser und die Luft, die die Besatzung während der zehn Tage dauernden Odyssee am Leben halten werden. Der Unterschied zu Artemis 1 ist gewaltig: Jetzt befinden sich Menschen an Bord, und das gesamte System wurde getestet, um sicherzustellen, dass eine Rettung möglich ist, falls etwas schiefgeht – auch wenn die Entfernungen enorm sind.
- Der Start: Vom Kennedy Space Center aus wird das SLS eine Schubkraft von 8,8 Millionen Pfund erzeugen. Es ist die stärkste Rakete, die je gebaut wurde. Wenn sie abhebt, sehen wir nicht nur Feuer; wir sehen den Höhepunkt jahrzehntelanger Ingenieursarbeit.
- Der Trans-Lunar-Injektions-Burn: Nach dem Erreichen der Erdumlaufbahn gibt die Oberstufe des SLS den finalen Schub, um Orion auf Kurs zum Mond zu bringen. Das ist der Moment, in dem die Besatzung weiß, dass es kein Zurück mehr gibt.
- Das THEMIS-Experiment: Während des Fluges wird das wissenschaftliche Programm THEMIS aktiviert, das die Wechselwirkung des Sonnenwinds mit der Mondoberfläche untersucht. Es ist eine kurzfristige Ergänzung, aber eine, die Astrophysiker seit Jahren gefordert hatten. Man nutzt die menschliche Präsenz, um Instrumente mit einer Präzision zu kalibrieren, die Satelliten nicht bieten können.
- Die Mondrückseite: Sie werden bis auf nur 100 Kilometer an die Oberfläche der erdabgewandten Seite herankommen. Die Bilder, die wir von Orions Kameras sehen werden, zeigen ein Terrain, das für das menschliche Auge völlig unberührt ist.
Eine technische und menschliche Herausforderung für die Auserwählten
Der Countdown läuft unerbittlich. Zu diesem Zeitpunkt haben die Techniker bereits die Tanks mit flüssigem Wasserstoff und flüssigem Sauerstoff befüllt. Das Startfenster ist eng, aber wer die Entwicklung des Space Launch Systems verfolgt hat, weiß, dass die Zuverlässigkeit diesmal extrem hoch ist. Die vorherige Mission hat Lehren gezogen: Die Wasserstoff-Probleme, die uns während der Tests von Artemis 1 so zu schaffen gemacht haben, sind behoben. Hier ist kein Platz für Anfängernerven.
Für uns in Spanien wird die Verfolgung etwas Besonderes sein. Das Orion-Servicemodul trägt das Siegel der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), und in seinem Inneren reist Technologie, die in europäischen Einrichtungen entwickelt wurde. Es ist nicht nur eine Reise der USA; es ist eine Reise der Menschheit mit einer deutlichen europäischen Handschrift. Wenn die Astronauten zurückschauen und die Erde als kleinen blauen Punkt sehen, wird ein Teil dieser Heimat unser Beitrag sein. Und das, meine Freunde, ist kein billiger Patriotismus, sondern eine wissenschaftliche Tatsache.
Die Erwartung könnte nicht größer sein. Die Bilder, die wir von Artemis II erhalten werden, sind dazu bestimmt, Ikonen zu werden. Wir werden den Mond sehen wie nie zuvor, mit einer Auflösung und Qualität, die alles Bisherige bei weitem übertrifft. Und das Beste daran: Das ist erst die Vorspeise. Was uns wirklich den Schlaf raubt, ist die Gewissheit, dass, wenn Artemis II ihr Ziel erreicht, die Mission Artemis III bereits den Südpol des Mondes im Visier hat, wo eine dauerhafte Präsenz aufgebaut werden soll. Aber das ist eine andere Geschichte. Heute heißt es: in den Himmel schauen und hoffen, dass uns das SLS dieses Schauspiel beschert, das wir so sehr brauchen. Der Countdown läuft.