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Israel van Dorsten und die Sekte: Warum er in «Ferry & Edino: Über Leben» um Verständnis bittet

Medien ✍️ Lotte Bakker 🕒 2026-03-16 12:00 🔥 Aufrufe: 3
Israel van Dorsten in der EO-Serie «Ferry & Edino: Über Leben»

Wir alle kennen ihn von diesem bizarren Fund in Ruinerwold: Israel van Dorsten, der Sohn, der jahrelang mit seinen Geschwistern in völliger Abgeschiedenheit auf einem entlegenen Bauernhof lebte. Sein Vater, der selbsternannte Prophet, hielt sie von der Aussenwelt fern. Jahre später sehen wir Israel nun wieder im Fernsehen. Und zwar in der neuen EO-Serie «Ferry & Edino: Über Leben». Aber diesmal nicht als Opfer, das sein Herz ausschüttet. Nein, er setzt sich für andere Sektenmitglieder ein. «Verurteilt nicht zu schnell», sagt er. Und ehrlich? Nachdem man diese Folge gesehen hat, fragt man sich doch: Was wissen wir eigentlich wirklich darüber, was sich in diesen geschlossenen Gemeinschaften abspielt?

Eine Botschaft, die ankommt

In «Ferry & Edino: Über Leben» sprechen Ferry und Edino mit Menschen, die aussergewöhnliche Lebensgeschichten haben. Diesmal ist Israel ihr Gast. Er erzählt offenherzig über seine Zeit in der Sekte, aber das Auffälligste ist sein Plädoyer für Verständnis. Er betont, dass Menschen, die in eine Sekte geraten, oft nicht einfach «verrückt» oder «schwach» sind. Es sind ganz normale Menschen, die sich in einem Netz aus Manipulation und Abhängigkeit verfangen haben. Israel möchte, dass wir über die Bilder dieses abgeschiedenen Bauernhofs hinausblicken. «Ich habe mich auch oft gefragt: In was bin ich da hineingeboren?», sagt er. Ein Satz, der einem noch lange nachgeht.

Der Schock über den «Messias von Waddinxveen»

Was viele nicht wussten: Israel ist selbst immer noch tief beeindruckt von anderen Sekten-Geschichten. Als die Geschichte jenes «Messias von Waddinxveen» bekannt wurde, erschrak er selbst. Die Manipulation, die Lügen, die Kontrolle – er erkennt das Muster, aber die Details überraschen ihn immer wieder. Es zeigt, dass er immer noch daran zu beissen hat. Seine eigene Vergangenheit ist kein abgeschlossenes Buch, sondern eine Geschichte, die sich noch ständig weiterentwickelt. Und genau diese Verletzlichkeit macht ihn so glaubwürdig, wenn er sagt: «Wir sollten über Menschen, die aussteigen, nicht zu schnell urteilen.»

Was wir von Israel lernen können

Die EO-Serie macht genau das, was der Titel verspricht: Es geht ums Leben. Ums Überleben, ja, aber auch darum, zu lernen, nach so einer Erfahrung zu leben. Israel ist der lebende Beweis dafür. Er hat eine Mission: das Tabu brechen und zeigen, dass Leben von Ex-Sektenmitgliedern keine weggeworfenen Leben sind. In der Sendung nennt er einige Punkte, die er uns mitgeben möchte:

  • Nicht alle Sektenmitglieder sind willenlose Opfer – manche sind auf der Suche nach Sinn und werden getäuscht.
  • Der Übergang in die «normale» Welt ist enorm schwierig – stell dir vor, du müsstest alles loslassen, was du kennst.
  • Verständnis und Geduld sind wichtiger als Verurteilung – Verurteilung treibt die Menschen nur noch weiter in ihre Isolation.

Das sind einfache Erkenntnisse, aber im Kontext der Sensationslust um Sekten-Ausstiege sind sie Gold wert. Wir neigen oft dazu, sofort mit dem Finger zu zeigen, aber Israel zwingt uns, innezuhalten und nachzudenken.

Warum uns das alle berührt

Das Besondere an «Ferry & Edino: Über Leben» ist, dass es nicht mit erhobenem Zeigefinger daherkommt. Es sind einfach zwei Typen, die sich aufrichtig für die Geschichte ihres Gasts interessieren. Und Israel erzählt so, dass man das eigene Leben in Perspektive setzt. Diese Frage von ihm – «In was bin ich da hineingeboren?» – die könnten wir uns auch selbst stellen. Unter welchen Umständen sind wir aufgewachsen, und haben wir das Recht, über andere zu urteilen, die völlig andere Rahmenbedingungen hatten?

Die Stärke dieser Sendung liegt in ihrer Einfachheit. Keine aufgebauschten Dramen, keine Sensationshascherei. Einfach ein Mann, der nach allem, was er durchgemacht hat, den Mut hat, seine Stimme zu erheben. Nicht um Mitleid zu bekommen, sondern um Verständnis zu bitten. Und vielleicht ist genau das das Beeindruckendste von allem. Also setz die Sendung auf deine Liste. Es ist nicht nur eine Geschichte über eine Sekte, es ist eine Geschichte über Menschlichkeit.