Ganz grosses Mitgefühl! Wie «Dinner Blues» dem Abendessen neuen Schwung verleiht – das neue Genre der TV-Tokyo-Dramen
Wisst ihr, welcher Begriff in den sozialen Medien gerade still und heimlich für Gesprächsstoff sorgt? «Dinner Blues» (Abendessen-Blues). Schon beim Hören klingt er so, als könnte man die Schultern entspannen, und doch ist da auch eine leise Melancholie... dieser Ausdruck hat einfach etwas. Tatsächlich ist das der Titel einer Serie auf TV Tokyo, und sie ist eine völlig neue Art von Geschichte, die ganz wunderbar all die «Kennt-ihr-das-nicht-auch?»-Momente einfängt, die uns im Alltag von heute beschäftigen.
Warum nur ist das Abendessen so eine Herausforderung?
Um es kurz zu machen: Diese Serie ist eine Anthologie, die sich mit den «menschlichen Abgründen rund ums Abendessen» befasst. Doch sie unterscheidet sich grundlegend von einer blossen Gourmet-Serie. Schliesslich ist die Hauptfigur nichts Geringeres als das «Abendessen» selbst – dieser heilige Krieg, der uns täglich ereilt, den wir aber nicht auf die leichte Schulter nehmen können. Der Partner, der auf die Frage «Was möchtest du heute essen?» nur stumm aufs Handy starrt. Man selbst, der nach einem anstrengenden Arbeitstag vor dem Supermarktregal mit den Fertiggerichten steht und seufzt. Oder der seltsame Druck, ein besonders fotogenes Gericht für die sozialen Medien zaubern zu müssen. Das Drama fängt diese «blauen Momente», die jeder von uns schon erlebt hat, mit Humor und einer scharfsinnigen Beobachtungsgabe ein.
Unser aller Dinner Blues, hier und jetzt
Der Hashtag «Unser aller Dinner Blues», der in den sozialen Medien immer wieder auftaucht. Wenn man sieht, wie die Zuschauerinnen und Zuschauer auf die Fragen, die diese Serie aufwirft, mit ihren eigenen Erfahrungen antworten, wird daraus ein grosser Kreis der Verbundenheit.
- «Allein beim Gedanken an den täglichen Speiseplan ist mein Gehirn Matsch...»
- «Ich bin so erschöpft von der Kluft zwischen dem, worauf ich Lust habe, und dem, was ich servieren sollte.»
- «Warum isst der eigentlich immer nur das, worauf er gerade Lust hat?»
Solche authentischen Stimmen füllen das Netz in Echtzeit, als wären sie ein Teil des Drehbuchs. Auch die Charaktere im Drama kämpfen mit diesen kleinen Frustrationen, Resignationen und manchmal auch einer bittersüssen Zuneigung, während sie sich Tag für Tag mit dem Esstisch auseinandersetzen. Ihre Art wirkt so echt, dass sie einem fast schon ans Herz wächst.
Das feine Gespür des Genies Bakarhythm
Als Chefproduzent dieser Serie zeichnet niemand Geringeres als Bakarhythm verantwortlich. Sein feines Gespür dafür, die kleinen, alltäglichen Befremdlichkeiten in ein müdes Lächeln zu verwandeln, zeigt sich auch hier in voller Pracht. Die Dialoge zwischen Paaren rund ums Abendessen sind mal zum Schmunzeln, mal berührend. Die temporeiche Inszenierung, fast wie bei einem Sketch, und die Tiefgründigkeit eines menschlichen Dramas verschmelzen hier auf einzigartige Weise. Es geht nicht einfach nur darum, mit «Kennt-ihr-das-nicht-auch?»-Situationen für Lacher zu sorgen, sondern vielmehr um den sensiblen Blick auf die darunterliegende Ebene: die Zeit, die man für andere opfert, oder die Zeit, die man sich selbst nimmt. Das verleiht diesem Werk seine ganz besondere Tiefe.
Und dann diese Besetzung – einfach genial
Ein weiterer grosser Reiz dieser Serie ist die hochkarätige und jede Woche wechselnde Besetzung. Schauspieler, die sonst Hauptrollen spielen, zeigen hier ungeschminkte Seiten und Verwirrungen, die genau durch die Alltagssituation des Abendessens entstehen. Wenn ein bekannter Star sichtlich mit dem inneren Konflikt ringt, ob er nun das Onigiri aus dem Supermarkt nehmen soll, oder wenn eine andere ihr mit viel Mühe gekochtes Gericht serviert, das den Angehörigen völlig gleichgültig lässt, dann fühlt man sofort: «Aha, der oder die hat auch so seine Sorgen.» Gerade weil hier jede und jeder zur Hauptfigur werden kann, weil es eine «Geschichte von uns allen» ist, können wir uns auch bei den wöchentlichen Gästen immer wieder neu hineinversetzen.
Dies ist eine Serie für die Momente nach der Arbeit, zwischen den Hausarbeiten, für die Nächte, in denen einem der «Dinner Blues» auf die Pelle rückt. Sie wirkt ungezwungen und geht doch unter die Haut. Sie bringt euch neue Perspektiven und eine Prise Sanftmut in den Alltag. Vielleicht freut ihr euch heute Abend sogar ein bisschen mehr aufs Abendessen.