Laura Pirovano erobert Lillehammer: Die neue Abfahrtskönigin aus der Schweiz
Ich steh hier im Zielraum, um mich herum herrscht Ausnahmezustand. Und wer steht im Zentrum all dieser puren Emotionen? Laura Pirovano. Genau. Die Frau, die heute auf der Olympiapiste von Lillehammer einfach alles richtig gemacht hat. Was sie da abgeliefert hat, war keine gewöhnliche Abfahrt. Das war ein Ritt auf der Rasierklinge – mit dem Mut einer Löwin und der Technik eines Uhrmachers. Wenn man genau hinhört, hört man die Ski noch schneiden. Eine Fahrt, die uns allen hier den Atem geraubt hat.
Der Moment, der alles verändert
Die Stimmung vor dem Start war geladen. Jeder hier im Fahrerlager wusste: Das Licht spielt verrückt, der Schnee ist schnell, aber tückisch. Die meisten Fahrerinnen haben taktiert, versucht, sicher ins Ziel zu kommen. Nicht Laura Pirovano. Sie ist gestartet, als ob's um ihr Leben geht. In der Steilwand ist sie eine Linie gefahren, die ich so noch nicht gesehen habe – innen, eng an der Stange, mit einem Mut, den man entweder hat oder nicht. Und dann dieser Flachsattel. Da haben die anderen verloren. Sie nicht. Sie hat den Schwung so rausgezogen, dass ich dachte, sie fliegt gleich ab. Aber sie blieb dran. Im Ziel dann dieser kurze Moment des Innehaltens, dann die Explosion. Sie wusste sofort: Das reicht.
Warum sie jetzt die Maßstäbe setzt
Ich habe in meinen Jahren so viele Siegerinnen kommen und gehen sehen. Aber bei Laura Pirovano ist etwas anders. Sie hat diese unbändige Wut im Bauch, diesen unbedingten Willen, der eine gute von einer großen Athletin unterscheidet. Es gab in den letzten Wochen Gerüchte, dass sie im Training immer die Bestzeiten fährt. Aber davon kauft dir im Ziel niemand etwas ab. Man muss es im Rennen zeigen. Und sie hat es heute auf die eindrucksvollste Art und Weise getan. Klar, sie fährt für die Schweiz, aber dieser Sieg hat eine Strahlkraft, die weit über die Landesgrenzen hinausgeht. Das ist eine, die weiß, was sie will.
- Der Speed-Faktor: Sie ist nicht einfach schnell, sie ist die Schnellste in den Passagen, wo es wehtut. Das macht den Unterschied zwischen Platz drei und ganz oben.
- Eiskalt im Kopf: Bei den Bedingungen heute hat sie die Übersicht behalten. Keine Fahrfehler, kein Eiern. Einfach perfekte Linie von oben bis unten.
- Das Sieger-Gen: Sie strahlt etwas aus, das die Konkurrenz verunsichert. Wenn sie so weitermacht, wird das nicht ihr letzter Sieg in dieser Saison sein.
Was jetzt kommt
Man hört hier im Zielraum die unterschiedlichsten Stimmen. Die einen sprechen von einer Überraschung. Aber wer sie kennt, weiß: Das war längst überfällig. Laura Pirovano hat sich diesen Erfolg über Jahre erarbeitet, hat Rückschläge weggesteckt und ist immer wieder aufgestanden. Heute hat sie den Beweis geliefert, dass sie zu den absoluten Besten in ihrer Disziplin gehört. Und das Beste daran? Sie hat noch lange nicht ihr Limit erreicht. Ich bin mir sicher: In den nächsten Tagen werden die Insider noch mehr über ihre Trainingsleistungen erzählen. Aber jetzt gehört der Moment ihr. Wenn ich in ihre Augen schaue, sehe ich pure Genugtuung. Kein Grinsen, keine große Show – nur eine tiefe Zufriedenheit. So muss das sein.
Ich kann euch nur eines mitgeben: Merkt euch diesen Tag. Das war nicht irgendein Weltcup-Rennen. Das war die Geburt einer neuen Speed-Königin. Und wenn sie so weitermacht, werden wir in Zukunft noch oft über Laura Pirovano sprechen. Auf die nächste Fahrt, Laura.