Adiós an Enric Reyna: Der 82-Tage-Präsident, der von einem stolzen Barça träumte
An diesem Freitag hat die Barça-Familie einen der Ihren verloren. Enric Reyna, der nach dem Rücktritt von Joan Gaspart und vor der Amtszeit von Joan Laporta als Präsident des FC Barcelona fungierte, ist im Alter von 85 Jahren verstorben. Er war kein Präsident großer sportlicher Erfolge oder Fußballtitel, aber in der Erinnerung der eingefleischten Culés wird er stets einen besonderen Platz einnehmen – wegen jener schwierigen Übergangszeit und wegen einiger Umschläge, die Legende wurden.
Der 82-Tage-Präsident im Auge des Sturms
Wir schreiben das Jahr 2003. Gasparts Barça hatte mit gewaltigen Problemen zu kämpfen und der Klub brauchte einen interimistischen Steuermann, um bis zu den Neuwahlen das Ruder herumzureißen. Da betrat Enric Reyna die Bühne, ein Immobilienentwickler aus Barcelona und seit 1965 Vereinsmitglied. Er übernahm das Präsidentenamt am 12. Februar jenes Jahres. Es waren nur 82 Tage, aber intensive. Ihm fiel die Aufgabe zu, eine den Klub lähmende Wirtschaftskrise zu bewältigen und eine Fußballmannschaft, die sportlich völlig von der Rolle war. Doch es gab auch Lichtblicke: Während seiner kurzen Amtszeit gewannen die Profi-Abteilungen drei Titel – den Pokal des Königs im Basketball, denselben im Rollhockey und den EHF-Pokal im Handball – etwas, das er stets als Beleg dafür anführte, dass der Klub weit mehr als nur eine Sportart ist.
Das Geheimnis der 'Umschläge von Reyna'
Was Enric Reyna bei den Fans beinahe zu einer Romanfigur machte, waren die berühmten 'Umschläge', die er kurz vor seinem Abschied im Klub hinterlegte. In diesen hielt der geschäftstüchtige Bauunternehmer seine Pläne fest, um Barça aus dem wirtschaftlichen Tief zu führen. Der erste Umschlag enthielt eine Reihe von Spielertauschsgeschäften, die einen Gewinn von 50 Millionen Euro generieren sollten: Namen wie Rochemback, Overmars oder Motta waren als Tauschobjekte vorgesehen, um Mendieta, Conceicao oder José Mari zu holen. Der zweite Umschlag beinhaltete technische Gutachten zu Grundstücken (Can Rigalt) sowie Immobilienangebote. Die nachfolgende Führung um Laporta zog sie nicht in Betracht, doch die Legende der 'Umschläge von Reyna' blieb als Symbol eines Mannes bestehen, der, in seinen eigenen Worten, von "einem Barça träumte, auf das Mitglieder, Anhänger, Angestellte, Spieler und Funktionäre stolz sein können – stolz auf die Vereinsfarben und die Art, wie Dinge angegangen werden".
Über das Camp Nou hinaus: Das Vermächtnis eines Bauunternehmers des Landes
Abseits des Fußballs war Enric Reyna eine Institution in der Bau- und Immobilienbranche Kataloniens. Weggefährten erinnern sich an ihn an der Spitze seiner Baufirma Amrey und während seiner 35-jährigen Tätigkeit als Präsident des katalanischen Wohnungsbauunternehmerverbands APCE, wo er die städtebauliche Entwicklung Barcelonas nachhaltig prägte. Er stand der Fira de Barcelona und der Messe Construmat vor und erhielt erst vor wenigen Monaten vom Col·legi de l’Arquitectura Tècnica de Barcelona den Ehrenpreis für sein berufliches Lebenswerk. Eine verdiente Auszeichnung für eine Karriere, die buchstäblich dem Bau der Landschaft galt, auf der wir heute leben.
Zeitgenossen heben seine Bescheidenheit, seine Liebe zu Barça und sein Engagement für Institutionen hervor. Als die Nachricht seines Todes an diesem Freitag bestätigt wurde, beschränkte sich die Anteilnahme daher nicht nur auf Can Barça. Sogar vom ewigen Rivalen, Real Madrid, erreichte ein Beileidsschreiben an die Familie und die Barça-Fans – eine Geste, die den Respekt unterstreicht, den sich Enric Reyna im Laufe seines Lebens erworben hatte.
- 1940: Geburt in Barcelona.
- 1965: Eintritt als Mitglied in den FC Barcelona.
- 2000: Eintritt in die Vorstandschaft von Joan Gaspart.
- 2003 (Februar-Mai): Präsident des FC Barcelona für 82 Tage.
- 2026 (März): Tod im Alter von 85 Jahren.
Die Aufbahrung findet an diesem Samstag im Beisetzungsinstitut von Les Corts statt, nur einen Steinwurf vom Spotify Camp Nou entfernt. Die Trauerfeier wird am Sonntag am selben Ort zelebriert. Erwartet werden die Leute aus dem Viertel, Freunde aus der Baubranche, Funktionäre vergangener Ären und die einfachen Mitglieder, die sich an jenen Übergangspräsidenten erinnern, der zwischen all seinen Umschlägen nur das Beste für seinen Klub wollte. Ruhe in Frieden, Enric Reyna.