Diane Warren: 17 Mal nominiert, nie gewonnen – und trotzdem die ungekrönte Königin des Pop
Man könnte meinen, das Universum hätte seinen ganz eigenen Humor. Da steht Diane Warren auch dieses Jahr wieder im Dolby Theatre, umgeben von Glanz und Glamour, die Kameras surren, die Spannung ist zum Greifen nah – und dann, im Bruchteil einer Sekunde, ist die Enttäuschung perfekt. Die 69-Jährige hat es wieder geschafft: Sie hat einen neuen Rekord aufgestellt. Aber nicht den, von dem sie seit Jahrzehnten träumt.
Mit ihrer 17. Oscar-Nominierung ohne Sieg ist sie jetzt offiziell die alleinige Rekordhalterin für die längste Pechsträhne in der Geschichte der Academy Awards. 17 Mal nominiert, 17 Mal leer ausgegangen. In der Nacht zum 16. März 2026 musste sie mit ansehen, wie ihre Hymne „The Journey“ – großartig interpretiert von Kesha – erneut das Nachsehen hatte. Man könnte lachen, wenn es nicht so tragisch wäre. Aber wer Diane Warren kennt, weiß: Heulen kommt nicht in Frage.
„Unbeirrbar“ ist ihr zweiter Vorname
Passender hätte der Titel ihrer aktuellen Dokumentation nicht sein können. „Diane Warren: Unbeirrbar“ zeichnet das Porträt einer Frau, die sich einfach nicht unterkriegen lässt. Der Film, der aktuell auf diversen Festivals läuft, zeigt nicht nur die glamourösen Momente, sondern vor allem den Schreibprozess, die Zweifel, die Wut – und diesen unerschütterlichen Glauben an die Kraft einer guten Melodie. Man sieht eine Frau, die schon für Céline Dion, Whitney Houston und Aerosmith die größten Hits schrieb, und die nach jeder Niederlage einfach weitermacht. Unbeirrbar. Das ist keine aufgesetzte Pose, das ist ihr Leben.
Und dieses Leben ist gerade jetzt, im Frühjahr 2026, präsenter denn je. Neben der Oscar-Nominierung und der Doku gibt es gleich mehrere Projekte, die ihr Werk feiern:
- Diane Warren präsentiert: Love Songs: Eine brandneue Compilation, auf der die größten Liebesballaden der Meisterin versammelt sind. Der perfekte Soundtrack für verregnete Nachmittage oder eben jene Momente, in denen einem das Herz schwer ist.
- Nina singt die Hits von Diane Warren: Die britische Soul-Queen Nina hat sich an Warrens Katalog vergriffen und liefert eine Interpretation ab, die vor Respekt und Eigenständigkeit nur so strotzt. Ein Album, das zeigt, wie zeitlos diese Songs sind.
- Diane Keaton Memoiren: Und dann ist da noch die Sache mit der Namensvetterin. Während Diane Warren um den Oscar kämpfte, eroberte Diane Keaton die Buchhandlungen mit ihren Memoiren. Zwei starke Frauen, zwei Diane(n), die in ihren jeweiligen Bereichen einfach unverwüstlich sind.
Die Grande Dame ohne Oscar, aber mit Haltung
Klar, die 17. Niederlage schmerzt. Man hat es ihr angesehen in der Nacht. Aber wer mit ihr spricht, der merkt schnell: Dieser Oscar ist nicht das, was sie ausmacht. Sie ist die Frau, die uns „Because You Loved Me“ schenkte, die „I Don't Want to Miss a Thing“ schrieb, die uns mit „Un-Break My Heart“ das Heulen und Hoffen lehrte. Ihre Trophäensammlung zu Hause ist auch so schon beachtlich – Grammys, Emmys, Golden Globes – aber das Herzstück bleibt das Songwriting.
In einem Interview nach der Verleihung sagte sie mit ihrem typischen Wiener Schmäh: „Ich habe einen Rekord, den keiner haben will. Aber wisst's was? Ich habe immer noch 17 Nominierungen! Das ist auch nicht schlecht für a Madl aus dem San Fernando Valley.“ Genau diese Mischung aus Verletzlichkeit und knallharter Kämpfer-Mentalität macht sie aus. Sie ist der lebende Beweis, dass man auch ohne den heiligen Oscar eine Legende sein kann. Vielleicht ist genau das ihr Vermächtnis: nicht die Trophäe, sondern die Unbeirrbarkeit. Und die kann ihr keiner nehmen – egal, wie oft die Academy auch „Nein“ sagt.