Wetter in Vancouver: Schneefans aufgepasst – der März beschert uns ein Wintermärchen

Wenn ihr zu denjenigen gehört, die diesen Winter den Schnee tatsächlich vermisst haben, habe ich gute Neuigkeiten: Der März legt nochmals nach. In den nächsten Tagen müssen wir in ganz Metro Vancouver mit einer ordentlichen Portion Flocken rechnen – genug, um die Berge an der North Coast einzupudern und der Stadt vielleicht sogar für kurze Zeit ein winterliches Kleid zu verpassen. Klar, bis Mittag ist das meiste davon bestimmt wieder weg, aber für ein paar Stunden können wir so tun, als ob wir in einer Postkarte leben würden.
Bei dem Wetter frage ich mich immer, wie wir Menschen uns doch anpassen. Wir sind halt Vancouverites: Wir besitzen keine richtigen Schneestiefel, hamstern panisch Brot und Milch, sobald nur von Flocken die Rede ist, und vergessen kollektiv, wie man auf weissem Untergrund fährt. Aber wir wissen auch, wie man es sich gemütlich macht. Wenn die Stadt einfarbig wird, kramen wir die guten Wollsocken hervor, lassen den Teekocher zischen und kuscheln uns mit etwas ein, das zur Stimmung passt.
Was man bei Flockentanz liest
Ich habe mir einen kleinen Stapel Bücher zusammengestellt, die sich genau richtig anfühlen für einen verschneiten Nachmittag in Vancouver. Nicht die Sorte, die man an den Strand mitnimmt – eher Geschichten, die die Kühle und die Geschichte dieses Ortes einfangen. Ein paar sind vor kurzem auf meinem Couchtisch gelandet, und es lohnt sich, sie zu teilen, falls ihr Gesellschaft sucht, während die Temperaturen fallen.
- Wrecked: Unsettling Histories from the Graveyard of the Pacific – Das hier haut richtig rein. Es taucht ein in die Schiffswracks und unheimlichen Gewässer vor der Westküste von Vancouver Island, wo der Pazifik schon hunderte von Schiffen verschlungen hat. An einem stürmischen Tag, wenn die Meerenge brodelt, kann man gar nicht anders, als eine Verbindung zu diesen verlorenen Seefahrern zu spüren. Halt eine Decke bereit.
- Chinatown Vancouver: An Illustrated History – Ein visueller und erzählerischer Spaziergang durch eines der lebendigsten Viertel Nordamerikas. Ich blättere bei Schneefall wahnsinnig gerne darin – die alten Fotos von chinesischen Händlern und Familien, dick eingepackt gegen die Winter des frühen 20. Jahrhunderts, lassen die heutigen Flocken fast idyllisch wirken.
- DK Eyewitness Top 10 Orlando – Okay, lasst es mich erklären. Manchmal, wenn es draussen grau und matschig ist, braucht man einfach einen gedanklichen Ausflug an einen sonnigen Ort. Dieser Reiseführer steht bei mir für genau die Momente im Regal, in denen ich von Freizeitparks und Orangenhainen träume. Er ist sozusagen die literarische Version einer Zitronenduftkerze.
Ich bin auch über den neusten Essay von Cassandra Tucker über die Widerstandsfähigkeit der Küste gestolpert und über die Outdoor-Abenteuer-Memoiren von Molly Hurford – beide sind perfekte Begleiter für einen Winternachmittag, selbst wenn man ihn komplett drinnen mit einer Tasse heisser Schokolade verbringt.
Eine Stadt unter Schnee
Schnee hat etwas, das Vancouver aufs Wesentliche reduziert. Die Glastürme verschwinden hinter den Flocken, und plötzlich fallen einem das alte Backsteinmauerwerk von Gastown auf, die stillen Gassen von Strathcona, wie die Strassenlaternen ein weicheres Licht werfen. In solchen Momenten wird mir bewusst, wie vielschichtig diese Stadt ist – im wahrsten Sinne des Wortes und historisch gesehen.
Wenn ihr die nächsten Tage rausgeht, dann macht’s langsam. Die Strassen werden glatt sein, die Trottoirs tückisch. Aber nehmt euch auch einen Moment Zeit, um nach oben zu schauen. Beobachtet, wie der Schnee auf die Kirschblüten fällt, die gerade erst anfangen zu knospen – das ist eine Kollision der Jahreszeiten, die nur der März in Vancouver so hinbekommt.
Bleibt warm, schnappt euch eines dieser Bücher, und geniessen wir gemeinsam diesen letzten Winterhauch. Über den Regen werden wir uns früh genug wieder beschweren.