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Im Schatten von Sunshine City: Können wir nach dem Pokémon-Center-Tragödie in Ikebukuro noch ans «Licht» glauben?

Aktuell ✍️ 資深編輯 田中誠一 🕒 2026-03-26 16:38 🔥 Aufrufe: 2

Heute Nachmittag war das Wetter in Ikebukuro fast unheimlich schön. Die Sonne spiegelte sich in den Glasfassaden von Sunshine City, ein gleißendes Licht. Ich erinnere mich, wie ich vor vielen Jahren als Kind das erste Mal hier war und fand, diese «Sonnenstadt» sei so riesig, man könne sich darin stundenlang verlieren. Und nun, an einem ganz gewöhnlichen Donnerstag, hat sich über diesen Ort, der für Generationen so viel bedeutet, ein tiefer Schatten gelegt.

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Schrecken am Nachmittag: Der dunkelste Moment in Sunshine City

Gegen Mittag, im Pokémon Center TOKYO in Sunshine City, einem Ort, der eigentlich von Kinderlachen und dem fröhlichen Tauschen von Spielkarten erfüllt sein sollte, zerstörte ein Mann mit einem Messer diese Idylle. Er griff eine Mitarbeiterin an, die noch am Tatort verstarb. Der mutmaßliche Täter nahm sich anschließend mit derselben Waffe das Leben. Es geschah so schnell, dass wir, die wir die Nachrichten verfolgten, kaum Zeit zum Begreifen hatten, bevor sich das Bild vor unseren Augen auf gelbe Absperrbänder und blinkende Blaulichter verdichtete.

Ich rief sofort meinen Freund Keung an, der ein Geschäft in Ikebukuro betreibt. Seine Stimme zitterte. «Ich dachte zuerst, jemand hätte etwas umgestoßen, und dann sah ich plötzlich Leute rennen», erzählte er. «Ein paar junge Mädchen hatten solche Angst, sie schrien beim Laufen: 'Ein Messer! Ein Messer!' Ich schloss meinen Laden und zitterte am ganzen Körper. Das ist doch Sunshine City, ein Ort, an dem wir seit unserer Kindheit sind. Wie kann so etwas hier passieren?»

Die Worte meines Freundes spiegelten die Gedanken vieler Tokioter wider. Sunshine City, schon der Name steht für Licht, Freude und Leben. Das Pokémon Center darin war für viele eine Art Zufluchtsort, um exklusive Plüschfiguren zu kaufen oder mit Freunden zu spielen – all das war Teil unserer Normalität. Doch heute wurde diese Normalität zerschmettert.

Zwei Seiten der Sonnenstadt: Vom «Prince Hotel» zu den «Brunnen der Stille»

Der Ort Sunshine City selbst hat eine bewegte Geschichte. Er wurde auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses Sugamo errichtet – ein Ort, der sich von einem verlassenen Areal zum pulsierenden Stadtzentrum wandelte. Viele Touristen, die Tokio besuchen, wählen das Sunshine City Prince Hotel, wegen der guten Lage: gleich nebenan sind das Aquarium, die Aussichtsplattform und die riesigen Einkaufsmöglichkeiten. Wenn Freunde aus Hongkong zu Besuch kommen, empfehle ich ihnen oft das Sunshine City Tendon Tenya im Erdgeschoss – ausgezeichnetes Tempura, ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Danach rüber zum Modellbau-Laden – für mich war das der perfekte Tag.

Das Leben ist manchmal voller Ironie: Im hellsten Licht sind die Schatten oft am tiefsten. Dieser Vorfall erinnert mich an das Buch The Fountains of Silence. Es handelt von der Stille unter einer Diktatur, von unausgesprochenen Geschichten, die sich hinter der Fassade von Frieden und Wohlstand verbergen. Der Vorfall in Sunshine City hat zwar nichts mit politischen Intrigen zu tun, aber er zerriss auf brutale Weise unsere heile Welt. Wir dachten immer, diese großen Einkaufszentren seien sicher, das Pokémon Center der unbeschwerteste Ort überhaupt – doch die Realität hat uns eines Besseren belehrt.

Vielleicht brauchen wir jetzt einen Ort zum Durchatmen. Manche werden vielleicht ein Buch zur Hand nehmen, wie den kürzlich im Buchladen entdeckten Roman The Pumpkin Spice Café (Dream Harbor, Book 1), um in eine andere Welt einzutauchen und der harten Realität zu entfliehen. Andere, so wie ich jetzt, stehen vielleicht auf der Fußgängerbrücke gegenüber von Sunshine City, schauen auf das Licht dahinter und versuchen, das vertraute Gefühl wiederzufinden.

Nach dem Vorfall: Schmerz und Reflexion in der Gemeinde

Auch in Japan gab es in den letzten Jahren immer wieder solche Amoktaten, die jedes Mal für Verunsicherung sorgen. Einige Anwohner sagen, die Polizei ermittle noch immer im Umfeld und den Motiven des Täters. Wir werden wohl nie erfahren, was einen Menschen dazu treibt, auf so extreme Weise das eigene und das Leben anderer zu zerstören.

Doch als jemand, der nun seit zehn Jahren hier lebt, sehe ich, wie wichtig der Zusammenhalt in der Nachbarschaft ist. Nach dem Vorfall schloss die Betreibergesellschaft von Sunshine City das Gebäude sofort, und viele umliegende Geschäfte boten aus eigenem Antrieb Hilfe an. In sozialen Medien sah ich zahlreiche Kommentare – keine Panik oder Schuldzuweisungen, sondern gegenseitige Ermahnungen zur Vorsicht und Anteilnahme für die Familie des Opfers. Sogar Kinder malten Pikachu und Evoli und stellten ihre Zeichnungen online, um den Betroffenen Mut zu machen.

Diese kleinen Gesten der Wärme sind vielleicht genau das, was wir jetzt im Schatten dieser «Sonnenstadt» am meisten brauchen.

  • Die Ereignisse im Überblick:
  • Zeitpunkt: Mittag des 26. März 2026
  • Ort: Pokémon Center TOKYO im Sunshine City, Ikebukuro, Bezirk Toshima, Tokio
  • Opfer: Eine Mitarbeiterin getötet, der mutmaßliche Täter nahm sich später das Leben
  • Weiteres: Sunshine City wurde vorübergehend abgeriegelt, die Polizei ermittelt.

Wir sprechen oft von «Sicherheit», doch sie ist wohl das Zerbrechlichste, was es gibt. Nach dem heutigen Tag wird Sunshine City für mich nicht mehr nur ein Ort zum Einkaufen, Essen oder Flanieren sein. Eine Narbe wird bleiben, eine Mahnung daran, dass jeder gewöhnliche Tag ein kostbares Geschenk ist. Werde ich Freunden noch das Sunshine City Prince Hotel empfehlen? Werde ich noch im Sunshine City Tendon Tenya anstehen? Vielleicht. Vielleicht werde ich diesen Ort aber auch eine Weile meiden, um Abstand zu gewinnen. Das Leben geht weiter, die Sonne wird auch morgen wieder aufgehen – nur dass wir vielleicht mit einem etwas anderen Gefühl in ihr Licht blicken werden.