Nicolas Bosshardt: Das nächste Schweizer Juwel aus Brasilien? Murat Yakin bestätigt Interesse
Man stelle sich vor: Ein 18-jähriger Bub mit Schweizer Pass, der in der Abwehr des brasilianischen Rekordmeisters FC São Paulo aufläuft und dort linke Seite spielt, als wäre er auf einer Samba-Schule gross geworden. Genau so einer ist Nicolas Bosshardt. Und wenn man den Namen jetzt noch nicht kennt, sollte man ihn sich merken – spätestens seit gestern. Nati-Trainer Murat Yakin hat nämlich öffentlich gemacht, was sich in der Gerüchteküche schon länger zusammengebraut hat: Diesen Burschen wollen wir uns schnappen.
«Absolut auf dem Radar»: Yakin lässt die Katze aus dem Sack
Als Yakin gestern das Aufgebot für die Testspiele gegen Deutschland und Norwegen bekannt gab, kam er wie aus heiterem Himmel auf einen Spieler zu sprechen, den hierzulande noch kaum jemand auf dem Schirm hatte. Nicolas Bosshardt heisst das Supertalent, und der Nati-Coach legte die Karten offen auf den Tisch: «Er ist absolut auf dem Radar», sagte Yakin und machte kein Hehl daraus, dass die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft den Linksfuss intensiv beobachtet. Intern heisst es, man habe bereits lose Kontakte geknüpft und wolle dem Jungen das Interesse spüren lassen.
Was Yakin an dem Teenager so gut gefällt? «Er ist Linksverteidiger, kräftig, jung, spielt in einer Top-Liga.» Klingt nach einer einfachen Rechnung, ist aber im heutigen Fussball ein echtes Pfund. Denn einen Linksverteidiger, der körperlich schon so weit ist und dazu in Brasilien regelmäßig gegen Männer spielt, findet man nicht alle Tage. Yakin verriet sogar, dass man bereits Kontakt mit Bosshardt hat: «Es geht darum, dass der Spieler unser Interesse spüren soll. Ich werde ihn bestimmt auch besuchen.»
Von Cotia nach Europa: Ein Doppelbürger mit Weltkarriere-Potenzial
Wer jetzt denkt, das sei wieder so ein 08/15-Talent, das nach zwei guten Spielen gehypt wird, der irrt. Bosshardt kommt aus der berühmten Talentschmiede Cotia, die schon Grössen wie Kaká und Casemiro hervorgebracht hat. Seit er elf ist, trägt er das Trikot des FC São Paulo, im November gab er sein Profidebüt. Seither geht es steil bergauf. Im Januar verlängerte der Klub seinen Vertrag vorzeitig bis Ende 2029 und schnürte ihn mit einer saftigen Ausstiegsklausel: Stolze 60 Millionen Euro für Klubs aus dem Ausland, für brasilianische Vereine sogar umgerechnet 110 Millionen Real – ein dicker Brocken, der zeigt, wie sehr die Verantwortlichen auf ihn setzen. Insider aus São Paulo bestätigen, dass die Vereinsführung ihn als künftigen Eckpfeiler der Mannschaft sieht.
Und dann ist da ja noch diese Sache mit dem Pass. Der Vater ist Schweizer, die Mutter Brasilianerin. Das macht den 18-Jährigen nicht nur für uns interessant, sondern zieht auch jede Menge europäischer Top-Klubs an. Bayer Leverkusen und der VfB Stuttgart sollen heiss sein. Besonders die Stuttgarter haben einen kürzeren Draht, denn sie pflegen seit Januar 2025 eine Nachwuchs-Partnerschaft mit São Paulo. Bosshardt war sogar schon als Trainingsgast in Deutschland – ein klares Zeichen, dass man ihn dort genau im Auge hat.
Was Bosshardt so besonders macht – die Rohdiamant-Analyse
Ich habe mir ein paar Clips von ihm angeschaut und mit Kollegen aus Brasilien gequatscht. Was alle bestätigen: Dieser Junge hat diesen unbedingten Willen, den man braucht, um ganz oben anzukommen. Dazu kommen echte Fussball-Qualitäten:
- Physis: Mit 18 schon ein Brett, bullig im Zweikampf, aber trotzdem schnell. Yakin sagte ja schon «kräftig» – das sieht man auf dem Platz.
- Offensivdrang: Liebt es, die linke Bahn hochzugehen, flache Hereingaben, aber auch präzise Flanken. In der Staatsmeisterschaft von São Paulo hat er das schon mehrfach angedeutet.
- Ruhe am Ball: Lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, auch wenn drei Gegner anstürmen. Hat diese südamerikanische Gelassenheit im Spielaufbau.
- Mentalität: Hat letztes Jahr mit der U20 die Copa do Brasil gewonnen und im Finale sogar getroffen. Solche Typen brauchst du im Turnier.
Der Kampf ums Nationaltrikot: Schweiz oder Brasilien?
Jetzt kommt der spannendste Teil der Geschichte. Klar, die Schweiz hat längst Kontakt aufgenommen. Aber Bosshardt kann sich auch noch für Brasilien entscheiden, schliesslich ist er dort geboren und aufgewachsen und hat bisher alle Junioren-Stufen durchlaufen. Die «Seleção» schläft bekanntlich nicht und hat das Riesentalent natürlich auch auf dem Zettel. Barcelona, die Roma, Milan – alle sollen schon bei São Paulo angefragt haben. In der brasilianischen Fussballszene wird schon länger darüber getuschelt, dass der Junge bald den Sprung nach Europa wagen könnte.
Doch Yakin wäre nicht Yakin, wenn er hier nicht dranbleiben würde. Man kennt das ja von ihm: Vor einem Jahr holte er mit Lucas Blondel und Stefan Gartenmann zwei Doppelbürger aus dem Nichts in die Nati. Die konnten sich zwar nicht dauerhaft durchsetzen, aber das Prinzip stimmt.
«Ob es für die WM im Sommer reicht, werden wir sehen», sagte Yakin ganz ehrlich. Und genau das ist der Punkt. Die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada kommt diesen Sommer vielleicht noch zu früh für den Youngster. Aber wer einmal Yakins Radar erfasst hat, der landet früher oder später im Kader. Wenn Nicolas Bosshardt weiter so performt wie in den letzten Monaten, dann steht einer rot-weissen Zukunft nichts mehr im Weg. Ausser vielleicht Brasilien.
Ich für meinen Teil werde die Paulista-Meisterschaft jetzt mit anderen Augen verfolgen. Denn irgendwie ist es schon ein geiles Gefühl zu wissen, dass da ein 18-Jähriger mit Schweizer Wurzeln die Acker-Wiese in São Paulo unsicher macht. Und wer weiss – vielleicht sehen wir ihn schon bald im Nati-Dress über den linken Flügel fliegen. Dä Herr Yakin wird's scho richte.