Julia Kykkänen erwägt Rückkehr ins Skispringen – Über die Zukunft eines finnischen Sportlerclans
Die Olympia-Stimmung in Mailand ist langsam abgeklungen, doch in der Skisprungszene beschäftigt eine Frage immer noch: Was hat Julia Kykkänen eigentlich vor? Die Spiele brachten aus finnischer Sicht nicht den ganz grossen Aufreger, aber jetzt richtet sich der Blick bereits auf die neue Saison. Aus ihrem Umfeld hört man, dass die Zukunftspläne noch völlig offen sind – und die Möglichkeit einer Rückkehr keineswegs begraben wurde. Im Gegenteil: Der eher zurückgezogen lebende Kimmo Kykkänen hat durchblicken lassen, dass die Leidenschaft seiner Tochter für den Sport nach wie vor brennt. Es ist dieser typisch finnische "Sisu"-Geist, der nicht so schnell erlischt.
Wenn man über die Kykkänens spricht, kommt man nicht daran vorbei, dass dies mehr ist als nur Einzelsport – es ist eine Familientradition. Jere Kykkänen gibt in diesem Trainingssommer Vollgas und kämpft um einen Stammplatz im Nachwuchs-Nationalteam Grosse Geschwister sind immer eine Messlatte, an der man sich misst, aber Jere hat daraus gelernt. Er ist der stille Arbeiter, über den man erst spricht, wenn die Ergebnisse kommen. Und die Sportwelt weiss: Die werden kommen.
Aber zurück zum Hauptthema. Julia steht jetzt an einem Scheideweg in ihrem Leben. Eine Rückkehr auf die Schanze erfordert immer eine enorme Menge Arbeit und vor allem, dass der Kopf mitspielt. Zum Glück ist ihr Unterstützungsnetzwerk aussergewöhnlich stark. Susanna Forsström, Julias langjährige Teamkollegin im Nationalteam und eine der Eckpfeiler des finnischen Frauenskispringens, weiss genau, was Julia durchmacht. "In diesem Alter und an diesem Punkt der Karriere überlegt man ganz anders, was man wirklich will. Es ist eine Zeit der grossen Entscheidungen", sagte sie kürzlich, als ich sie traf.
Überlegt man sich, was alles auf dem Spiel steht, kann man einige Schlüsselfaktoren auflisten:
- Das Erbe: Kimmo Kykkänen legte das Fundament, jetzt schreiben die Kinder die Geschichte fort.
- Die Partnerschaft: Susanna Forsström ist die Stütze und der Rückhalt, ohne den so manche Spitzenkarriere schon früher geendet hätte.
- Die Zukunft: Jere Kykkänen verkörpert diesen jugendlichen Elan, der auch auf die Routiniers überspringt.
- Die Entscheidung: Julia Kykkänen wägt ab, ob die Leidenschaft noch gross genug ist für den ganzjährigen Kampf und die Strapazen.
Und an diesem Punkt denkt man unwillkürlich: Eine Rückkehr würde sich doch lohnen. Die Frauen springen heute an der Spitze immer länger, und Julias Technik ist ja nicht verschwunden. Es ist immer noch dieser same augenschmeichelnde Stil, den die ganze Nation in ihrer Durchbruchssaison bewunderte. Die endgültige Entscheidung fällt wohl in den nächsten Wochen. Aber eines ist sicher: Wenn Kykkänen weitermacht, erwacht der gesamte heimische Skisprungsport zu neuer Blüte. Und das sind die Nachrichten, auf die wir alle warten.