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Ballistische Raketen: Vom Flugzeugträger zur Atomdrohung – was bedeutet das für die Schweiz?

Geopolitik ✍️ Erik Hansen 🕒 2026-03-03 04:52 🔥 Aufrufe: 3

Sprechen wir über das Bild, das Sie sehen. Das da, meine Damen und Herren, ist keine Szene aus einem Actionfilm. Es ist eine Momentaufnahme unserer neuen Realität. In den letzten Wochen wurden die Schlagzeilen von einem Wort dominiert: ballistische Raketen. Einst ein theoretisches Konzept aus dem Kalten Krieg, sind sie heute ein brandaktuelles, taktisches Werkzeug in dem, was sich im Nahen Osten abspielt.

Start einer ballistischen Rakete

Tod vom Himmel: Taktik und Terror im Iran-Israel-Krieg

Was früher eine abschreckende Bedrohung zwischen den Supermächten war, ist im Konflikt zwischen Iran und Israel zur alltäglichen Realität geworden. Ich habe die Videos gesehen, wir alle haben sie gesehen. Es geht nicht nur um die Interkontinentalrakete, die Städte auslöschen kann, sondern auch um präzise Salven von Raketen kürzerer Reichweite. Als der Iran kürzlich einen amerikanischen Flugzeugträger angegriffen haben soll, waren genau ballistische Raketen das Mittel der Wahl. Es war ein Statement. Eine Botschaft, dass ihre Reichweite und Präzision jetzt ein Faktor sind, den niemand ignorieren kann. Für uns, die das Geschehen genau verfolgen, bestätigt es, dass sich die iranische Doktrin weiterentwickelt hat: Sie setzen luftgestützte ballistische Raketen und Bodenstartanlagen in einer koordinierten Offensive ein, die selbst die fortschrittlichsten Verteidigungssysteme herausfordert.

Die leise Bedrohung unter den Wellen

Während alle auf Raketensilos und mobile Startrampen starren, vergessen wir oft den gefährlichsten Akteur in diesem Wettrüsten: das Raketen-U-Boot. Diese stillen Giganten patrouillieren durch die Weltmeere und bilden den Kern der Zweitschlagskapazität. Genau jetzt, während Sie dies lesen, befindet sich wahrscheinlich mindestens ein russisches oder chinesisches U-Boot irgendwo im Nordatlantik, beladen mit Raketen, die Ziele an der Ostküste der USA in weniger als 30 Minuten erreichen können. Diese Unsichtbarkeit macht sie so erschreckend effektiv und treibt die Notwendigkeit eines robusten US-Raketenabwehrsystems voran.

Können wir uns überhaupt verteidigen?

Hier kommen wir zu der großen Frage, die alle Verteidigungsanalysten beschäftigt, die ich kenne: Funktioniert der Schutzschild? Das US-Raketenabwehrsystem ist ein technologisches Wunderwerk, aber es ist ein Puzzle, dessen Teile nicht immer zusammenpassen. Systeme wie Aegis und THAAD sind dafür ausgelegt, Raketen in verschiedenen Phasen ihrer Flugbahn abzufangen. Aber wenn ein Gegner wie der Iran oder die Huthi-Bewegung einen Schwarm von Raketen startet – einige sind ballistische Raketen, andere Marschflugkörper und Drohnen – wird die Rechnung brutal schwierig. Der Verteidiger muss mehr Waffen haben als der Angreifer Raketen, und das ist eine Kostenspirale, die niemand wirklich gewinnen kann.

  • Präzision: Moderne ballistische Raketen sind nicht länger "Spray and Pray". Sie treffen ihr Ziel.
  • Geschwindigkeit: Der Abstieg erfolgt mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit, was Sekunden, nicht Minuten für eine Reaktion lässt.
  • Massensättigungsangriffe: Eine Rakete abzuschiessen ist möglich. 50 Raketen gleichzeitig abzuschiessen, ist eine ganz andere Herausforderung.

Was um Himmels willen hat das mit der Schweiz zu tun?

Alles. Wir sitzen in der ersten Reihe dieses Dramas. Zwar sind wir nicht direkt an den Ozeanen, aber die geopolitische Lage der Schweiz als Teil Europas und die Nähe zu den russischen U-Boot-Stützpunkten auf der Halbinsel Kola machen uns indirekt zu einem strategischen Faktor von Bedeutung. Die NATO-Übungen im Norden Europas zielen nicht nur auf konventionelle Streitkräfte ab; sie sind eine massive Demonstration der Fähigkeit, die Meere zu kontrollieren, in denen Raketen-U-Boote operieren. Und wenn die Spannungen steigen, zum Beispiel im Gefolge des Iran-Israel-Krieges, dann erhöht sich auch bei uns die Bereitschaft. Es ist ein Dominoeffekt. Die Sicherheitsarchitektur Europas, in der die Schweiz eingebettet ist, ist direkt betroffen.

Für die Verteidigungsindustrie und die Investoren da draussen ist dies das neue Ölgeschäft. Wir sprechen über Verträge im Wert von Hunderten von Milliarden für die Aufrüstung des US-Raketenabwehrsystems, die Entwicklung neuer Sensoren und nicht zuletzt: die Fähigkeit, feindliche U-Boote aufzuspüren und gegebenenfalls unschädlich zu machen. Diejenigen, die Technologien liefern, die das Unsichtbare entdecken oder sich gegen das Unhörbare verteidigen können, werden das grosse Geld machen. Hier liegt das wahre Potenzial, nicht im Verkauf weiterer Plattformen, sondern im Verkauf von Überlebensfähigkeit.

Also, wenn Sie das nächste Mal hören, dass eine Interkontinentalrakete getestet wird oder ein Flugzeugträger seinen Kurs ändern muss, denken Sie daran: Es sind nicht nur Nachrichten aus einem fernen Konflikt. Es ist das Geräusch einer Welt, die wieder aufrüstet, und die Schweiz ist – wenn auch geografisch etwas abseits – durch ihre wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen mittendrin in diesem neuen strategischen Umfeld. Die Frage ist nicht länger, ob wir uns mit dieser Bedrohung auseinandersetzen müssen, sondern wie wir uns am besten darauf vorbereiten können.