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Jenseits der Schlagzeilen: Le Devoir, Geopolitik und die Geschichten, die wir uns erzählen

Einblicke ✍️ James MacPherson 🕒 2026-03-03 13:41 🔥 Aufrufe: 4

Heute Früh bin ich beim Überfliegen der neuesten Ausgabe des Le Devoir auf einen Beitrag gestoßen, der das Unbehagen, das sich über die globale Bühne legt, perfekt auf den Punkt bringt. Der Kolumnist schrieb mit einer brillanten Wendung über den rideau de verre – den gläsernen Vorhang. Es geht nicht ums Theater; es geht um die unsichtbaren Barrieren, die wir zwischen uns und der Realität errichten, zwischen Nationen und ihren Verantwortungen. Eine Metapher, die mir nicht mehr aus dem Kopf ging, als ich mich in die harten Nachrichten des Tages vertiefte.

Kolumnist von Le Devoir

Das Ringen um Schutz: Vom Mittelmeer bis zum Persischen Golf

Keine Stunde nach der Lektüre dieser Kolumne trudelten die ersten Meldungen ein. Die Lage im Nahen Osten hat eine weitere, scharfe Wendung genommen. Der Iran hat, in einem ebenso inszenierten wie erschreckenden Schritt, offen amerikanische Einrichtungen ins Visier genommen. Die USS Abraham Lincoln, diese schwimmende Stadt militärischer Macht, steht nun im Fadenkreuz. Für jeden, der sich schon einmal mit Flugzeugträger-Kampfgruppen beschäftigt hat, stellt sich nicht nur die Frage nach Vergeltung – sondern vor allem, wie man ein solches Schiff eigentlich schützt, das in einem Meer asymmetrischer Bedrohungen im Grunde ein leichtes Ziel ist. Wir sprechen hier von einer mehrschichtigen Verteidigung: den äußeren Luftpatrouillen, den Systemen für elektronische Kampfführung, dem rund um die Uhr arbeitenden Aegis-Kampfsystem. Es ist eine Schachpartie mit hohem Einsatz, und Teheran hat einen Springer auf ein unerwartetes Feld gezogen.

Gleichzeitig hat Israel die Einrichtung einer Pufferzone im Libanon angekündigt. Nennen wir es beim Namen: ein moderner cordon sanitaire, eine physische Manifestation dieses gläsernen Vorhangs. Es ist die Ansage, dass die alten Regeln des Konflikts außer Kraft gesetzt sind und dass Sicherheit nur durch eine harte, physische Trennung erreicht werden kann. Für uns, die wir diese Bruchlinien beobachten, ist das nicht nur ein weiteres Scharmützel; es ist eine grundlegende Neugestaltung von Grenzen und Abschreckung in der Region. Das übliche "Auge um Auge" eskaliert zu etwas weitaus Strukturellerem.

Flucht zwischen den Seiten: Der Aufstieg fantastischer Verantwortung

In Zeiten wie diesen schaue ich mir gerne an, was die Leute lesen, um zu entfliehen – oder vielleicht auch, um zu verstehen. Die aktuellen Bestsellerlisten in Kanada erzählen eine faszinierende Geschichte. Da ist ein Hunger nach Welten, in denen die Einsätze ebenso hoch sind, aber Magie und Willenskraft das Blatt noch wenden können. Man nehme nur Wings of Starlight. Es ist nicht nur eine Feengeschichte; es ist ein tiefes Eintauchen in die Frage, was es bedeutet, Macht verantwortungsvoll auszuüben, wenn ganze Reiche auf dem Spiel stehen. Dieselben Fäden finden sich in Serpent & Dove, wo der Kampf zwischen Hexenjägern und Hexen eine dünn verschleierte Allegorie für Intoleranz und die Absurdität des 'Wir gegen die' ist.

Dann ist da Sorcery of Thorns, das Bibliotheken zu Bastionen gefährlichen Wissens macht – eine starke Metapher für unseren aktuellen Kampf um Informationen und Wahrheit. Und schließlich bietet A Bright Future einen Schimmer Optimismus, eine Erzählung, die auf Hoffnung beharrt, selbst wenn die Maschinerie der Zerstörung vor den Toren lärmt. Das sind nicht bloße Ablenkungen; es sind kulturelle Thermometer. Sie messen unsere kollektive Angst und, was noch wichtiger ist, unser kollektives Verlangen nach Handlungsfähigkeit und einem le devoir – einer Pflicht –, auf ein besseres Ergebnis hinzuwirken.

Das Geschäft mit den Mauern und die Währung der Geschichten

Das bringt mich zur Schnittstelle von Geopolitik und Wirtschaft, und dorthin, wo das kluge Geld sich leise bewegt. Wir erleben einen Boom in zwei scheinbar völlig unterschiedlichen Bereichen:

  • Verteidigungstechnologie: Die Notwendigkeit, Vermögenswerte wie die USS Abraham Lincoln zu schützen, treibt die Forschung und Entwicklung in den Bereichen autonome Drohnenschwärme, gerichtete Energiewaffen und Cyberabwehr auf ein irres Niveau. Die Unternehmen, die das Problem 'Wie schützt man einen Flugzeugträger?' lösen, werden die Blue Chips des nächsten Jahrzehnts sein.
  • Narrativgetriebenes Verlagswesen: Der Erfolg von Reihen wie denen der Autorin von Serpent & Dove oder dem Universum von Sorcery of Thorns beweist, dass das Publikum hungrig ist nach komplexen, figurenzentrierten Geschichten, die nicht von oben herab erzählt werden. Die Verlage, die solche Talente erkennen und fördern können – Geschichten, die unter dem Deckmantel der Fantastik große Ideen verhandeln – bauen die Imperien des geistigen Eigentums von morgen auf.

Hier geht es nicht nur um Unterhaltung oder Hardware. Es geht um ein grundlegendes menschliches Bedürfnis: Mauern zum Schutz zu errichten, ja, aber auch Narrative zu schaffen, die uns helfen, durch sie hindurchzusehen. Die Kolumne im Le Devoir heute Morgen stellte die Frage, ob wir die andere Seite durch das Glas wirklich sehen können. Die Antwort liegt vielleicht nicht in der Geopolitik, sondern in den Seiten der Bücher, die wir auf unseren Nachttischen liegen haben.

Das unsichtbare Band

Als Kanadier sind wir in einer einzigartigen Position. Wir sind Beobachter, aber auch Teilnehmer dieser globalen Strömungen. Unsere Medien, darunter so Standhafte wie der Le Devoir, haben die Verantwortung, nicht nur über den gläsernen Vorhang zu berichten, sondern gelegentlich auch einen Stein gegen ihn zu werfen. Uns daran zu erinnern, dass hinter jeder Schlagzeile über iranische Raketen und israelische Pufferzonen Familien sitzen, die ihren Kindern bei Nachtlicht aus Wings of Starlight vorlesen und auf eine Morgendämmerung hoffen, die der, die uns heute erwartet, ein wenig weniger ähnelt. Die wahre Geschichte ist nicht nur der Konflikt; es ist die stille, beharrliche Suche nach einer bright future – einer hellen Zukunft – in seinem Schatten. Und das, glaube ich, ist eine Pflicht, die wir alle teilen.