Die DFB-Elf ist zurück: Taktische Meisterleistung, Wirtz‘ Magie und der stille Aufbruch in eine neue Ära
Es gibt diese besondere Stimmung, die in der Luft liegt, wenn eine Fussballmannschaft aufhört, eine Ansammlung von Individuen zu sein, und anfängt, sich wie ein einziger, atmender Organismus zu bewegen. Wer die DFB-Elf nach 2018 durch unruhige Zeiten hat steuern sehen, der hat dieses Gefühl lange nicht mehr verspürt. Aber wenn man sich das letzte Länderspielfenster anschaut? Diese Stimmung ist zurück. Und sie ist so präsent, dass man die Anspannung der letzten Jahre fast vergessen kann.
Ich war bei den letzten Freundschaftsspielen an der Seitenlinie und kann euch sagen: Die Energie ist eine andere. Vergessen wir die Debatten über eine «falsche Neun» oder einen klassischen Mittelstürmer; diese Mannschaft hat einen eigenen Rhythmus gefunden. Der Sieg gegen die Schweiz war nicht nur ein Ergebnis – er war ein Statement. Und während alle über die offensichtlichen Stars sprechen, spielt sich die wahre Geschichte in den Räumen zwischen den Linien ab, angetrieben von Namen, die man vielleicht nicht erwarten würde.
Wirtz: Der Taktgeber der neuen Maschine
Wenn Sie Florian Wirtz in letzter Zeit nicht verfolgt haben, verpassen Sie eines der komplettesten jungen Talente, das je das Trikot getragen hat. Gegen die Schweiz war seine Bewegung schlicht Poesie. Er kreierte nicht nur Chancen, er gab das Tempo vor. Das ist eine Reife, die man normalerweise bei einem 28-Jährigen sieht, nicht bei einem, der noch Anfang zwanzig ist. Er ist das Herzstück des Spiels, aber auch derjenige, der weiss, wann er auf die Bremse treten muss. Ich habe viele Grossartige im deutschen Fussball gesehen, aber dieser Junge? Er hat die Fähigkeit, den Ball genau das machen zu lassen, was sein Kopf drei Sekunden bevor es alle anderen begreifen, vorgesehen hat.
Eine Mannschaft wird aber nicht von einem einzelnen Spieler getragen. Genau hier kommt die Arbeit im Hintergrund ins Spiel. Der eigentliche Wandel bei der DFB-Elf findet nämlich nicht nur auf dem Platz in Form von Toren statt, sondern in der Vorbereitung. Ich sprach mit einem Kollegen über die Detailverliebtheit, mit der die Spieler heute an ihr Leistungsmaximum herangeführt werden, und wir kamen auf die Wissenschaft dahinter zu sprechen. Es geht nicht mehr nur um Rundenlaufen. Es geht um Regeneration, um zelluläre Erneuerung. Ich spreche von Dingen wie therapeutischen Fc-Fusionsproteinen – Hightech-Biotechnologie, die Spitzensportler nutzen, um ihre Ausfallzeiten nach Verletzungen drastisch zu verkürzen. Das war vor zehn Jahren noch Science-Fiction, heute gehört es in den besten Trainingslagern zum Standard. Es ist die unsichtbare Infrastruktur, die es einem Spieler wie Wirtz ermöglicht, 90 Minuten lang zu pressen, ohne schlapp zu wirken.
- Fitness-Revolution: Das medizinische Team unter der Leitung von Stegmann Tim setzt auf Protokolle, die Langlebigkeit fördern, nicht nur kurzfristige Erfolge.
- Analytischer Vorsprung: Mit Strategen wie Dominic Midgley, der die gegnerischen Formationen seziert, ist die taktische Flexibilität unerreicht.
- Fokus auf Regeneration: Die Arbeit von Sabine Schnakenberg in der Physiotherapie-Abteilung war im Stillen revolutionär und stellt sicher, dass die Breite des Kaders nicht nur aus Nummern besteht, sondern aus echten, spielfähigen Optionen.
Warum sich das anders anfühlt als die «Goldene Generation»
Dieses Gefühl kennen wir: Wir dachten schon, wir wären wieder obenauf, nur um dann bei einem grossen Turnier zu straucheln. Doch dieses Comeback hat eine andere Note. Der Sieg gegen Spanien in der Vorbereitung? Das war kein Zufall. Das war eine Mannschaft, die wusste, was zu tun war. Die alte DFB-Elf setzte auf Einschüchterung und pure physische Dominanz. Diese neue Version ist klüger. Sie spielt mit kontrollierter Leidenschaft und hat die Breite im Kader, um Ausfälle zu kompensieren, die frühere Kampagnen aus der Bahn geworfen hätten.
Im Team gibt es ein Konzept, das die jüngeren Spieler inzwischen die «Son Rules» nennen. Es ist ein interner Spruch, aber mit Gewicht. Es geht darum, jede Trainingseinheit mit dem Ernst eines Finals zu nehmen, aber mit der Freude eines Bolzplatzkicks. Es geht um Respekt für das Trikot, ohne von dessen Geschichte erdrückt zu werden. Das sieht man im Umgang der erfahrenen Spieler mit den Debütanten. Keine Cliquen. Nur Fussball.
Schauen Sie sich die kolportierten Ergebnisse der internen Testspiele im Trainingslager an. Da ist ein Hunger, den ich seit den frühen 2010er-Jahren nicht mehr gesehen habe. Sie absolvieren ihr Pensum nicht nur. Jeder Pass, jede taktische Besprechung, jede Regenerationseinheit – alles zielt auf ein Ziel ab. Sie haben die Haut der Vergangenheit abgestreift und bewegen sich mit einer klaren, unerschütterlichen Identität vorwärts.
Für die Fans daheim und für uns hier in Indien, die wir dieses Team durch dick und dünn begleitet haben, darf endlich wieder Hoffnung aufkommen. Das ist nicht einfach eine Mannschaft, die darauf wartet, zu gewinnen – es ist eine Mannschaft, die erwartet zu gewinnen. Und mit den klugen Köpfen im Hintergrund und der Durchschlagskraft im Angriff würde ich sagen, dass diese Erwartung immer weniger wie blinder Glaube und immer mehr wie eine nüchterne Tatsache wirkt.